Nachgefragt bei Robert Lauth, Sage

Übergangsregelungen bei der E-Bilanz

Interview mit Robert Lauth, Teamleiter Programm Management Geschäftsbereich KMU der Sage Software GmbH und Leiter des Projekts „E-Bilanz“

Robert Lauth, Sage Software

Robert Lauth ist Leiter des Projekts „E-Bilanz“ bei Sage Software.

IT-DIRECTOR: Herr Lauth, welche Unternehmen sind von der E-Bilanz betroffen?
R. Lauth: Alle Unternehmen, die nach § 4 Abs. 1, § 5 oder 5a Einkommensteuergesetz (EStG) dazu verpflichtet sind, den Gewinn durch eine Bilanz zu ermitteln, sind von der E-Bilanz betroffen. Dies gilt unabhängig von der Rechtsform und der Größenklasse des bilanzierenden Unternehmens.

IT-DIRECTOR: Die E-Bilanz ist für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31.12.2011 begonnen haben, verpflichtend anzuwenden. Welche Übergangsregelungen gibt es derzeit? Bis wann dürfen Unternehmen noch eine Papiereinreichung vornehmen?
R. Lauth: Die erstmalige elektronische Datenübermittlung der E-Bilanz im XBRL-Format ist für das Kalenderjahr 2012 (Erstjahr) bzw. bei abweichendem Wirtschaftsjahr für das Wirtschaftsjahr 2012/2013 (Erstjahr) vorgesehen. Es gibt allerdings eine Nichtbeanstandungsregelung für das Erstjahr, nach welcher die Finanzverwaltung es nicht beanstanden wird, wenn für dieses Jahr noch nicht elektronisch, sondern in Papierform übermittelt wird. Demzufolge wird nicht beanstandet, wenn die E-Bilanz erst für das Kalenderjahr 2013 bzw. das Wirtschaftsjahr 2013/2014 übermittelt wird.

Übergangsregelungen zur Vermeidung unbilliger Härten gibt es außerdem für inländische Unternehmen mit ausländischen Betriebsstätten, ausländische Unternehmen mit inländischen Betriebsstätten, steuerbegünstigte Körperschaften und juristische Personen des öffentlichen Rechts mit Betrieben gewerblicher Art. Für diese wird es nicht beanstandet, wenn erstmals für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2014 beginnen, elektronisch übermittelt wird. Für Steuerpflichtige, denen die elektronische Übermittlung aus persönlichen oder wirtschaftlichen Gründen unzumutbar ist, besteht die Möglichkeit, einen Härtefallantrag zu stellen.

IT-DIRECTOR: Mit welchen Strafen müssen Unternehmen, die sich nicht an die gesetzlichen Vorgaben halten, rechnen?
R. Lauth: Verweigern Unternehmen die elektronische Übermittlung ihrer Bilanz, ihrer Gewinn- und Verlustrechnungen oder ihrer Überleitungsrechnung und schicken die Bilanz weiterhin in Papierform, kann das teuer werden. Das Finanzamt kann ein Zwangsgeld nach § 328 AO anordnen und festsetzen.

IT-DIRECTOR: Welche Daten müssen die Betriebe im Rahmen von E-Bilanz nun elektronisch übermitteln?
R. Lauth: Die gesetzliche Verpflichtung zur elektronischen Übermittlung bezieht sich auf den Inhalt der Bilanz und – soweit vorhanden – der Gewinn- und Verlustrechnung. Alternativ kann entweder der Inhalt der Handelsbilanz, ergänzt um eine steuerliche Überleitungsrechnung, oder eine gesonderte Steuerbilanz eingereicht werden. Soweit ein Anhang, Lage- und/oder Prüfbericht vorliegt, ist dieser wahlweise in Papierform oder im Rahmen des E-Bilanz-Datensatzes an das Finanzamt zu übermitteln. Dabei hat die Übermittelung nach Maßgabe des amtlich vorgeschriebenen Datensatzes zu erfolgen. Nähere Informationen zum amtlich vorgeschrieben Datensatz können über die Webseite www.esteuer.de eingesehen werden.

