Storage: Interview mit Dietmar Ulrich, Orchestra

Trends im Speicherumfeld

Im Interview berichtet Dietmar Ulrich, CEO der Orchestra Service GmbH, über die Trends im Speicherumfeld, was einen guten IT-Infrastruktur-Support ­ausmacht und mit ­welchen Risiken Anwender rechnen müssen, wenn sie das Backup ihrer Daten selbst in die Hand nehmen, anstatt auf einen externen ­Dienstleister zu vertrauen.

Dietmar Ulrich, Orchestra

Dietmar Ulrich, CEO bei Orchestra, betont: „Bei einem ­Systemausfall zählt jede ­Minute.“

IT-DIRECTOR: Herr Ulrich, Orchestra wurde 1998 als reines Dienstleistungsunternehmen gegründet. Wo steht das Unternehmen heute?
D. Ulrich:
Wir sind ein inhabergeführtes Unternehmen mit knapp 60 Mitarbeitern. Seit Unternehmensgründung konzentrieren wir uns ausschließlich auf den Storage-Markt und decken dabei das gesamte Spektrum ab, angefangen bei der Datensicherung über die Hochverfügbarkeit bis hin zur Archivierung. Darüber hinaus bieten wir ein serviceorientiertes Channel-Modell an. Gestützt wird dieses Modell durch unsere Cloud-Services. Sie erlauben dem Systemhaus zum einen die Sicht auf alle Kundeninstallationen, zum anderen schaffen sie Transparenz im gesamten Verkaufsprozess.

IT-DIRECTOR: Mit welchen Herstellern arbeiten Sie besonders intensiv zusammen? Warum haben Sie sich für diese Partnerschaften entschieden?
D. Ulrich:
Wir arbeiten sehr intensiv mit EMC zusammen. Aufgrund unserer Fokussierung auf Storage und Backup ist der Hersteller für uns ein idealer Partner. Er besitzt ein durchgängiges Portfolio, welches wir in dieser Ausprägung bei keinem anderen Hersteller vorfinden.

IT-DIRECTOR: Welche Storage-Trends sind aktuell erkennbar?
D. Ulrich:
Hätten Sie mir die Frage vor nicht allzu langer Zeit gestellt, hätte ich kurzerhand geantwortet „Flash“. Heute kann man nicht mehr von Trend sprechen, denn Flash ist etabliert. Ein mehr oder weniger großer Anteil an SSD-Platten wird heute quasi in fast jedem System verbaut. Es ist sicherlich noch zu früh, um von Trend zu sprechen, aber das Thema „Software-defined Storage“ nehmen wir zunehmend wahr.

IT-DIRECTOR: Wie lässt sich der Wechsel von einem Storage-System auf die nachfolgende Systemgeneration ohne Betriebsunterbrechung bewerkstelligen?
D. Ulrich:
Das kommt auf das jeweilige System an. Nutzt der Kunde ein klassisches Speichersystem, wird er selbst mithilfe der Storage-Virtualisierung eine minimale Betriebsunterbrechung in Kauf nehmen müssen. Es gibt aber auch Systeme wie etwa EMC Isilon, die vollautomatisiert im laufenden Betrieb die Daten des bisherigen Systems auf die Nachfolgegeneration umverteilen. Eine weitere Alternative ist „Software-defined Storage“. Mit der entsprechenden Lösung ist man hardware-unabhängig und in der Lage, ohne Performancebeeinträchtigung neuen Speicher hinzuzufügen oder wegzunehmen.

IT-DIRECTOR: Auf Ihrer Webseite wird betont, dass das Unternehmen „mehr als Storage“ bzw. „mehr als eine klassische Distribution“ ist. Was genau meinen Sie damit? Welche Bedeutung kommt an dieser Stelle dem Thema „Support“ zu?
D. Ulrich:
Die Spezialisierung auf wenige Hersteller und deren Storage- und Data-Protection-Portfolio versetzt uns in die Lage, unsere Partner mit Know-how in jeder Projektphase zu unterstützen. Support besitzt einen hohen Stellenwert, denn nur ein zufriedener Kunde wird über weitere Projekte sprechen. Man kann einen guten Support jedoch nur dann leisten, wenn man tiefe Produktkenntnisse besitzt und durch entsprechende Prozesse unterstützt wird. Wir verfügen über mehr als 30 zertifizierte Backup- und Storage-Spezialisten und können auf 15 Jahre Supporterfahrung zurückgreifen. Zudem setzen wir eine selbstentwickelte Lösung ein, die den Informationsaustausch im Service- und Supportfall optimiert.

