Der Weg in die Führungsspitze

Technologie braucht kreatives Denken

Renée McKaskle, CIO von Hitachi Vantara, spricht im Interview mit IT-ZOOM.de über ihren Weg in die Führungsspitze eines weltweiten IT-Unternehmens und die Herausforderungen von Frauen in der IT.

  • Frau vor bunter Wand

    Die Digitale Transformation stellt Unternehmen nicht auf den Kopf, sondern zwingt sie dazu, die Dinge anders zu sehen.

  • Renée McKaskle, CIO von Hitachi Vantara

    „Emotionale Intelligenz gilt heute als eine der Schlüsselqualifikationen erfolgreicher Führungskräfte“, betont Renée McKaskle, CIO von Hitachi Vantara.

  • Renée McKaskle, CIO von Hitachi Vantara.

    „Ich habe als Frau viele positiven Erfahrungen in der IT gesammelt", so Renée McKaskle.

IT-DIRECTOR: Frau McKaskle, in einem Interview berichteten Sie kürzlich, dass Sie eigentlich Tierärztin werden wollten. Da ist IT wohl so etwas wie eine 180-Grad-Wende. Wie kam es, dass Sie in der Technologiebranche gelandet sind?
R. McKaskle:
Ich kann verstehen, dass das auf den ersten Blick wie eine 180-Grad-Wende gegenüber der Tiermedizin aussieht. Aber in meinen Augen ist es nur eine andere Ausprägung von Wissenschaft, Ingenieurwesen und Mathematik. Im Amerikanischen spricht man von „Science Technology, Engineering and Math”, kurz STEM. Heute wird dies STEAM genannt, um auch die Bedeutung der kreativen Künste (Arts) in der Welt der Technik und Wissenschaft anzuerkennen.

Letztlich habe ich in der IT angefangen, weil mich die analytischen und auf Daten bezogenen Komponenten etwas mehr angesprochen haben als die Tiermedizin mit ihrem Lehrplan aus Chemie, Physik und Biologie.

IT-DIRECTOR: Statistiken zufolge liegt der Anteil weiblicher IT-Fachkräfte bei rund 20 Prozent. Warum sind Frauen in der IT-Branche und in IT-Abteilungen immer noch so unterrepräsentiert?
R. McKaskle:
Ich hatte im Verlauf meiner Karriere viel Glück. So machen Frauen bei Hitachi Vantara mehr als 25 Prozent des IT-Teams aus. Diese Zahl ist vergleichbar mit dem, was ich bei meinen früheren Arbeitgebern erlebt habe.

Aus meiner Sicht ist es wichtig, nicht einfach auf die Zahlen schauen, sondern tiefer in die Materie einzutauchen. Ein Beispiel: Wenn sich die Möglichkeit eines IT-Jobs auftut, wie viele Frauen heben dann ihre Hand, um für die Rolle in Betracht gezogen zu werden? Wie ganzheitlich agieren die Personalverantwortlichen dabei, die unterschiedlichsten Kandidaten zu ermutigen, sich auf eine Stelle zu bewerben? Ich habe dies genauer betrachtet und festgestellt, dass die Zahl der Frauen, die ihre Bewerbungen für offene IT-Stellen abgeben, enttäuschend gering ist.

IT-DIRECTOR: Liegt das an fehlendem Interesse?
R. McKaskle:
Eher nicht. In der Grundschule zeigen Jungen und Mädchen ein gleich hohes Interesse an Technik, Naturwissenschaften und Mathematik. Diese Zahl sinkt zwar bei jungen Frauen in den weiterführenden Schulen und bei der höheren Schulbildung, dennoch ist auch dann noch das Interesse vorhanden.

Das Problem beginnt jedoch Gestalt anzunehmen, wenn Frauen in ihre ersten Jobs kommen. Hier halten sie sich aus irgendeinem Grund zurück, für bestimmte Rollen ihre Hand zu heben – vielleicht aus Angst, dass alte Stereotypen und Stigmata sie daran hindern werden, Erfolg zu haben. Oder es gibt gar Formen von Mobbing, die sie davon abhalten, sich zu engagieren. Man darf nicht zulassen, dass solche Faktoren jemanden abschrecken, der an einem IT-Job interessiert ist. Es obliegt allen Unternehmen, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

IT-DIRECTOR: Häufig heißt es, dass Frauen über einzigartige Führungsqualitäten verfügen. Was ist dran an dieser Aussage?
R. McKaskle:
Emotionale Intelligenz (EQ) gilt heute als eine der Schlüsselqualifikationen erfolgreicher Führungskräfte. Eine aktuelle Studie besagt, dass Frauen Männer in elf von zwölf Schlüsselkompetenzen der Emotionalen Intelligenz (Hay Group Division von Korn Ferry) übertreffen.

