Gefangen im eigenen Rechenzentrum?

Was Cloud-Storage bieten kann

„Auch auf der Datenebene muss jede Strategie schon heute bereit für die Cloud sein, um die Vorteile einer jeden Speicherdestination voll ausnutzen zu können“, betont Manfred Wania, Solution Engineer Central Europe bei Falconstor, im Interview. Ohne Flexibilität sei man ansonsten in seinem eigenen Rechenzentrum gefangen.

Manfred Wania, Falconstor

„Strategisch gesehen müssen Unternehmen ihre Speicherstruktur möglichst zukunftssicher und flexibel ausrichten“, meint Manfred Wania von Falconstor.

IT-DIRECTOR: Herr Wania, wie präsent sind in Großunternehmen noch Papierarchive, sprich Keller voller Akten?
M. Wania:
Es gibt in der Tat noch sehr große Papierarchive und es wird mit großem Aufwand versucht, diese Papierarchive zu digitalisieren und in ein neues Archivsystem zu bekommen. Damit diese digitale Langzeitarchivierung einfach, sicher und möglichst günstig geschieht, benötigen Unternehmen generell eine durchdachte Strategie für die Speicherung ihrer Daten insgesamt, inklusive Daten in Langzeitarchiven. Einer der wichtigsten Faktoren hierbei spielt die Mobilität von Daten, die mit einzelnen Datensilos nicht zu erreichen ist. Nur eine ganzheitliche Lösung für die komplette Speicherebene kann dies bieten.

IT-DIRECTOR:Inwieweit sind die Unternehmen bereits mit der Digitalisierung ihrer Dokumente vorangeschritten?
M. Wania:
Vor allem im Gesundheitsbereich werden immer mehr Dokumente digitalisiert und archiviert. Es fallen riesige Datenmengen an, für die es eine Speicher- und Aufbewahrungsstrategie geben muss. Das stellt für das gesamte Gesundheitswesen eine riesige Herausforderung dar und die Weichen für die Datenspeicherung der Zukunft müssen zu Beginn gestellt werden, um teure Fehlinvestitionen zu vermeiden. Software-definierte Speicherung ist hier die Technologie der Stunde, da die derzeitigen und zukünftigen Herausforderungen für Speicher nicht mit alten hardware-zentrischen Modellen gemeistert werden können.

IT-DIRECTOR: Sind die digitalisierten Dokumente besser in der Cloud oder auf einem physischen Speichermedium (Magnetband, optischer Datenträger, etc.) aufgehoben? Wo sehen Sie die Vor- und Nachteile der jeweiligen Speichermethode?
M. Wania:
Vorteil von physikalischen Datenträgern ist mit Sicherheit die Möglichkeit, diese selbst aufzubewahren, was hinsichtlich der Compliance Vorteile bietet. Gewisse Daten dürfen aus rechtlichen Gründen das eigene Rechenzentrum nun einmal nicht verlassen. Die Cloud hat den Vorteil, dass man flexibler und kostengünstiger Daten speichern kann, auf die dann von überall und jederzeit zugegriffen werden kann. Wo die Daten am besten aufgehoben sind, muss dann im Einzelfall entschieden werden. Wichtig ist hier eher die Möglichkeit, eine Speicherverwaltung im Einsatz zu haben, die die einfache Migration von Daten in oder aus der Cloud bietet.

IT-DIRECTOR: Welche Storage-Methoden eignen sich am besten für eine Langzeitarchivierung von Dokumenten und warum?
M. Wania:
Die beste Methode für eine Langzeitarchivierung ist, eine Unabhängigkeit vom darunterliegenden Medium zu schaffen. Wenn man diese Datenmobilität erreicht hat, spielt es keine Rolle mehr, welches Medium in zehn, 15 oder 20 Jahren eingesetzt wird. Durch Datenmobilität kann man zu jedem Zeitpunkt das optimale Speichermedium für Langzeitarchivierung nutzen. Zum Einsatz kommen hier software-definierte Speicherlösungen, die Daten unabhängig von Hardware verwalten können.

IT-DIRECTOR: Welche Speichermethoden nutzen Großunternehmen tatsächlich anno 2016? Und welche Faktoren üben hierbei einen Einfluss aus?
M. Wania:
Derzeit sind so gut wie alle Speichermethoden noch weit verbreitet, weil jede Methode ihre Vor- und Nachteile bietet. Schnelle Speichersystem mit Flash oder NVMe werden wohl die nähere Zukunft prägen, weil Anwendungen die für sie nutzbaren Daten nun einmal in Echtzeit benötigen und nur diese Speicherform die nötige Performance hierfür bietet.

