Blitzgescheite Investition

Wann rechnen sich All-Flash-Lösungen?

Großunternehmen nutzen Flash-Speichersysteme, um niedrige Latenzen und einen ­hohen Datendurchsatz zu realisieren. In solchen IT-Umgebungen rechnen sich heute bereits All-Flash-Lösungen. Dennoch sollten CIOs mehr als die Anwendungsszenarien durchspielen, bevor sie unterschiedliche Workloads auf einer flash-basierten ­Infrastruktur konsolidieren.

Glühbirne als Spardose

Potentielle Anwender fragen sich, ob sie auf All-Flash setzen oder erst auf hybride Systeme umsteigen sollen. Die Antwort: Das hängt mitunter von den Kosten ab.

Die Verkaufszahlen belegen es: Flash-Arrays verdrängen nach und nach Speicherinfrastrukturen, die nur aus Platten und Bandlaufwerken bestehen. So zeigt eine Analyse von IDC zum weltweiten Storage-Markt, dass im vierten Quartal 2015 die Hybrid-Flash-Systeme (Festplatte plus Flash) rund 28 Prozent aller verkauften Storage-Lösungen ausmachten. All-Flash erreichte bereits knapp zehn Prozent, Tendenz steigend.

Viele Unternehmen verwenden bereits SSD-Laufwerke, in denen NAND-Speicher mit unterschiedlichen Chiparchitekturen stecken. Meist beschleunigen EMLCs (Enterprise Multi-Level Cell), deren Zellen bis zu 30.000 Schreibzyklen bieten, im Rechenzentrum die Geschäftsprozesse. Potentielle Anwender fragen sich jedoch, ob sie gleich auf All-Flash setzen oder erst auf hybride Systeme umsteigen sollen. Die Antwort: Das hängt von den Kosten und den Anforderungen ab. Nicht die Datenmenge, sondern das Anwendungsszenario – also der Workload – beeinflusst die Systemwahl.

Geht es um sogenannte kalte Daten, wie Backup- oder Archivdaten, sind etwas höhere Antwortzeiten der Storage-Systeme akzeptabel. Wer dagegen hochfrequente Shop- oder Kundeninformationssysteme betreibt, eine hohe Zahl an Finanztransaktionen durchführt oder viele Benutzer mit virtuellen Desktops unterstützen muss, sollte auf All-Flash- oder hybride Systeme setzen. Diese Lösungen sind gegenüber Festplatten pro Gigabyte zwar teurer. Sie bieten dafür bessere Leistungen und niedrigere Latenz. Reine Flash-Arrays nehmen zudem weniger Platz in Anspruch, verbrauchen weniger Energie und benötigen weniger Kühlung.

Was die Preise bewirken


Hybride Architekturen decken hingegen leistungsmäßig ein breites Einsatzspektrum ausreichend ab. Das gilt besonders bei gleichmäßigen Workloads, die stark von Caching profitieren. Da die Speicherpreise sinken, migrieren vermutlich künftig mehr und mehr alltägliche Workloads auf Flash. Aus Performance-Gründen wäre das gar nicht nötig, aber es wird sich rechnen. Festplatten kosten nach wie vor pro Gigabyte weniger als Flash-Systeme. Aber bis zu sieben Platten pro High-End-Laufwerk, eine Helium-Füllung bei hochkapazitiven Modellen und die 15-k-Umdrehungsgeschwindigkeit lassen kaum noch Raum für Preissenkungen. Dagegen sorgen bei Flash die Skaleneffekte der Massenfertigung und neue Produktionsverfahren dafür, dass die Speicherdichte steigt und Preise kontinuierlich fallen. Laut Experten unterbietet Enterprise-Flash eine High-End-Festplatte spätestens 2017 in den Anschaffungskosten.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 05/2016. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

In den erwähnten Umgebungen mit IOPS-(In/Output operations Per Second-intensiven) Anwendungen sind All-Flash-Lösungen den klassischen Festplatten-Arrays in der Gesamtbewertung bereits heute überlegen. Verarbeiten Großunternehmen durch schnellen Flash-Speicher pro Applikation mehr Transaktionen, können sie beispielsweise bestehende Systeme konsolidieren. Der Effekt: Die Software-Lizenzen sinken.

Denn bei SQL-Datenbanken fallen die Lizenzen häufig pro CPU an. Beschleunigt ein Flash-Speicher den Datenbank- und Applikationsserver, sorgt das für eine höhere Auslastung. Zudem lassen sich unter Umständen CPU-Kerne auf dem Server abschalten, wodurch das Unternehmen weitere Energiekosten spart.

Flash-Storage, wie etwa Netapp bietet, wird Festplatten in Speicherumgebungen wie Tier 0 oder 1 (Performance) und Tier 2 (Capacity) ersetzen. Disk-basierte Systeme übernehmen Tier 3 (Archiv) und bilden mit virtuellen Tape-Libraries und Cloud-Storage die Grundlage für langfristige Datenarchivierung. Das erfordert jedoch, eine übergreifende Datenmanagement-Plattform für dynamisches Tiering zu etablieren. Zudem sollte eine Workload-Migration zwischen Flash, Cloud und anderen Technologien möglich sein.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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