Edge Computing

Vielfältige Leistungsklassen

Edge-Rechenzentren sind in vielfältigen Leistungsklassen verfügbar und unterstützen damit ganz unterschiedliche Anwendungen, betont Andreas Keiger von Rittal.

Andreas Keiger, Rittal

Andreas Keiger ist Executive Vice President Global Business Unit IT bei Rittal in Herborn.

IT-DIRECTOR: Herr Keiger, nicht nur im Internet of Things (IoT) werden leistungsfähige Kapazitäten am Netzwerkrand benötigt. Inwieweit stößt man hierzulande bereits auf erfolgreiche Edge-Computing-Installationen?
A. Keiger:
Ein dezentraler Ausbau der IT-Infrastruktur über Edge-Rechenzentren ist für viele Unternehmen bereits zur Realität geworden. Beispielsweise müssen Fabriken mit vernetzten und automatisierten Fertigungsstraßen die anfallenden Datenströme in Echtzeit verarbeiten. Auch Anwendungen im Rahmen von Smart Cities oder Test für Autonomes Fahren erfordern eine Datenverarbeitung in Echtzeit. Das Konzept für Edge Computing wird aus unserer Sicht vom Markt sehr gut angenommen.

IT-DIRECTOR: In welchen Branchen und für welche Anwendungsfälle spielen Edge Computing momentan eine bedeutende Rolle?
A. Keiger:
Die Digitalisierung führt branchenübergreifend dazu, dass Unternehmen in kurzer Zeit leistungsfähige IT-Systeme an ihren verteilten Standorten installieren müssen. Dafür eignen sich Edge-Rechenzentren, die in vielfältigen Leistungsklassen verfügbar sind und damit ganz unterschiedliche Anwendungen unterstützen. Ein Beispiel aus der Fertigungsindustrie liefert unser Kunde Thyssenkrupp Steel. Das Unternehmen installiert an seinen Produktionsstandorten neue Edge-Rechenzentren mit Cloud-Anbindung, um damit die Digitalisierung von produktionsnahen Prozessen voranzutreiben.

IT-DIRECTOR: Welche Daten und Applikationen werden dabei vorrangig allein am Netzwerkrand verarbeitet und welche an „klassische“ Rechenzentren weitergeleitet?
A. Keiger:
Am Netzwerkrand werden vor allem Echtzeitdaten verarbeitet, auf die Maschinen oder Systeme unmittelbar reagieren sollten. Dies können Sensordaten von einer Maschinensteuerung innerhalb einer Internet-of-Things-Umgebung sein, Nutzungsdaten der Fahrzeuge eines Fuhrparks oder die Auslastung von Mobilfunknetzen oder Computersysteme. Die weitergehende Analyse dieser Daten erfolgt in zentralen Rechenzentren oder Cloud-Systemen, beispielsweise für Machine-Learning- und Predictive-Maintenance-Lösungen.

IT-DIRECTOR: Worauf kommt es bei der Verbindung zwischen Netzwerkrand und den „klassischen“ Rechenzentren besonders an?
A. Keiger:
Bei unseren Kundengesprächen spielt zunächst die physikalische Sicherheit der Rechenzentren eine wichtige Rolle. Denn oftmals stehen die Edge-Systeme in Lagerhallen oder sind in Stahlcontainern auf Freiflächen aufgebaut. Um Sabotage oder eine Datenmanipulation zu vermeiden, sind entsprechend gesicherte IT-Racks und Einhausungen notwendig. Die so gesicherten Rechenzentren sind schließlich über redundante Kabel- und Funkverbindungen mit dem Internet verbunden, sodass eine ausfallsichere Cloud-Anbindung realisiert werden kann.

IT-DIRECTOR: Wie lassen sich Edge-Datacenter-Infrastrukturen besonders energieeffizient betreiben? Welche Kühlverfahren können am Netzwerkrand zum Einsatz kommen?
A. Keiger:
Prinzipiell kommen hier vergleichbare Kühltechnologien zum Einsatz, die sich auch in herkömmlichen Rechenzentren finden. In der Praxis empfehlen wir kältemittelbasierte Lösungen, bestehend aus einem Split-Gerät mit einem Kompressor und einem Klimagerät für die Kälteerzeugung. Diese lassen sich mit klar kalkulierbaren Kosten betreiben. Die Installation des Geräts erfolgt an der Rück- oder Seitenwand eines IT-Racks, sodass kaum Leistungsverluste auftreten.

IT-DIRECTOR: Stichwort Ausfallsicherheit – ein funktionierender Netzwerkrand wird für viele Unternehmen immer geschäftskritischer. Wie können Ausfallsicherheit und nahtlose Energieversorgung beim Edge Computing gewährleistet werden?
A. Keiger:
Redundanzkonzepte helfen dabei, einen ausfallsicheren Betrieb zu ermöglichen. Je nach Geschäftsprozess lassen sich alle RZ-Komponenten mehrfach vorhalten. Integrierte USV-Batterien sichern den Betrieb bis zum Anspringen der Notstromversorgung oder ermöglichen ein sicheres Herunterfahren der Server. Darüber hinaus bieten wir Lösungen für das Monitoring der gesamten Edge-Umgebung inklusive einer Brandfrüherkennung, sodass sich unsere Kunden den Level der Ausfallsicherheit für ihre Edge-Infrastruktur individuell zusammenstellen können.

IT-DIRECTOR: Wie stellen sich etablierte Rechenzentrumsbetreiber bzw. Colocation-Anbieter derzeit auf Edge-Technologien ein?
A. Keiger:
Bei dezentral verteilten IT-Systemen sind der ausfallsichere Betrieb oder eine Effizienzoptimierung deutlich komplizierter, da jede Maßnahme Auswirkungen an allen Standorten haben kann. Hierfür ist erprobtes, praxisorientiertes Fachwissen notwendig, das sich in enger Zusammenarbeit mit den Kunden ergibt. Insgesamt ist es auch wichtig, dass Hersteller und Anbieter gemeinsam Konzepte entwickeln, die auf die Anforderungen der Kunden eingehen. Daher sollten IT-Verantwortliche bei der Auswahl eines Edge-Anbieters auf bereits durchgeführte Projekte schauen, da diese wertvolle Hinweise für eigene Projekte liefern können.

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