IT-DIRECTOR: Wo lauern für die Verantwortlichen mögliche Gefahren bei der Umstellung auf die E-Bilanz?
R. Lauth: Viele Unternehmen reduzieren die E-Bilanz auf die Übermittlung der Daten und unterschätzen deshalb den Umstellungsbedarf im Vorfeld, so dass zu wenig Vorlauf für die Umsetzung eingeplant wird. Der amtlich vorgeschriebene Datensatz zur E-Bilanz sieht bei der Bilanz- bzw. GuV-Gliederung abweichend zur HGB-Bilanz/-GuV eine höhere Detaillierung bzw. eine Aufschlüsselung nach steuerlichen Gesichtspunkten vor.

Die Unternehmen müssen sich mit der erweiterten Gliederung auseinandersetzen und prüfen, welche der geforderten neuen Unterpositionen im eigenen Unternehmen benötigt werden, um die zugehörigen Geschäftsvorfälle zu buchen. Dabei müssen nur solche Positionen neu aufgenommen werden, in deren Bereich auch Kontenbewegungen vorliegen. Bereiche, die für das Unternehmen nicht relevant sind, können hingegen ignoriert werden.

Das sollte in Rücksprache mit dem Steuerberater erfolgen. Wir als Softwarehersteller können dem Kunden zwar die Tools zur Verfügung stellen, die er zur möglichst komfortablen Bewältigung dieser Aufgabe benötigt, eine steuerberatende Tätigkeit können wir jedoch nicht leisten.

IT-DIRECTOR: Inwieweit kann die E-Bilanz mit bereits vorhandener Finanzsoftware gestemmt werden? Oder müssen Unternehmen eine Aktualisierung Ihrer Finanzsysteme vornehmen bzw. diese um neue Funktionen ergänzen? Wenn ja, um welche?
R. Lauth: Das hängt der genutzten Finanzsoftware ab. Generell ist es zunächst sinnvoll, die sich durch die E-Bilanz an Buchhaltungs- bzw. Steuerabteilungen stellenden Anforderungen in die Bereiche „Datenerfassung“ und „Datenübermittlung“ zu trennen. Um nachträglichen Anpassungsaufwand zu reduzieren, ist die E-Bilanz-konforme Datenerfassung idealerweise bereits in der unterjährigen Buchhaltung zu gewährleisten. Kunden der Sage-Finanzbuchhaltungsapplikationen wurden bereits zum letzten Jahreswechsel durch Anpassungen und unterstützende Anleitungen in die Lage versetzt, mit ihrer Software E-Bilanz-konform zu buchen. Für die Übermittlung der Datensätze an die Finanzbehörden steht unseren Kunden ab Herbst 2012 ein geeignetes Zusatzprodukt für die aktuellen Produktversionen zur Verfügung.

IT-DIRECTOR: Wie kann die Sicherheit der Finanzdaten gewährleistet werden – zum einen auf Seiten des Anwenderunternehmens und zum anderen auf der der Finanzbehörde?
R. Lauth: Seitens der Finanzbehörde unterliegen die Daten dem Steuergeheimnis. Die Übermittlung der Datensätze kann nur durch eine authentifizierte Elster-Übermittlung erfolgen. Eine Einsichtnahme in die Daten durch Dritte ist nicht möglich. Eine Möglichkeit die E-Bilanz auf ein Online-Portal hochzuladen, existiert bislang nicht und ist derzeit auch nicht geplant. Auf Seiten des Anwenderunternehmens sollte eine zuverlässige Software von einem namhaften Hersteller eingesetzt werden, damit durch entsprechende Berechtigungskonzepte sichergestellt ist, dass die Daten nicht von Unbefugten eingesehen werden können.

IT-DIRECTOR: Inwieweit sind die Wirtschaftsprüfer hierzulande bereits auf die E-Bilanz vorbereitet?
R. Lauth: Wirtschaftsprüfer und Steuerberater sind meiner Einschätzung nach sehr gut auf die E-Bilanz vorbereitet. Die Unternehmen, insbesondere die kleinen und mittelständischen Unternehmen, eher noch nicht. Durch die zahlreichen Änderungen und Verschiebungen bei der E-Bilanz haben sich viele kleinere Unternehmen erst sehr spät mit der Thematik auseinandergesetzt, um unnötigen Aufwand zu vermeiden.


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