Am Puls der Zeit

Umstieg auf Responsive Design

Interview mit Florian Werzinger, E-Commerce-Chef der L'tur Tourismus AG, über die Umstellung der Unternehmenswebsite auf Responsive Design, die Herausforderungen dieses Schrittes sowie die kommenden Digitalisierungstrends

Florian Werzinger, L'tur

„Für uns ist das Web 2.0 eine gute Möglichkeit, um unsere Zielgruppen direkt zu erreichen“, betont Florian Werzinger, E-Commerce-Chef der L'tur Tourismus AG.

IT-DIRECTOR: Herr Werzinger, welche Software bzw. welches Content-Management-System (CMS) bildet die Basis Ihres Portals, das im letzten Jahr überarbeitet wurde?
F. Werzinger:
Wir nutzen kein klassisches CMS, sondern eher eine Art Warenkorb-Management-System. Das System basiert auf einer Lösung der Düsseldorfer Agentur Freshcells, wurde aber speziell auf unser besonderes Anforderungsprofil abgestimmt und weiterentwickelt. L’tur ist Vorreiter in dynamischer Paketierung. Wir haben unsere technischen Abläufe schon vor rund drei Jahren umgestellt und produzieren heute mehr Angebote als jemals zuvor. Konzentriert auf die letzten Wochen vor Abreise, kombinieren wir Plätze von rund 20.000 Hotels und 250 Airlines. Spontanurlauber können bei uns täglich aus über 200 Millionen Last-Minute-Angeboten auswählen. Möglich macht dies vor allem die Player-Hub-Technologie im Backend.

IT-DIRECTOR: Wie sind Sie bei der Anbieterauswahl vorgegangen?
F. Werzinger:
Wir arbeiten schon lange mit Freshcells zusammen. Neben dem Know-how schätzen wir die Flexibilität und Bereitschaft, auch mal etwas Neues auszuprobieren. Das ermöglicht eine agile Zusammenarbeit. Die Agentur steht außerdem mit unserem Backend- und Produktionssystempartner Peakwork in Verbindung. Auch das spielt eine wichtige Rolle.

IT-DIRECTOR: Vor welchem Hintergrund haben Sie nun Ihre Homepage auf „Responsive Design“ umgestellt?
F. Werzinger:
Das hat drei wesentliche Gründe: Die mobile Internet-Nutzung nimmt rasant zu. Inzwischen greift bereits jeder dritte Kunde per Smartphone oder Tablet auf unsere Homepage zu, gut jeder Fünfte bucht seinen Urlaub über ein mobiles Endgerät. Zum Vergleich: Vor zwölf Monaten lag der Anteil noch bei knapp 13 Prozent. Zweitens: Gerade bei Last Minute kommt es darauf an, schnell die besten Preise mitzuteilen. Durch die Umstellung können wir unseren Kunden jetzt überall hohen Surf-Komfort bieten und Schnäppchen optimal auf allen Endgeräten ausspielen. Außerdem hat der Wechsel von einer eigenständigen mobilen Website auf Responsive Design für uns natürlich den Vorteil, dass administrativer Mehraufwand entfällt und wir unsere Produktionskosten reduzieren.

IT-DIRECTOR: In Anbetracht des Mobile-Booms satteln Sie eigentlich recht spät auf ein responsives Design um, während Sie z.B. eine Mobile App schon einige Jahre anbieten. Warum hat es so lange gedauert?
F. Werzinger:
Im Gegenteil! Wir haben den Mobile-Boom sehr früh erkannt und gehören in der Reisebranche zu den Trendsettern. 2010 haben wir als einer der ersten Reiseveranstalter überhaupt eine native App mit Buchungsfunktion auf den Markt gebracht, die bis heute fast 600.000 Mal heruntergeladen wurde. Darüber hinaus hatten wir eine eigenständige mobile Website. Diese ist den Bedürfnissen unserer Kunden lange gerecht geworden, wie wir aus regelmäßigen Feedback-Befragungen wissen. Die Ansprüche der Nutzer wachsen natürlich. Deshalb haben wir uns jetzt für die Umstellung entschieden. Durch das neue Responsive Design passt sich der Content der Homepage automatisch an das Display des Endgeräts an. So ist stets eine besonders nutzerfreundliche Bedienung und optimale Darstellung garantiert – egal ob man mit dem Smartphone oder Tablet surft.

