Vielfältige Variationen beim Serverhousing

Wann lohnt sich Colocation?

Entscheiden sich IT-Verantwortliche für Colocation, behalten sie die Oberhoheit über ihre IT, da allein ein Stellplatz im externen Rechenzentrum des Providers gemietet wird. Doch Mietmodell ist nicht gleich Mietmodell. Vielmehr gibt es unterschiedliche Colocation-Angebote, die hinsichtlich Preis, Sicherheitsniveau und integrierten Services stark variieren.

Vielfältige Variationen beim Serverhousing

Vielfältige Variationen beim Serverhousing: Dank Colocation behalten IT-Verantwortliche die Oberhoheit über ihre IT und profitieren von verschiedenen Services.

Möchten Unternehmen keine eigenen Rechenzentren (RZ) betreiben, bietet es sich an, die eigene IT bei externen Providern unterzubringen. Bucht man dafür allein die Unterbringung in einem Data Center, ohne eigentlichen IT-Betrieb, spricht man in der Regel von Colocation oder auch Serverhousing.

Anders als beim eigenen RZ-Betrieb, wo sich Energie-, Facility- und IT-Kosten mitunter unübersichtlich vermengen, gibt es bei Colocation klare Preismodelle. Bei Heidelberg IT Management beispielsweise liegt der durchschnittliche Quadratmeterpreis für Hardware-Stellfläche derzeit bei 560 Euro pro Schrank (102 cm tief, 80 cm breit). „Aufgrund der zu öffnenden Türen geht man von einer Fläche von drei Quadratmetern pro Schrank aus“, erklärt Geschäftsführer Matthias Blatz.

Allerdings zeichnete sich hinsichtlich der Kosten für Colocation zuletzt ein Paradigmenwechsel ab, wie Claudia Gharavi, Business Manager Colocation bei der Plusserver GmbH, berichtet. „Der Quadratmeterpreis ist über die letzten Jahre hinweg in den Hintergrund gerückt. War noch bis 2010 zumeist der Quadratmeterpreis vorrangig, änderten sich anschließend die Preismodelle der Provider. Energiekosten – vor allem die benötigte Leistungsaufnahme der Hardware – sind heute maßgebend, wenn es um die Frage der Colocation-Kosten geht“, erläutert Gharavi.

Zusatzservices im Rechenzentrum

Für den Preis bekommen die Kunden in der Regel mehr als bloß nackte Fläche. „Vielmehr bieten Colocation-Rechenzentren neben der Stellfläche eine ausfallsichere Stromversorgung und Kühlung“, erläutert Julian King, Managing Director bei Zenium Germany. Zudem sei die Sicherheit bei Hosting-Einrichtungen ein wichtiger Schlüsselfaktor. Dazu gehören mehrschichtige Sicherheitskonzepte (z.B. Tier 3 nach Uptime Institute) in allen Bereichen – vom Eingang bis zu den Server-Räumen. „Data Center, die nach Tier-3-Standard strukturiert sind, verwenden redundante Komponenten sowie mehrere aktive und passive Versorgungswege“, erklärt Claudia Gharavi. Wartungen können auch während des Betriebes vorgenommen werden und im Falle eines Ausfalls greifen die Maßnahmen, um den Betrieb weitestgehend fortführen zu können. Die Ausfallsicherheit werde außerdem durch den Einsatz mehrerer Brandabschnitte erhöht.

Inwiefern Data-Center-Betreiber gängigen Sicherheitsstandards und Anforderungen an Hochverfügbarkeit und Energieeffizienz entsprechen, lässt sich anhand verschiedener Zertifizierungen nachvollziehen. So rät Stefan Keller, Vertriebsleiter der Noris Network AG, auf entsprechende Zertifizierungen wie BSI 27001 nach IT-Grundschutz, ISO 20000 oder zukünftig EN 50600 zu achten. Bei letzterem handelt es sich um eine neue europäische RZ-Norm, die Normen und Richtlinien für RZ-relevante Themen beinhaltet. DIN EN 50600 greift dabei nicht nur typische RZ-Themen wie Bau, Strom und Klima auf, sondern konzentriert sich ganzheitlich auch auf Themen wie Management und RZ-Betrieb.

„Über die skizzierten Basisleistungen hinaus bieten viele Betreiber flexibel skalierbare Managed Services an: Datenbank und Applikationsbetrieb oder die komplette Integration in Managed Services oder Cloud-Services“, ergänzt Stefan Keller. Dies bestätigt Matthias Blatz: „Da Colocation mehr beinhalten kann als die reine Unterbringung und Netzanbindung eines Kundenservers bei einem Internet-Service-Provider, bezeichnen wir unser Rechenzentrum als ‚Serverhotel’.“ Demzufolge erhält jeder Kunde die gewünschten Leistungen auch über infrastrukturelle Dienstleistungen hinaus.

Flexible Vertragslaufzeiten

Hinsichtlich des IT-Betriebs sind laut Stefan Keller im Standard zumeist sogenannte „Remote-Hands-Leistungen“ inkludiert. Diese umfassen beispielsweise die Aufrechterhaltung des Hardware-Betriebs durch den Tausch von Datenträgern, Netzteilen sowie ähnliche Standardaufgaben, für die der Kunde nicht extra anreisen muss. Gelegentlich gehört auch noch die Betriebssystemebene dazu.

Neben Sicherheitsmaßnahmen und Zusatzdiensten lohnt es sich, die möglichen Vertragslaufzeiten der Colocation-Anbieter im Blick zu behalten. Die übliche Mindestlaufzeit beträgt zwölf Monate, wobei in der Praxis deutlich längere Zeitspannen üblich sind. Nach Ansicht von Stefan Keller schwanken diese zwischen oftmals zwischen 36 und gar 120 Monaten, wobei bei langlaufenden Verträgen gar Kündigungszeiten von bis zu zwölf Monaten üblich sind.

Aufgrund der Einrichtungskosten und Aufwendungen empfiehlt Matthias Blatz Vertragslaufzeiten von mindestens 36 Monaten und bei direkten Glasfaseranbindungen der Kunden an das Colocation-RZ sogar eine Mindestlaufzeit von 60 Monaten. „Die Kündigungsfrist beträgt in der Regel drei Monate zum Ende der Mindestvertragslaufzeit“, berichtet Blatz abschließend.

Inkludierte RZ-Services

Serviceleistungen, die bei Colocation – über die Bereitstellung der Rechenzentrumsstellfläche hinaus – in der Regel eingeschlossen sind:

  • 19"-Rack (Serverschrank) für 42 Höheneinheiten
  • redundante Stromzufuhr über A/B-Schiene; Sonderlösungen möglich
  • Auswertung des aktuellen Stromverbrauchs
  • bis zu 10 Gbit/s-Anbindung möglich
  • Traffic Commitments je nach Bedarf
  • Monitoring des kundeneigenen Traffics
  • gesicherter personalisierter Zugang
  • alle Racks durch Zahlenschloss verschließbar
  • 24h-Videoüberwachung
  • 24/7-Zutritt und -Service vor Ort
  • separater Arbeits- und Aufenthaltsbereich
  • IPv4-Subnetz auf Anfrage

Quelle: Claudia Gharavi, Plusserver

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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