IP-Netz als Grundlage

Uni Berlin setzt auf Videokonferenzen

Um ihre internationalen Forschungsbeziehungen zu erleichtern, setzt die Freie ­Universität Berlin auf Videokonferenzen. Die Grundlage: ein IP-Netz, das zugleich den Boden für weitere Multimedia-Anwendungen bereitet.

Uni Berlin

Die Freie Universität Berlin hat gemeinsam mit T-Systems ein IP-Netz für den Campus realisiert.

Kairo, Neu-Delhi und São Paulo: Die Forscher der Freien Universität Berlin stehen in ständigem Austausch mit Wissenschaftlern auf der ganzen Welt – in rund 500 Hochschulen und Instituten im In- und Ausland. Früher mussten die Forscher auch für kurze Besprechungen reisen – heute brauchen sie dazu wenige Mausklicks: Per Videokonferenz schalten sie sich zu einer Besprechung in New York dazu oder präsentieren einem Kollegen in Moskau Projektergebnisse.

„Man kann eine Videokonferenz heute so starten, als würde man zum Telefonhörer greifen“, erklärt Torsten Prill, Direktor des Hochschulrechenzentrums der Freien Universität Berlin. „In wenigen Sekunden erreicht man auf diesem Weg alle Kollegen – egal wo diese sich auf der Welt befinden.“ Mit der neuen Technologie unterstützt die Universität ihre Strategie, als internationale Netzwerkuniversität auf Partnerschaften zu setzen. Diese Strategie war einer der Gründe für Bund und Länder, die Freie Universität Berlin als eine von elf Exzellenzuniversitäten in Deutschland auszuzeichnen.Welches Endgerät die ca. 7.000 Universitätsmitarbeiter für die Videokonferenzen nutzen, bleibt ihnen überlassen. Denn die Cisco-basierte Anwendung läuft im Hochschulrechenzentrum im Berliner Stadtteil Dahlem und ist über das IP-Netz der Universität verfügbar. An ihren Arbeitsplätzen nutzen die Mitarbeiter zum Beispiel ein IP-Telefon, das einem Tablet ähnelt und Videokonferenz, Voice-over-IP-Telefonie und Computerbildschirm vereint. In den Konferenzräumen der Universität kommt das Highend-Videokonferenzsystem Telepresence zum Einsatz. Großbildschirme erzeugen das Gefühl räumlicher Nähe. Die beiden zugehörigen Kameras erkennen, wer gerade spricht, und folgen demjenigen automatisch. Aber auch über mobile Endgeräte können die Forscher Videokonferenzen starten und so ihren Standort frei wählen: Seminarräume, draußen auf dem Campus oder künftig auch von unterwegs.

Was den Einsatz zusätzlich erleichtert: Die Forschungspartner in Indien, den USA oder China benötigen nicht dasselbe Videokonferenzsystem, um miteinander zu kommunizieren. Denn die Lösung lässt sich flexibel mit anderen Systemen koppeln. „Auch Kandidaten für Professuren und Forschungsprojekte können wir so schnell kennenlernen“, sagt Prill. Aber auch wenn eine Videokonferenz einmal nicht der gewünschte Kommunikationsweg ist, bleiben die Mitarbeiter mit der Außenwelt vernetzt: Über dieselbe Oberfläche wie bei der Videokonferenz telefonieren und chatten sie mit den Kontakten ihrer Wahl oder arbeiten gemeinsam an Dokumenten.

Standortfaktor IP-Netz


Die technische Basis für die digitale Kommunikation hat das Team von Torsten Prill gemeinsam mit T-Systems gelegt: ein IP-basiertes Local Area Network (LAN). Den drahtlosen Zugriff auf das Netz ermöglichen mehr als 1.800 Hotspots auf dem Campusgelände. Darüber surfen neben den Mitarbeitern auch die mehr als 34.000 Studierenden mit bis zu 877 Megabit pro Sekunde im Internet, recherchieren und tauschen sich mit Kommilitonen und Dozenten aus.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 03/2016. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

„Hochschulen stehen wie Unternehmen im Wettbewerb um guten Nachwuchs“, sagt Prill. „Wir müssen also attraktiv für Studierende, Nachwuchswissenschaftler und Mitarbeiter sein.“ Eine moderne IT-Ausstattung gehöre dabei auch zu den Auswahlkriterien. Und die muss rund 50-mal so viele Nutzer unterstützen wie noch vor zehn Jahren. „Mit dem IP-Netz sind wir dafür gut aufgestellt“, sagt Prill.

Auch die Verwaltung profitiert von der neuen Technologie: Früher mussten jedem neuen Studierenden oder Mitarbeiter händisch eine E-Mail-Adresse, ein WLAN-Zugang sowie, falls nötig, eine Durchwahl zuordnen. Heute geschieht das automatisch – auf Basis der Daten aus der Universitätsverwaltung. Eine Arbeitserleichterung, besonders zu Beginn des Wintersemesters, zu dem sich Jahr für Jahr im Schnitt jeweils 5.500 Studierende erstmals einschreiben.

„Unser IP-Netz bietet die Basis, um weitere Anwendungen umzusetzen oder auch miteinander zu kombinieren“, sagt Uni-Rechenzentrumsleiter Prill. „Ideen sind da keine Grenzen gesetzt.“ Archäologen könnten beispielsweise ihre Artefakte dreidimensional scannen und die 3D-Bilder in einer Videokonferenz mit weiteren Experten von allen Seiten betrachten und diskutieren. Oder sie simulieren mit einer Virtual-Reality-Anwendung realitätsnah, wie sie durch eine Pyramide laufen.


Die Freie Universität Berlin ...
... zählt zu den elf deutschen Hochschulen, die 2012 in der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder in allen drei Förderlinien erfolgreich abgeschnitten haben und deren Zukunftskonzepte gefördert werden. Zum Zukunftskonzept der Universität gehören drei strategische Zentren: für Forschungsplanung (Center for Research Strategy), für internationale Zusammenarbeit (Center for International Cooperation) und für Nachwuchsförderung (Dahlem Research School).


Bildquelle: Bernd Wannenmacher

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