IT-DIRECTOR: Welche Rolle spielt heute noch Magnetband in Großunternehmen?
M. Wania:
Datensicherung auf Magnetbändern ist vielerorts, auch aufgrund von rechtlichen Gegebenheiten, immer noch eine Notwendigkeit. Als Teil einer BC/DR-Strategie lässt sich die Datensicherung heutzutage mithilfe von modernen Snapshot-Technologien meist besser und effizienter lösen.

IT-DIRECTOR: Die Technik verändert sich bekanntlich rapide: Halten Sie es für möglich, dass es in zehn oder 20 Jahren bestimmte Speicherformate nicht mehr gibt?
M. Wania:
Definitiv wird dem so sein. Speichertechniken und -formate werden sich sehr rasch weiterentwickeln und deren Lebenszyklus wird immer kürzer. Umso wichtiger wird die Möglichkeit werden, Daten auf neue Technologien zu migrieren. Flexibles Datenmanagement mit software-definierter Speicherung, unabhängig von proprietären Speicherformaten, ist hier wiederum der Schlüssel zum langfristigen Erfolg.

IT-DIRECTOR: Inwieweit können sich Unternehmen sicher sein, dass ihre Dokumente in zehn oder 20 Jahren von ihren aktuell verwendeten Storage-Systemen überhaupt noch auslesbar sind?
M. Wania:
Das genau ist das Problem dieser proprietären Speicherformate und man ist gut beraten, auf offene Standards zu setzen, um die Daten zukunftssicher zu speichern. Daten von einem veralteten oder obsoleten Datenträger auf neuere Speicherformate oder sogar in die Cloud zu übertragen, ist bereits heute wichtig und wird in Zukunft noch wichtiger werden.

IT-DIRECTOR: Welche Rolle spielen an dieser Stelle Standards und ISO-Normen oder dergleichen?
M. Wania:
Die meisten Schnittstellen und Protokolle sind ja schon standardisiert. Es fragt sich nur, von wem. Prinzipiell sind offene Standards proprietären vorzuziehen, um seine Daten nicht nur zukunftssicher aufbewahren zu können, sondern sie auch zwischen unterschiedlichen Speicherplattformen hin und her bewegen zu können. Hersteller von geschlossenen, proprietären Standards haben daran kein Interesse und möchten die Daten am liebsten in ihrem teuren Datensilo gefangen halten.

IT-DIRECTOR: Wie können Großunternehmen ihre Speicherinfrastruktur strategisch weiterentwickeln, um zukünftige Anforderungen abzudecken? Wie sollten Unternehmen hier vorgehen?
M. Wania:
Strategisch gesehen müssen Unternehmen ihre Speicherstruktur möglichst zukunftssicher und flexibel ausrichten. Dabei spielt die grundsätzliche Entscheidung, ob der Unternehmensspeicher hardware- oder software-definiert sein soll, die zentrale Rolle. Hardware-zentrierte Modelle erstellen teure Datensilos, ohne jegliche Flexibilität, und man bindet sich langfristig an das Modell eines einzigen Herstellers. Dem gegenüber steht das software-zentrierte Modell, das im besten Fall die komplette Speicherinfrastruktur eines Unternehmens verwalten kann und damit isolierte Speichersilos aufbricht und unter eine einzelne Verwaltung stellt. SDS-Plattformen wie Freestor schaffen dies und sind deshalb die Strategie der Zukunft.

IT-DIRECTOR: Welche Faktoren beeinflussen Ihrer Meinung nach die zukünftigen Entwicklungen am Storage-Markt?
M. Wania:
Der Weg für das Rechenzentrum geht ganz klar hin zum vollkommen virtualisierten, software-definierten Rechenzentrum, das die Voraussetzungen für die Hybrid Cloud schafft. Bereits heute ist ein Großteil der Daten in der Cloud gespeichert, genauso wie Teile des Compute-Players, der ganze Applikationen aus der Cloud heraus anbietet. Auch auf der Datenebene muss jede Strategie schon heute bereit für die Cloud sein, um die Vorteile einer jeden Speicherdestination voll ausnutzen zu können. Ohne Flexibilität ist man in seinem eigenen Rechenzentrum gefangen.

Bildquelle: Falconstor

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