IT-DIRECTOR: Mit welchem Aufwand war die Umstellung auf Responsive Design verbunden?
F. Werzinger:
An dem Projekt war ein vielköpfiges Team aus internen Entwicklern und Webdesignern beteiligt, die das Konzept gemeinsam mit den Profis des Dienstleisters umgesetzt haben. Erfahrene Usability- und E-Commerce-Experten haben dann für den letzten, bedienerfreundlichen Feinschliff gesorgt. Der Aufwand hat sich gelohnt – wir bekommen viele positive Rückmeldungen.

IT-DIRECTOR: Welche Herausforderungen bzw. Stolpersteine gab es bei diesem Projekt?
F. Werzinger:
Die größte Herausforderung war die Testphase. Wir haben auf umfangreiches Crowdtesting gesetzt und alle Eventualitäten bis ins kleinste Detail durchgespielt. Neben den diversen Smartphone- oder Tablet-Typen mussten wir die verschiedenen Browserarten und Betriebssysteme berücksichtigen. Gleiches gilt für das Surfverhalten, das ja bei jedem Kunden unterschiedlich ist – der eine geht lieber via WLAN ins Netz, der andere nutzt seinen Mobile-Tarif. Hinzu kommt: L’tur ist in insgesamt fünf Märkten präsent. Länderspezifische Besonderheiten muss man im E-Commerce natürlich auch immer im Blick behalten.

IT-DIRECTOR: Welchen Einfluss üben Vergleichsportale auf den E-Commerce-Markt aus?
F. Werzinger:
Von Vergleichsportalen sind Nutzer Transparenz gewohnt. Und die erwarten sie natürlich auch von E-Commerce-Anbietern. Wir bieten unseren Kunden bei der Buchung eine Transparenz, die sie so kaum irgendwo finden. Mit unserem „Online-Preisvergleicher“ kann jeder prüfen, wie günstig unsere Last-Minute-Reisen wirklich sind. Wir vergleichen in Echtzeit die Preise der wichtigsten Wettbewerber. Sollte ein anderer Reiseveranstalter tatsächlich einmal günstiger sein, geben wir automatisch einen Sofortrabatt. Mehr noch: Wir verlinken sogar auf die preiswertere Alternative. Bei der Hotelauswahl orientieren sich Urlauber heute viel stärker an der persönlichen Erfahrung anderer Urlauber. Deshalb haben wir die Bewertungen von Holidaycheck als zusätzlichen Service und Filterkriterium auf ltur.com integriert.

IT-DIRECTOR: Welche Bedeutung schreiben Sie sozialen Netzwerken zu?
F. Werzinger:
Facebook, Twitter & Co. werden immer wichtiger. Schon jeder dritte Deutsche besucht regelmäßig die Social-Media-Kanäle von Reiseanbietern. Wir sind auf insgesamt sechs Plattformen aktiv. Viele schauen täglich auf unseren Seiten vorbei, um sich über Neuigkeiten zu informieren, Anregungen für die Urlaubsplanung zu holen oder konkrete Fragen zu stellen. Für uns ist das Web 2.0 eine gute Möglichkeit, um unsere Zielgruppen direkt zu erreichen. Dafür muss man natürlich immer am Puls der Zeit sein und den Mut haben, Neues auszuprobieren. Nur Mainstream funktioniert nicht, schon gar nicht in den sozialen Medien.

IT-DIRECTOR: Was sind Ihrer Ansicht nach die wichtigsten Digitalisierungstrends in diesem Jahr?
F. Werzinger:
Ein wichtiger Trend im Reisebereich ist „Influencer Marketing“, also der Einsatz von Multiplikatoren, die den Kunden in seiner Kaufentscheidung mit Infos, Inspirationen und Empfehlungen versorgen. Ein aktuelles Beispiel ist unsere Kooperation mit Christine Neder. Die bekannte Reisebloggerin  („Lilies Diary“) hat für uns Sri Lanka besucht und auf ihren Social-Media-Kanälen darüber berichtet. Auch hier sind wir neue Wege gegangen: Als einer der ersten Reiseanbieter haben wir die Bloggerreise ins Programm genommen. Wer will, kann den Trip somit exklusiv bei uns nacherleben. Ein weiterer Trend sind „Metasearcher“ und neue Online-Plattformen wie Urlaubspiraten oder Urlaubsguru, die den OTA das Geschäft streitig machen und direkt an Leistungsträger vermitteln. Und natürlich wird auch die zunehmende Mobile-Nutzung immer wichtiger, weil sie nicht zuletzt ein Umdenken in der Traffic-Generierung erfordert. Deshalb arbeitet unser Online-Team u.a. auch schon an neuen SEM- und SEO-Konzepten.

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok