Outsourcing der IT-Infrastrukturen

Was kostet Colocation?

Was kostet Colocation? Welche Infrastrukturservices werden geboten? Wie läuft der Umzung der eigenen IT ins Colocation-Rechenzentrum entspannt ab? Diese und andere Fragen beantwortet Matthias Blatz von Heidelberg IT Management im Interview.

Matthias Blatz, Heidelberg IT Management

Matthias Blatz, Geschäftsführer bei der Heidelberg IT Management GmbH & Co. KG

IT-DIRECTOR: Herr Blatz, eigener RZ-Betrieb, Hosting oder Colocation – welche Betriebsform passt für welche Anforderung von Unternehmen am besten? Und warum?
M. Blatz:
Unternehmen, die ihre IT noch selbst managen, nutzen in der Regel Colocation-Angebote, da sich dabei nichts ändert, außer der Standort der IT-Systeme. Grundsätzlich ist die Betriebsform der IT-Systeme immer vom Einzelfall abhängig. Flexibilität und individuelle Lösungen sind Schlüsselfaktoren für jede IT-Infrastruktur. Ziel ist es immer, eine wirtschaftliche und leistungsfähige Lösung für die anstehenden Aufgaben der Unternehmens-IT zu entwickeln.

IT-DIRECTOR: Stichwort Colocation: Wie teuer ist aktuell der durchschnittliche Quadratmeterpreis für eine Hardware-Stellfläche in Colocation-Rechenzentren?
M. Blatz:
Der durchschnittliche Quadratmeterpreis Hardware-Stellfläche liegt derzeit bei 560 Euro pro Schrank (102 cm tief, 80 cm breit). Wegen der zu öffnenden Türen geht man von drei Quadratmetern pro Schrank aus.

IT-DIRECTOR: Welche Serviceleistungen sind bei Colocation – über die Bereitstellung der Stellfläche hinaus – in der Regel eingeschlossen?
M. Blatz:
Gerade weil Colocation mehr beinhalten kann als die reine Unterbringung und Netzanbindung eines Kundenservers im Rechenzentrum eines Internet-Service-Providers bezeichnen wir unser Rechenzentrum als „Serverhotel“: Jeder Kunde bekommt die Leistungen, die er wünscht, auch über die infrastrukturellen Dienstleistungen hinaus. So möchten einige Kunden alles selbst administrieren und benötigen nur einen Strom- und Internetanschluss sowie die professionelle Klimatisierung. Andere möchten eine Full-Managed-Lösung, bei der sie sich um nichts mehr kümmern müssen und den sicheren und reibungslosen Betrieb ihrer IT-/ITK-Infrastruktur an einen externen IT-Dienstleister abgeben.

IT-DIRECTOR: Wie gestalten sich übliche Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen?
M. Blatz:
Bei uns beträgt die übliche Mindestlaufzeit für Colocation ein Jahr. In Einzelfällen vereinbaren wir auch kürzere Laufzeiten. Aufgrund der Einrichtungskosten und Aufwendungen empfehlen wir Vertragslaufzeiten von mindestens 36 Monaten. Bei direkten Glasfaseranbindungen der Kunden an unser Serverhotel empfehlen wir sogar eine Mindestlaufzeit von 60 Monaten. Die Kündigungsfrist beträgt in der Regel drei Monate zum Ende der Mindestvertragslaufzeit.

IT-DIRECTOR: Was sollten IT-Verantwortliche bei der Planung und Durchführung eines Umzugs ihrer Unternehmens-IT in ein Colocation-Rechenzentrum vor allem beachten?
M. Blatz:
IT-Verantwortliche, die einen Umzug ihrer Unternehmens-IT in ein Colocation-Rechenzentrum planen, raten wir, auf die Anbindung sowie die Verbindung zwischen Kunde und Rechenzentrum zu achten. Hierbei ist eine direkte Anbindung immer zu bevorzugen. Vor dem Umzug empfiehlt sich eine vollständige Inventarisierung und genaue Dokumentation der IT-Infrastruktur. Da nicht nur Hardware sondern auch Daten umziehen, sollte der Umzug umfassend und in Absprache mit allen Abteilungen eines Unternehmens geplant werden. Bei der praktischen Umsetzung des Umzugs ist auch eine exakte Planung der genutzten Wege ratsam, um zu verhindern, dass beispielsweise eine Tür zu klein oder die Tragelast des Fahrstuhls zu gering ist. Auch, dass die eingesetzten Transportgeräte dafür geeignet sind, z.B. keine hohe Schwelle bei Nutzung von Hubwagen usw.

IT-DIRECTOR: Welcher Zeitrahmen sollte für den Umzug angesetzt werden?
M. Blatz:
Bei entsprechender Vorbereitung kann ein Umzug von einem ins andere Rechenzentrum kurzfristig durchgeführt werden – innerhalb weniger Tage. Bei einem Komplett-Outsourcing kann dies auch gut ein Jahr dauern, bis alle Bereiche der IT-Landschaft konsolidiert und umgezogen sind.

IT-DIRECTOR: Inwieweit sollte man teure Hardware speziell absichern (z.B. mit besonderer Verpackung, IT-Versicherungen)?
M. Blatz:
Wer den Umzug seiner Unternehmens-IT von einem klassischen Umzugslogistiker durchführen lässt, muss seine IT-Systeme so verpacken als ob er diese per Paketdienst verschicken würde. Speditionen oder Unternehmen, die sich auf den Transport von Hardware spezialisiert haben, schauen sich zuerst alles vor Ort an und geben dann entsprechende Empfehlungen. Unter Umständen kann z.B. ein ganzer Schrank 1:1 umgezogen werden, ohne auch nur ein Gerät herausschrauben zu müssen. Dies muss jedoch im Einzelfall geprüft werden und im Besondern muss auf das Gewicht pro Umzugseinheit geachtet werden.

IT-DIRECTOR: Allgemeines Stichwort „Rechenzentrums-Reinigung“: In welchen Zeitabständen sollte die Reinigung von Rechenzentren vorgenommen werden?
M. Blatz:
In Rechenzentren befinden sich komplexe Gerätestrukturen, teils mit mechanisch arbeitenden Hardware-Komponenten, sowie Prozessorlüfter und Klimaanlagen. Diese sind empfindlich gegen Staub und Verschmutzungen. Wir empfehlen für Rechenzentren ein regelmäßiges Reinigungsintervall von mindestens zweimal pro Jahr. Bei Server-Räumen ohne externe Zuluft halten wir mindestens einmal pro Jahr für ausreichend. Bei häufigem Zutritt oder baulichen Veränderungen im Server-Raum ist eine Reinigung nach Bedarf erforderlich.

Sehr wichtig ist es auch, die Versorgungssysteme des Rechenzentrums zu reinigen und zu warten. Besonders anfällig sind in der Pollenflugzeit die im freien stehenden Rückkühler der Klimaanlagen, da sich diese regelmäßig zusetzen. Nach der Pollenflughochphase sollten diese unbedingt gereinigt werden.

IT-DIRECTOR: Worauf muss man bei der RZ-Reinigung besonders achten? Welche Putzaktionen oder Putzmittel erweisen sich in diesem Umfeld als besonders kritisch?
M. Blatz:
Bei der Reinigung von Rechenzentren muss das Reinigungspersonal darauf achten, Steckverbindung von Kabeln nicht versehentlich zu lösen, Schalterstellungen durch Anstoßen zu verändern oder aus Versehen an einen Reset-Knopf zu kommen. Besonders Glasfaserkabel dürfen keinesfalls zu sehr geknickt werden.
 
Auch darf auf keinen Fall Wasser in Geräte oder den Hohlraumboden gelangen. Daher ist darauf zu achten, dass nicht nass, sondern nur nebelfeucht gewischt wird. Außerdem sollte das Reinigungspersonal nur geeignetes Putzmittel verwenden, so sollte etwa bei Betonestrich-Böden von dem Versiegelungsmittel etwas ins Putzwasser hinzugefügt werden, um die Versiegelung langfristig zu gewährleisten. Reinigungsmaschinen, die mechanischen Abrieb erzeugen, sollten nicht eingesetzt werden.

IT-DIRECTOR: Inwiefern kann man sichergehen, dass das Reinigungspersonal den Sicherheitsstandards im Rechenzentrum Folge leistet?
M. Blatz:
Durch den Einsatz von geschultem Personal bzw. einer Fachfirma kann man am einfachsten sicherstellen, dass das Reinigungspersonal den Sicherheitsstandards im Rechenzentrum Folge leistet. Wer kein Fachpersonal für die Reinigung seiner Server-Räume einsetzen möchte, der sollte sichergehen, dass die engagierte Reinigungsfirma ausreichend versichert ist und dem Reinigungspersonal während der Arbeiten einen erfahrenen Techniker zur Seite stellen, der zuvor auch eine Einweisung durchführen sollte.

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