Standard für browserbasierte Realtime-Kommunikation

WebRTC: Vor- und Nachteile

Der WebRTC-Standard für die browserbasierte Realtime-Kommunikation gilt als einer der maßgeblichen Treiber im Bereich Unified Communications (UC) und Videokonferenzen, da es Echtzeitkommunikation ­ohne Plug-ins oder zusätzliche Software rein über einen Webbrowser ermöglicht.

Videomeeting, Bildquelle: Cisco

Einfache Videomeetings mit mehreren Teilnehmern sind unkompliziert und können sicher über die Grenzen von Firewalls hinweg getätigt werden.

Sehen die einen WebRTC als neuen Hype, der bald wieder verschwinden wird, halten ihn andere für die  „revolutionäre“ Technologie der Zukunft. Aber was sind die Vor- und Nachteile von WebRTC? Wo liegen konkrete neue Anwendungschancen und in welchen Fällen sind trotzdem klassische UC-Systeme von Vorteil?

Vorteile von WebRTC …

WebRTC bietet kreativen Entwicklern von Webapplikationen ein einfaches Set an Client-seitigen Schnittstellen, mit denen sie problemlos Echtzeitaudio und -video in eine Web Application integrieren können. Das funktioniert ohne Plug-in und auch ohne weitreichende Kenntnisse im Bereich Real-Time-Communication-Protokolle. Somit verringern sich die erforderliche Zeit sowie der Grad an speziellem Expertenwissen deutlich, die für die Integration von Echtzeit-Voice und -Video in eine Webapplikation erforderlich sind. ­HTML5 und Javascript, die als Framework dienen, erfordern beide vergleichsweise wenig Expertenwissen. So lässt sich schon mit wenigen Zeilen ein Video-Stream einrichten, was nicht nur die Programmierung erleichtert, sondern auch den Anwendungsfluss. Die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen, lückenlosen Interaktion steigt. Einfache Videomeetings mit mehreren Teilnehmern sind unkompliziert und können sicher über die Grenzen von Firewalls hinweg getätigt werden.

… und (Anwendungs-)Grenzen

WebRTC befindet sich noch in der Entwicklung und es gibt daher Grenzen, die wahrscheinlich noch für einige Zeit zu „Inseln“ der WebRTC-Interaktion führen werden:

1. Es gibt bisher noch keine Übereinkunft über einen verpflichtenden Video Codec und die Community teilt sich in das „VP8- bzw. 9-Lager“ (Google) und das „H.264-Lager“ (Cisco). Microsoft und Apple sind noch unentschieden. Polycom könnte seine Lösungen an beide Standards anpassen, befürwortet aber einen einheitlichen Standard für die gesamte Branche, um so Interoperabilität zwischen allen Systemen sicherzustellen. Die Interoperabilität zwischen WebRTC-Endpunkten, die verschiedene Video-Codecs unterstützen, kann zwar mithilfe von Transcoder-Gateways erreicht werden – allerdings wird die Lösung dadurch zunehmend komplex.

2. Anrufe zwischen WebRTC-Clients, die beide über dieselben Pfade im Web hereinkommen, lassen sich einfach und bequem tätigen. Die Verbindung zu einer traditionellen Nicht-WebRTC-Intrastruktur, wie beispielsweise Telefone oder mobile Systeme, erfordert jedoch die Hilfe von zwischengeschalteten Gateways.

3. Die Kommunikation über WebRTC zwischen Endpunkten funktioniert dann, wenn beide auf denselben Server zugreifen. Wenn aber Endpunkt A eine Verbindung zu Endpunkt B aufbauen möchte, der Browser von B aber nicht für die Server-Webpage geöffnet ist,  gibt es in dem Moment keine Möglichkeit, das Klingeln des Anrufs anzuzeigen. Somit kann auch keine WebRTC-Verbindung zwischen A und B aufgebaut werden.

4. Für Multipoint-WebRTC-Unterstützung nutzt man üblicherweise eine „Full-Mesh-Implementierung“, mit der jeder WebRTC-Endpunkt am Ende einen direkten Austausch mit jedem anderen WebRTC-Endpunkt hat. Das erfordert in der Größenordnung n Peer-Peer-Verbindungen für jede Konferenz. Dieser Weg ist einfach und praktisch für kleinere Gruppen von bis zu vier Teilnehmern. Über diese Grenze hinaus wird jedoch die erforderliche Bandbreite und Belastung des Prozessors für jeden Endpunkt sehr groß. Das kann zwar durch das Hinzufügen von Nicht-WebRTC-Infrastruktur vermieden werden, die die Multipoint-WebRTC-Anschlussfähigkeit effektiver etablieren. Aber auch das erhöht die Komplexität und Kosten.

Anwendungsbeispiele und Zielmärkte

Branchen, für die UC in Echtzeit mit wenigen Teilnehmern einen echten Vorteil bringt, sind die naheliegenden Zielmärkte. Das können beispielsweise Callcenter und Kundenhotlines sein.

Im Finanzbereich könnten Video und Audio in Echtzeit im Kundenservice sehr hilfreich sein, wenn es darum geht, Transaktionen und Konditionen zu besprechen. Wenn sich ein Kunde auf der Suche nach einem Kreditgeber online über Zinsen informiert und dann weitere Informationen zum Angebot der Bank benötigt, müsste er dazu keinen Termin mehr mit dem Bankberater vereinbaren. Stattdessen könnte er sofort einen Video- oder Audio-Call im Browser mit dem Ansprechpartner der Bank starten und alle Vertragsdetails klären. In der Telemedizin kann die Nachsorge und Therapie (keine Notfallversorgung) für Patienten erleichtert werden, wenn diese nicht zu jeder Untersuchung beim Spezialisten anreisen müssen. Das reduziert nicht nur die Reisezeiten, sondern auch die Behandlungskosten. In Onlineshops des Einzelhandels könnte die Chat-Funktion, wie sie viele Unternehmen bereits anbieten, durch einen Video-Chat ersetzt werden. So wird die Kundenberatung persönlicher, die Kundenzufriedenheit verbessert sich und das schlägt sich letzten Endes positiv im Verkauf nieder.

Bildquelle: Cisco

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