IT-DIRECTOR: Was ist den Anwendern beim Support ihrer ­Infrastruktur durch einen externen Dienstleister grundsätzlich wichtig?
D. Ulrich:
Qualität ist das oberste Gebot, denn Kunden verlangen von ihrem Vertragspartner, dass er ihnen im Problemfall kompetent, schnell und zielführend hilft. Dabei bedeutet „schnell“ in diesem Kontext die benötigte Zeit, bis ein Problem behoben ist. Bei einem Systemausfall zählt jede Minute. Ist eine Applikation nicht verfügbar, kann ein enormes Risiko für das Unternehmen entstehen. Rasches Handeln ist gefordert. Wir sprechen hier gern von der „Time To Resolution“ (TTR); unser Bestreben ist dabei, diese Zeit auf ein Minimum zu reduzieren und gleichzeitig dabei den Kunden so weit als möglich zu entlasten.

IT-DIRECTOR: Zu Ihrem Leistungsportfolio gehören auch „proaktive Servicemodule“. Was ist darunter zu verstehen?
D. Ulrich:
Klassischer Support ist reaktiv, sprich, nach Auftreten eines Problems wird an der Lösung gearbeitet. In unseren proaktiven Servicemodulen überprüfen und bewerten Spezialisten täglich die Systemumgebung und erkennen frühzeitig das Auftreten möglicher Störungen. Mit den proaktiven Servicemodulen wird der Kunde in die Lage versetzt, eine leistungsfähige IT mit möglichst geringen Störungen zu betreiben.

IT-DIRECTOR: Welche Vorteile und Möglichkeiten bietet ein Remote Managed Service (RMS)?
D. Ulrich:
Mit einem solchen Service wird die Überwachung des Backup-Prozesses und gegebenenfalls das komplette Management übernommen. Dies beinhaltet die Konfiguration und Durchführung von Backups, das Monitoring der entsprechenden Lösung, die Kontrolle der Backups, die Fehlerbehebung sowie das Reporting. Das IT-Personal des Kunden kann sich auf die geschäftsrelevanten Aufgaben konzentrieren und der Aufwand wird reduziert. Urlaubs- und Krankheitsfälle sind somit ebenfalls abgedeckt.

IT-DIRECTOR: Wie ist es hierbei um die Sicherheit bestellt, wenn „remote“ auf die IT-Infrastruktur des Kunden zugegriffen wird?
D. Ulrich:
Für das tägliche Monitoring ist es nicht notwendig, auf die IT-Infrastruktur des Kunden zuzugreifen. Sollte ein Remote-Zugriff notwendig werden, wird eine VPN-Verbindung benutzt.

IT-DIRECTOR: Mit welchen Risiken müssen Unternehmen rechnen, wenn sie das Backup selbst in die Hand ­nehmen?
D. Ulrich:
Geschäftsprozesse weisen zunehmend eine sehr hohe Abhängigkeit von IT-Services auf. Unternehmen müssen sich daher mit der Frage befassen, was eine Unterbrechung in der IT für den Geschäftsbetrieb bedeutet. Zeit ist bekanntlich Geld. Bei einem Systemausfall zählt jede Minute. Wir sehen das Backup als eine Art Versicherung – wenn Systeme ausfallen, muss auf die Backup-Daten zugegriffen werden können. Es ist schnell passiert, dass Systeme oder Teile davon nicht mitgesichert werden oder Sicherungsläufe unbemerkt fehlschlagen. Das Dilemma ist, dass das IT-Personal des Endkunden oft an vielen Fronten kämpft; Backup ist nur eine davon und entsprechende Umgebungen sind heute oftmals komplex und erfordern hohes Know-how.

IT-DIRECTOR: Welche neuen Technologien gibt es im Bereich „Backup & Recovery“, um die immer größeren Datenmengen zu bewältigen?
D. Ulrich:
Bisher wurden Daten aus dem Backup in das betreffende System zurücktransferiert. Bei den steigenden Datenmengen ist das ein Problem. Die Dauer für den eigentlichen Restore-Vorgang ist zu lang. Daher geht man dazu über, die Daten aus dem Backup heraus direkt zu nutzen. Nehmen wir das Beispiel VMware und EMC Networker: Beim Restore wird die gesicherte virtuelle Maschine nicht in den VM-Storage zurückgespielt, sondern direkt aus dem Backup heraus gestartet. Die Anwender können sofort weiterarbeiten, während im Hintergrund die virtuelle Maschine in das eigentliche Speichersystem mittels vSphere Storage vMo­tion verschoben wird.

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