Recruiting-Studie

Vergebene Chancen im Bewerberkontakt

Karriere-Webseite und Online-Stellenanzeigen zählen bei vielen Recruitern zum Standard-Repertoire. Doch der Wettbewerb um Fachkräfte entscheidet sich oftmals auf den letzten Metern im direkten Kontakt mit Kandidaten. Hier gibt es Optimierungsbedarf, wie die Studie Best Recruiters zeigt.

Obwohl sich die IT-Branche beim Thema Mitarbeitergewinnung gegenüber dem Vorjahr verbessert hat, besteht Optimierungsbedarf beim Kontakt zum Kandidaten.

IT-Spezialisten auf Jobsuche können meist aus vielen Stellenangeboten wählen. Wer als Recruiter nicht nur die Standardinstrumente beherrscht, sondern es Kandidaten möglichst einfach macht, sich zu informieren und zu bewerben, hat schon viel gewonnen.

Recruiting auf dem Prüfstand

Wie es objektiv um die Recruiting-Performance der Top-Arbeitgeber Deutschlands bestellt ist, untersucht Best Recruiters. Anhand von 106 Kriterien misst die Studie jährlich in sieben Erhebungskategorien die Qualität der 500 umsatz- und mitarbeiterstärksten Unternehmen. Diese Kategorien umfassen die wichtigsten Berührungspunkte eines Kandidaten mit dem potentiellen Arbeitgeber: Von der Karriere-Webseite, den Social-Media- und Mobile-Recruiting-Aktivitäten über die Online-Stellenausschreibungen und der Präsenz in Online-Stellenbörsen bis hin zur Reaktion auf Bewerbungen und Interessenanfragen seitens eines Bewerbers. Für die Erfüllung jedes Einzelkriteriums werden Punkte vergeben, maximal sind 100 Punkte möglich.

Deutsche Recruiter auf dem Siegertreppchen 

Mit durchschnittlich 54 Prozent der möglichen Punkte liegen die getesteten Arbeitgeber in Deutschland deutlich vor denen in Österreich (47 Prozent) und der Schweiz (49 Prozent). Im Vergleich mit den deutschsprachigen Nachbarn punkten sie vor allem in den Kategorien Karriere-Webseite, Social Media und Online-Stellenanzeigen.

Im direkten Kontakt mit Kandidaten fallen deutsche Personalabteilungen hingegen deutlich zurück: In der Kategorie „Bewerbungsresonanz“, die unter anderem untersucht, in welcher Frist und Qualität Unternehmen auf eine Bewerbung reagieren, erreichen sie nur 40 Prozent der möglichen Punkte. Hier bekommen schweizerische und österreichische Recruiter deutlich bessere Noten (50 bzw. 48 Prozent).

IT-Branche hat aufgeholt

Gegenüber dem Vorjahr hat sich die IT-Branche beim Thema Mitarbeitergewinnung stark verbessert: Sie belegt den 8. Platz von insgesamt 24 untersuchten Wirtschaftszweigen (2014: Platz 16). Insbesondere in den Bereichen Mobile Recruiting und bei der Nutzung sozialer Netzwerke sind IT-Arbeitgeber an anderen Branchen vorbeigezogen. Branchensieger Bechtle platziert sich in diesem Jahr auf dem 16. Rang der 514 getesteten Arbeitgeber.

Best of IT/Software/Telekommunikation
    1. Bechtle AG
    2. Wincor Nixdorf International GmbH
    3. Rohde & Schwarz GmbH & Co. KG

Multi-Channel-Kommunikation wird großgeschrieben

Personaler in der IT schreiben offene Stellen bevorzugt in Online-Jobbörsen aus, hier sind sie präsenter als alle anderen Branchen. Auch soziale Medien nutzen IT-Unternehmen aktiver als die meisten anderen Wirtschaftszweige: Sämtliche getesteten Organisationen haben mindestens eine Präsenz im Social Web, beispielsweise auf Netzwerken wie Xing, Linkedin oder Facebook. Sie erreichen durchschnittlich 76 Prozent der in dieser Kategorie möglichen Punkte (Gesamtstichprobe: 57 Prozent). Auffällig viele Arbeitgeber laden Kandidaten bereits auf ihrer Karriere-Webseite zur Interaktion ein und verlinken auf die vorhandenen Social-Media-Kanäle (88 Prozent) – dies ist nur bei Unternehmensberatern noch häufiger der Fall.

Mobil optimierte Karriere-Webseiten ermöglichen Bewerbern einen komfortablen Zugang zu den relevanten Informationen. Diesbezüglich sind IT-Unternehmen anderen Arbeitgebern einen ganzen Schritt voraus und belegen den zweiten Platz unter den Branchen. Außerdem sind die Stellenausschreibungen in mehr als jedem zweiten Fall bereits auf die Suche mit dem Smartphone ausgelegt (Gesamtstichprobe: 33 Prozent).

Unkonventionelle Bewerbungsformen nicht vorgesehen

Die Chance auf eine Top-Branchenplatzierung verspielen IT-Unternehmen jedoch insbesondere in der Kategorie „Bewerbungsresonanz“, d. h. beim Umgang mit den vier Testbewerbungen. Hier findet sich die Branche auf dem viertletzten Platz. Vor allem Initiativbewerbungen außerhalb der Norm stellen eine Hürde dar: Während die getesteten Unternehmen bei der klassischen Initiativbewerbung immerhin noch 32 Prozent der möglichen Punkte erreichen, scheitern Kandidaten mit unkonventionellen Bewerbungen, beispielsweise mit dem Verweis auf ein Social-Media-Profil anstelle des herkömmlichen Lebenslaufs, vielerorts. Ein Fehler, denn vielleicht verbirgt sich gerade hinter dem kreativen Bewerber die sprichwörtlich gesuchte Nadel im Heuhaufen.


Bildquelle: Thinkstock/ istock

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok