Storage-Trends: Kommentar von Frank Herold, Quantum

Tape Libraries sind nicht überholt

Das Tape bekommt neuen Schwung: Amazon und Google setzen auf eines der ältesten Storage-Medien der Welt. Warum eine alte Technologie moderne IT-Probleme meistert, kommentiert Frank Herold, Manager Presales EMEA bei Quantum.

Frank Herold, Manager Presales EMEA bei dem Storage-Spezialisten Quantum

Waren sich Leute aus Marketing und Sales einig, das Tape habe ausgedient und sei von neuen Speichermethoden überholt, zeigt sich in Rechenzentren ein gegenteiliges Bild: Das Tape ist noch immer ein hochfrequentiertes Speichermedium, das in vielen Branchen eine entscheidende Rolle bei der Datenarchivierung spielt – von der Industrie und Wissenschaft hin zu Medien. 1951 zum ersten Mal an einem Univac-Computer eingesetzt, erlebt Tape seit 2012 ein erneutes Wachstum. So prognostiziert die Santa Clara Consulting Group für das Jahr 2014 ein Verkaufsplus von drei Prozent. Denn angesichts von Big Data, Cloud und Mobility suchen Unternehmen dringend nach einer zuverlässigen Ad-hoc-Lösung für die Speicherung, Sicherung und vor allem Langzeitarchivierung ihrer Daten.

Tape sichert Daten in der Cloud

Serviceprovider mit großen cloud-basierten Rechenzentren wie Amazon und Google haben die wirtschaftlichen und operativen Vorteile von Tape (wieder) erkannt. Google nutzt Tape für die Datenwiederherstellung bei seinem E-Mailservice Gmail, und Amazon für seinen cloud-basierten Speicherservice Glacier. In solchen Big-Data-Umgebungen finden Tape Libraries zunehmend Verwendung für die Sicherung von Primärdaten in der Cloud. Auch dienen sie als Storage-Tier für Daten, die selten benötigt werden.

Doch welche Gründe sprechen für Tape? Kostenersparnis, Effizienz und intelligentes Tiering. Während ein Gigabyte Speicherplatz im Disk-Bereich in der Anschaffung etwa zehn Cent kostet, sind es bei Tape vier Cent. Gegenüber rein diskbasierten Systemen bieten viele Tape Libraries neben einer deutlich höheren Datendichte und Leistung vor allem reduzierte Kosten für Strom und Kühlung. Die Archivierung von fünf Pentabyte Daten auf Tape führt im Vergleich zur Disk über einen Zeitraum von zehn Jahren zu Einsparungen von mehr als 80 Prozent. In vielen Fällen überschreiten alleine die Strom- und Kühlkosten, um Disk-Systeme am Laufen zu halten, die Gesamtkosten von Tape-Archiven.

Rechenzentren sind riesige Landschaften, die extrem steigende Kapazitäten erfordern. Diesbezüglich hat die Tape-Technologie in den letzten Jahren entscheidende Fortschritte gemacht, wie beispielsweise mit Linear Tape File System (LTFS). Dies ermöglicht es, Tape wie Disks zu verwenden – etwa durch die Möglichkeit zu Drag & Drop von Daten oder zu Point-and-Click-Restores. Auch ist ein direkter Einblick auf den Inhalt der Tapes mithilfe eines Betriebssystem-Verzeichnisses möglich, ein Backupsoftware-Katalog ist obsolet. Neuartige und besser skalierbare Object-Storage-Lösungen eignen sich gut für archivierte Daten, die stärker verwendet werden. Doch je größer der Datenberg und je unterschiedlicher die Daten, umso wichtiger ist es, diese langfristig auf Tape zu migrieren.

Eine intelligente Kombination

Das Tiered-Storage-Modell in Form von Disk-to-Disk-to-Tape hat sich als ein Best Practice für die Datenarchivierung herausgestellt: Unternehmen können ihre Daten transparent und hierarchisch auf Disksysteme verschiedener Preis- und Geschwindigkeitsklassen verteilen, und für die Langzeitarchivierung auf das bis dato günstigste Speichermedium Tape zugreifen.

Ein Beispiel aus der Praxis: Framestore, eines der weltweit führenden Postproduction-Studios für Visual Effects und Animation, hat Tape in die mehrstufige Storage-Umgebung integriert. Durch den Einsatz des „Stornext Storage Managers“ für das automatisierte Verschieben der Daten über mehrere Speicherebenen werden die riesigen Mengen an Filmdaten regelbasiert auf Tape geschoben. Das Filmteam verliert nicht die Übersicht und die Daten bleiben weiterhin zugänglich. Überhaupt lassen sich Daten heute nicht mehr mit einer „Entweder-Oder-Strategie“ verwalten. Je mehr Daten Unternehmen heute für morgen sammeln, umso essentieller wird es, Speichermedien intelligent miteinander zu kombinieren.

Dies zeigt auch der Rückblick auf die Storage-Trends vergangener Jahre, in denen Unternehmen ihre IT nach der Devise „Tapeless Workflows“ aufgebaut haben. Mit dem Aufkommen von “Time-to-Data” und “Time-to-Restore/Recovery” war eine Infrastruktur ohne Tape obligatorisch geworden. Diskbasiertes und Cloud-Backup eroberten einen Markt, der zuvor jahrzehntelang von Tape dominiert wurde. Nur mussten viele Unternehmen, die allein in klassische Disk-Backup-Optionen investiert haben, feststellen: Backups auf Disks sind für die erste Sicherungskopie hervorragend geeignet, aber nicht für eine langfristige Archivierung. Die IT jedenfalls wird so schnell nicht ohne Tape auskommen können. Denn gerade im Umfeld großer, anspruchsvoller Archive überzeugt es in Kombination mit anderen Speichermedien.

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