IT-DIRECTOR: Werden Frauen in der IT-Branche diskriminiert oder ist dies ein Thema, das von den Medien übertrieben wird?
R. McKaskle:
Ich denke, dass beide Aussagen wahr sind. Es gibt Diskriminierung UND eine übertriebene Darstellung in den Medien. Hier sollte der Fokus auf den Fakten liegen. Es gibt ein Problem mit der Behandlung von Frauen und die Beispiele, die wir in den Vereinigten Staaten sehen, sowohl im Unterhaltungsbereich als auch im Silicon Valley, sind unwiderlegbar, enttäuschend und in einigen Fällen entsetzlich. Vieles davon kommt von Stigmata und alten Unternehmensrichtlinien, die beseitigt werden müssen, wenn Fortschritte erzielt werden sollen. Es gibt aber auch Übertreibungen und „Fake News“, auch dank der Macht der sozialen Medien.

IT-DIRECTOR: Ist es im Vergleich zu Männern für Frauen schwieriger, einfacher oder genauso schwierig, in der IT an die Spitze zu kommen?
R. McKaskle:
Das kommt darauf an. Einerseits ist es laut Statistik schwieriger, wofür ein Blick auf mein berufliches Netzwerk außerhalb von Hitachi Vantara reicht. Ich bin mit vielen CIOs, CTOs und anderen technischen Führungskräften verbunden, aber nicht viele davon sind Frauen. Andererseits habe ich als Frau auch viele positiven Erfahrungen in der IT gesammelt.

IT-DIRECTOR: Was ist das Spannende an Ihrer Tätigkeit als CIO?
R. McKaskle:
Als CIO von Hitachi Vantara ist jeder Tag anders. Ich arbeite für ein multinationales Unternehmen, das aus 800 weiteren Unternehmen in den Branchen Energie, Automobil und Nuklear, Schienenverkehr, Aufzüge und Bauwesen besteht. Dabei möchte ich stets herausfinden, welche Technologien ein hohes Maß an Effizienz und Sicherheit ermöglichen und einen echten Beitrag zur Verbesserung der Gesundheit und des Wohlbefindens der Menschen leisten kann.

IT-DIRECTOR: Die Digitale Transformation stellt Unternehmen und ihre Arbeitsweise auf den Kopf. Inwieweit beeinflussen diese Veränderungen Ihre Rolle als Führungskraft?
R. McKaskle:
Die Digitale Transformation stellt Unternehmen nicht auf den Kopf, sondern zwingt sie dazu, die Dinge anders zu sehen. Ein gutes Beispiel ist die zunehmende Verbreitung von smarten Technologien im Haushalt. Zudem sieht man immer weniger Papierakten, die in den Büros oder in Home Offices gestapelt sind. Als Führungskraft ist es meine Aufgabe, den Kunden aufzuzeigen, dass die Transformation hin zu digitalen Daten und Geschäftsprozessen ein hohes Maß an Benutzerfreundlichkeit bieten kann.

IT-DIRECTOR: Könnte die Digitale Transformation auch die Rolle von Frauen in der IT verändern?
R. McKaskle:
Wenn wir über Digitale Transformation sprechen, reden wir zunächst über Veränderungen der Geschäftswelt. Doch dieselben Veränderungen wirken sich zunehmend auch auf den privaten Bereich aus. Im Moment haben Frauen Zugang zu einer Reihe von Innovationen, die sie in ihren Alltag integriert haben. Ein gutes Beispiel dafür ist das Internet der Dinge (IoT). Diese Technologien helfen ihnen nicht nur, ihre Arbeit und ihr Privatleben effizienter zu gestalten, sie inspirieren sie auch, neue Rollen in der Welt der IT und der Operational Technology (OT) zu übernehmen. Dabei handelt es sich um Jobs, die dazu beitragen, die nächste große Welle von Innovationen freizusetzen und damit eine ganze neue Generation junger Technologinnen zu inspirieren können.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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