Masayoshi Son liebt spektakuläre Deals

Warum Softbank jetzt ARM kauft: 4 Gründe

Die Japaner nutzen den Brexit, sicher. Aber es gibt weitere Gründe, warum Softbank gerade jetzt ARM kaufen will.

Gute Gründe sprechen für die Übernahme. Symbolfoto Bildquelle: Thinkstock / DigitalVision

Der japanische Telekommunikationsanbieter Softbank will den britischen Chip-Designer ARM übernehmen, beide Unternehmen machten dies in einer gemeinsamen Erklärung publik.

Warum schnappt sich Masayoshi Son, Softbank-Gründer und der zweitreichste Mann in Japan, gerade jetzt ARM?

1. Günstiger Zeitpunkt Brexit

Der Kurs des Pfunds ist nach dem Brexit-Votum stark gefallen. Somit ist auch der Wert britischer Konzerne in Dollar, Euro oder eben Yen gefallen. Im Vergleich zum japanischen Yen ist das Pfund 30 Prozent weniger wert als noch vor einem Jahr. Der Erwerb von ARM wurde somit sehr viel günstiger.

Trotzdem zahlt Softbank einen hohen Preis, wie das Handelsblatt vorrechnet: "Mit dem Kaufpreis bietet Softbank einen satten Aufschlag von etwa 43 Prozent auf den Schlusskurs aus der vergangenen Woche. Mit den gebotenen knapp 24,3 Milliarden Pfund bieten die Japaner das 24,4fache von ARMs Umsatz aus dem Jahr 2015 von 968,3 Millionen Pfund und schätzungsweise das 56,8fache des bereinigten Nachsteuer-Ergebnisses von 428,9 Millionen Pfund."

2. Funktionierendes Lizenzmodell Smartphone-Chips

Die stromsparenden ARM-Chips stecken in fast allen Smartphones und Tablets. Freilich entwirft ARM nur Chip-Architektur, auf die dann Lizenzen verkauft werden. Hergestellt werden die Chips dann von den Lizenznehmern, zum Beispiel Apple oder Samsung. Eine eigene, teurer Halbleiterfertigung muss ARM also nicht finanzieren, man kann sich auf die ertragreiche Lizenzierung konzentrieren.

Ein funktionierendes Geschäftsmodell, Konkurrent Intel kommt im Smartphone-Sektor nicht voran, gegebenfalls lassen sich auch die Lizenzgebühren erhöhen.

3. Perspektive Internet der Dinge

ARM kündigte unlängst Prozessorenentwürfe für kleine vernetzte Geräte im Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) an. Telekom-Firmen wie Softbank wollen Dienstleister für diese vernetzten Geräte werden. Auf diesem Bereich dürfte perspektivisch das Hauptinteresse der Japaner liegen. 

Um die Vorherrschaft in Smartphones und Chancen im Internet der Dinge zu sichern, muss freilich in Forschung und Entwicklung investiert werden: Laut eigenen Angaben wird ARM als eigenes Unternehmen fortbestehen und den Firmensitz weiter in Cambridge haben. Die Mitarbeiterzahl in Großbritannien soll sogar in den kommenden fünf Jahren mindestens verdoppelt werden.

4. Masayoshi Son liebt spektakuläre Deals

Sein Rücktritt vom Rücktritt ergibt nun Sinn: Masayoshi Son will den ARM-Deal selbst betreuen, dafür kehrt der 58-Jährige nochmals an die Konzernspitze zurück.

Der als Zocker bekannte Selfmade-Milllionär hat bereits etliche große Deals gemeistert, in diesem Kurzporträt gut zusammengefasst. Er übernahm z.B. 2006 Vodafone Japan und besaß die Apple-Exklusiv-Rechte dort.

Für Softbank ist ARM der größte Zukauf in der Konzerngeschichte. Der japanischen Firma gehört seit 2013 der US-Telekommunikationsanbieter Sprint, dessen Mehrheit man 2013 für 22 Milliarden Dollar übernahm. Der Schuldenberg lastet zwar noch heute auf den Japanern, aber in den vergangenen Monaten verkaufte Son Anteile an Alibaba und nahm damit 17 Milliarden Euro ein.

 

 

 

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