Alter Wein in neuen Schläuchen

Und plötzlich wird alles intelligent ...

Die IT-Branche zeichnet sich schon immer durch das Erfinden neuer Begrifflichkeiten aus, die eigentlich nichts anderes sind als alter Wein in neuen Schläuchen. Doch wen will man damit eigentlich hinters Licht führen?

Immer mehr Anbieter gehen mit sogenannter „KI“ bei ihren Kunden hausieren.

Immer mehr Anbieter gehen mit sogenannter „KI“ bei ihren Kunden hausieren.

Während vor einigen Jahren Themen wie service-orientierte Architekturen (SOA), Enterprise Application Integration (EAI) oder Application Service Providing (ASP, Vorläufer von Cloud-Services) durchs Dorf getrieben wurden, redet man heutzutage allerorts von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz (KI). Dabei überrascht es mitunter sehr, wie so mancher Software-Hersteller quasi über Nacht eine KI-Produktpalette herbeizaubert, sodass immer mehr Anbieter mit sogenannter „KI“ bei ihren Kunden hausieren gehen.

Schaut man genauer hin, sind die Marketingphrasen jedoch schnell entlarvt: Denn wie in den Jahren zuvor entwickeln oder vertreiben sie Software für die Rechnungseingangsprüfung (DMS), für die Analyse und Verwaltung von Kundendaten (Big-Data-Analytics, Business Intelligence, CRM) oder für die IT-Sicherheit (Incident Management) – jetzt allerdings unter dem Deckmantel der „Intelligenz“. Stellt sich die Frage, wenn die Systeme erst jetzt intelligent sind, was waren sie dann früher?

Das Aus für „altbackene“ Software?


Ähnliches passiert mit den zunehmend überstrapazierten Begriffen „Digitalisierung“ und „Digitale Transformation“. Jedes Unternehmen, das auch nur ansatzweise mit IT zu tun hat, nennt sich jetzt „Digitalspezialist“.

Ein Beispiel: Unlängst rief eine PR-Agentur in unserer Redaktion an, um uns die marktführenden „Digital Solutions“ ihres Kunden näherzubringen. Wie sich bei näherer Nachfrage herausstellte, handelte es sich um einen Hersteller von klassischer CRM-Software mit gängigen Funktionen. Um möglichst „hip“ zu sein, macht man jetzt also in Digital Solutions und nicht mehr in „altbackene“ Software.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 06/2018. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Das Beispiel macht deutlich, wie Anbieter durch die Verwässerung von Begrifflichkeiten die Kunden bewusst aufs Glatteis führen wollen. Von daher gilt es bei anstehenden Software-Käufen genau zu überprüfen, was die „Digital Solutions“ eigentlich beinhalten und, ob hinter den vollmundig angepriesenen Lösungen „echte“ KI steckt oder eben nur heiße Luft.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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