Manipulation in den sozialen Medien

Was hilft gegen Bad Bots?

Manipulative Bots in sozialen Medien können die Reputation von Unternehmen und ­deren Wirtschaftlichkeit beeinträchtigen. Es gibt jedoch Möglichkeiten, diesen Einfluss einzudämmen.

Die Anzahl von Bots im Netz, und das nicht nur auf Social-Media-Kanälen, nimmt stetig zu.

Die Anzahl von Bots im Netz, und das nicht nur auf Social-Media-Kanälen, nimmt stetig zu.

Hinter Profilen auf sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter stecken nicht immer echte Menschen. Vermehrt trifft man dort auf Bots, automatisierte Accounts, die lediglich vortäuschen, unabhängige und echte Personen zu sein. Wer hinter diesen Bots steckt, ob einzelne Menschen, Unternehmen oder auch politische Interessengruppen, ist in den meisten Fällen schwer bis gar nicht nachvollziehbar. Das Ziel ist ­jedoch meist dasselbe: die Beeinflussung anderer Nutzer, um Meinungsbilder zu verzerren und gar einen wirtschaftlichen Schaden zu erzeugen. Bots können gezielt Kaufentscheidungen beeinflussen oder die Reputation von Unternehmen schädigen. Beispielsweise können diese automatisierten Accounts den generellen Kundenservice von Unternehmen im großen Stil schlechtmachen oder aber einzelne Produkte negativ bewerten.

Außerdem können Fake-Accounts auch dazu eingesetzt werden, um Mitarbeiter im Privaten auf Social-Media-Kanälen anzusprechen. Dieses „Social Engineering“ dient dazu, vertrauliche Unternehmensinformationen in Erfahrung zu bringen oder Sicherheitslücken aufzudecken. Die Frage, die sich daher stellt, ist: Wie können Mitarbeiter Bots erkennen? Und was können Unternehmen tun, damit sie nicht zum Problem werden? Die Schulung der Medienkompetenz der Mitarbeiter und der Einsatz von technischen Tools, um Fake-Accounts aufzudecken und zu blockieren, sind zwei mögliche Vorgehensweisen.

Eine gute Medienkompetenz der Mitarbeiter sorgt dafür, dass sie ihre Kommunikation auf sozialen Netzwerken, mit allen damit zusammenhängenden Risiken, besser einschätzen und dadurch kontrollieren können. Die Chefetage muss daher dem Risiko der „Sicherheitslücke Mensch“ in sozialen Netzwerken eine Priorität beimessen und die Mitarbeiter aktiv in ihrem Verhalten schulen. Wirkungsvoller als reine Textdokumente, die den Mitarbeitern als Pflichtlektüre an die Hand gegeben werden, sind Workshops oder auch Webinare, wenn die räumliche Verbreitung der Mitarbeiter ein Zusammenkommen an einem Ort erschwert. Praktische und schnell umzusetzende Tipps funktionieren am besten, damit nicht nur eine reine Theorie vermittelt wird, sondern gleich das passende Handwerkszeug im Kampf gegen die „Bad Bots“ im Kopf der Kollegen verankert ist.

Mit technischen Hilfsmitteln gegen Fake-Accounts


Neben einer Checkliste (siehe Infokasten) gibt es laut IT-Dienstleistern wie T-Systems Multimedia Solutions weitere Möglichkeiten, mit denen Mitarbeiter automatisierte Accounts erkennen können. Dazu zählen technische Tools, mit denen auch Unternehmen gezielt ihre Geschäfts-Accounts auf Bots untersuchen können. Mit „Botometer“ können Nutzer die Aktivitäten von Twitter-Accounts beispielsweise analysieren lassen, indem sie dort den Twitter-Namen eingeben. Das Tool prüft dann, wie wahrscheinlich es ist, dass es sich bei dem Account um einen Bot handelt. Je höher der Punktwert, den das Tool vergibt, desto wahrscheinlicher handelt es sich um einen Fake-Account. Unternehmen können mit der Einbindung des Tools per API die Funktionen auch kommerziell für ihre eigenen Apps nutzen.

Durch „Mentionmap“ kann das gesamte Netzwerk eines Twitter-Accounts offengelegt werden. Damit eignet sich das Tool besonders gut, um mögliche weitere Bots im Netzwerk eines bereits identifizierten Bots zu finden. Darüber hinaus haben sich Unternehmen wie Unbotify, Behaviosec und Cykickkabs darauf spezialisiert, Bots zu entlarven. Diese sind jedoch vor allem für die Analyse des eigenen Website-Traffics geeignet. Durch das Zusammenspiel von Mausbewegungen auf der Website durch einen potentiellen Nutzer, Tastatureingaben oder Informationen aus der Sensorik mobiler Endgeräte sollen mit großer Sicherheit betrügerische Accounts aufgedeckt werden können.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 03/2018. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Es zeigt sich: Die Anzahl von Bots im Netz, und das nicht nur auf Social-Media-Kanälen, nimmt stetig zu. Sicherlich sind nicht alle Bots schlecht. Viele, beispielsweise Chatbots im Kundenservice, helfen Kunden und Unternehmen gleichermaßen. Wichtig ist aber, dass Mitarbeiter über die verschiedenen Formen und Risiken aufgeklärt sind und sich selbst sowie die Reputa­tion ihres Unternehmens schützen können.


Checkliste: Bot oder Mensch?

Folgende Checkliste funktioniert beispielsweise gut, um herauszufinden, ob es sich bei einem Twitter-Account um einen echten Menschen oder aber um einen Bot handelt:

  1. Handelt es sich um einen verifizierten Twitter-Account? Wenn ja, zeigt sich das am blauen Häkchen hinter dem Account-Namen.
  2. Wirken die Profilbeschreibung und der Profilname authentisch? Ist also die Sprache menschlich und nicht „roboterlastig“? Passt der gewählte Name zum Menschen und zu den ­Themen des Accounts?
  3. Zeigt der Account ein echtes, menschliches Profilbild oder aber ein Comicbild? Bots verwenden gerne Comicbilder.
  4. Wie viele Tweets veröffentlicht der Account pro Tag? Bots tweeten nicht selten mehr als 50 Mal pro Tag.
  5. Reagiert der Account regelmäßig überdurchschnittlich schnell, also innerhalb von unter einer Minute, auf Tweets? Die Schnelligkeit ist ein Indiz für einen automatisierten Account.
  6. Reagiert ein Account immer nur auf die immer gleichen Hashtags? Dieses Verhalten deutet ebenfalls auf eine eindimensionale und zielgerichtete Programmierung und damit einen Bot hin.
  7. Wie reagiert der Bot auf Kontextfragen? Fragen, die räumliches Denken erfordern, wie „Was siehst du vor dir?“, sind meist nicht in der Programmierung von Bots vorgesehen. Ein Mensch kann diese Fragen leicht beantworten, während sich ein Bot damit schwertut und sich als solcher entlarvt.
  8. Wie sehen die Follower des Accounts aus? Bots folgen sehr gerne anderen Bots. Wenn sich die oben aufgelisteten Zeichen also auch vermehrt bei den Followern eines Accounts zeigen, verdichtet sich der Verdacht, dass es sich beim ursprünglichen Account um einen Bot handelt.

Quelle: T-Systems Multimedia Solutions


Bildquelle: Thinkstock/iStock

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