Industrie-4.0-Projekt „KapaflexCy“

Vernetzte Personaleinsatzplanung

Im Interview berichtet Michael Berner, Produktionsleiter im Borgwarner-Werk in ­Ludwigsburg, über die Herausforderungen und Reaktionen auf das Industrie-4.0-­Projekt „KapaflexCy“ mit dem Ziel einer ­selbstorganisierten Kapazitätssteuerung.

Michael Berner, Borgwarner

Michael Berner, Produktionsleiter im Ludwigsburger Borgwarner-Werk

IT-DIRECTOR: Herr Berner, wann hat sich Borgwarner erstmalig Gedanken über das Thema „Industrie 4.0“ gemacht?
M. Berner:
Bereits vor Jahren haben wir vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrisen 2008 und 2009 überlegt, wie wir unsere bisherigen Methoden im Lieferanten- und Risikomanagement optimieren können. Innerhalb von drei Jahren entwickelte ein Team von erfahrenen Spezialisten aus den Bereichen Logistik, Qualität und Supply Chain Management (SCM) ein Modell. Unter Einsatz künstlicher Intelligenz und komplexer mathematischer Theorien analysiert diese Methode die Qualität und Lieferzuverlässigkeit, um Aussagen über zukünftige Entwicklungen zu treffen und Probleme proaktiv in einem frühen Stadium zu erkennen. Für alle Beteiligten ergeben sich konkret messbare Ergebnisse, die sich in der Robustheit und Lieferperformance der Lieferanten widerspiegeln.

IT-DIRECTOR: Vor welchem Hintergrund haben Sie das Industrie-4.0-Projekt „KapaflexCy“ in Angriff genommen?
M. Berner:
Im Forschungsprojekt „KapaflexCy“ werden Lösungen entwickelt, die es Unternehmen erlauben, ihre Produktionskapazitäten gemeinsam mit den Mitarbeitern flexibel, kurzfristig und unternehmensübergreifend zu steuern. Konkret handelt es sich dabei um eine Applikation, die auf Mobilgeräten installiert werden kann. Mitarbeiter, die diese App nutzen, können dann mobil bei Beantwortung der Einsatzanfrage entscheiden, ob sie an einer Zusatzschicht teilnehmen möchten.

IT-DIRECTOR: Wie viele Personen sind in das Projekt involviert?
M. Berner:
Die Projektteilnehmer repräsentieren die Bereiche Forschung, Software/IT und Anwender. Partner aus der Forschung sind das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) und das Institut für Arbeitswissenschaften und Technologiemanagement (IAT) der Universität Stuttgart. Vertreter aus dem Bereich Software/IT sind SAP, Trebing & Himstedt Prozeßautomation sowie Kaba. Anwenderseitig partizipieren Borgwarner Ludwigsburg, Bruker Optik, Flughafen Stuttgart, Introbest, Kaba sowie Seca. In der Pilotphase ab Mitte 2014 arbeiteten bei uns über 40 Mitarbeiter in der Glühkerzenproduktion mit der neuen Lösung.

IT-DIRECTOR: Welche Hürden galt es während des Projektes zu überwinden?
M. Berner:
Zunächst waren die Mitarbeiter skeptisch, aber dann haben sie schnell die Erfahrung gemacht, dass vor allem sie von dieser Flexibilisierung profitieren und ihnen das Tool mehr Autorität verschafft. Für ältere Mitarbeiter, die kein Smartphone besitzen, installierte Borgwarner eigens ein Terminal. Letztlich soll das neue System für Arbeitgeber und Mitarbeiter gleichermaßen mehr Transparenz bieten.

IT-DIRECTOR: Wie reagieren Ihre Mitarbeiter heute auf das Industrie-4.0-Projekt?
M. Berner:
Die Beschäftigten sind schneller darüber informiert, was an Aufträgen anfällt und wann es Auftragsspitzen gibt. Gerade durch den Einsatz der Smartphones ist es durch die damit gewonnene Mobilität möglich, die Personaleinsätze unter Beteiligung aller Betroffenen in Echtzeit zu koordinieren. Zudem wird das aktive Handeln der Mitarbeiter gefördert.


Borgwarner Emissions Systems ...
... ist ein weltweit führender Hersteller und Lieferant von modernen Abgaskontrollsystemen, Zündsystemen, Diesel-Kaltstart-Technologie und PTC-Zuheizern für Personenkraftwagen, Leicht-LKW und Nutzfahrzeuge auf der ganzen Welt. In Deutschland verfügt Borgwarner Emissions Systems neben Ludwigsburg über drei weitere Standorte.

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