Neuer Personalausweis im Versicherungswesen

Weg frei für Online-Verträge

Interview mit Sascha Sauer, Geschäftsführer der Ageto Service GmbH, über den neuen elektronischen Personalausweis und seinen Nutzen für die Versicherungswirtschaft.

Sascha Sauer, Ageto Service GmbH

Sascha Sauer, Geschäftsführer der Ageto Service GmbH

Der neue Personalausweis (nPA) steht seit November 2010 zur Verfügung und bietet Dienstleistern wie Versicherungen viele interessante Anwendungsmöglichkeiten. Nach fast zwei Jahren haben jedoch nur wenige der Besitzer des neuen Personalausweises die Online-Funktion aktiviert, auch weil die neuen Funktionen bislang kaum bekannt sind.

IT-DIRECTOR: Herr Sauer, besitzen Sie selbst einen neuen Personalausweis und was sind die Voraussetzungen zur Nutzung der Online-Funktionen des nPA?

S. Sauer: Natürlich besitze ich einen neuen Personalausweis und verwende diesen. Als ein führender IT-Dienstleister in Sachen neuer Personalausweis versteht es sich von selbst, dass auch wir die eID-Funktionen gebrauchen. Um diese nutzen zu können, werden nur wenige Dinge benötigt: der neue Personalausweis im Scheckkartenformat mit aktivierter eID-Funktion, ein handelsübliches Kartenlesegerät und eine auf dem Rechner installierte Ausweis-App, beispielsweise die von Ageto.

IT-DIRECTOR: Welche Vorteile sehen Sie in den Online-Funktionen des neuen Personalausweises?

S. Sauer: Der der neue Personalausweis ermöglicht über die elektronische Ausweisfunktion die Feststellung der Identität im Internet. In Kombination mit der sechsstelligen PIN bestätigt er eindeutig, dass genau „ich“ mich gerade an meinem PC befinde und niemand sonst. Dadurch ist auch der Zugriff auf vertrauliche private Daten abgesichert. Dies ebnet den Weg für Online-Verträge und einen verbesserten sowie schnelleren Kundenservice. Dass Dokumente beispielsweise nicht mehr umständlich ausgedruckt und per Post versendet werden müssen, spart Zeit, Geld und Papier. Ein weiterer Vorteil sind die digitalen fehlerfreien Daten. Unternehmen können sofort mit der Bearbeitung beginnen, ohne auf die Unterlagen zu warten, diese einscannen zu müssen oder umständlich Handschriften zu entziffern.

Ebenfalls wichtig ist die Einbindung des neuen Personalausweises bei den Behörden. Viele Besuche beim Amt werden künftig überflüssig und können bequem von zu Hause erledigt werden. Zu guter Letzt kann der neue Personalausweis genutzt werden, um sich bei verschiedenen Online-Portalen anzumelden, beispielsweise Online-Shops oder sozialen Netzwerken. Dadurch wird das Management von Zugangsdaten wesentlich nutzerfreundlicher und Anwender müssen sich keine Passwörter mehr von vielen verschiedenen Webseiten merken.

IT-DIRECTOR: Wie sieht es mit der Datensicherheit bei der Verwendung des neuen Personalausweises aus?

S. Sauer: Die Nutzer bestimmen vorab, welche Daten beim Auslesen wirklich übermittelt werden sollen und welche nicht. Somit sind die Bedenken, zum „gläsernen Bürger“ zu werden, unbegründet. Beim Abschluss eines Versicherungsvertrages können beispielsweise nur die für diesen Vertrag relevanten Daten vom Online-Dienst ausgelesen und verwendet werden. Bei einer Altersverifizierung wird nicht das Geburtsdatum preisgegeben, sondern nur die Frage nach dem Erreichen des Alters, zum Beispiel 18 Jahre, mit ja oder nein beantwortet. Welche Daten für einen Dienst erforderlich sind, prüft die staatliche Vergabestelle für Berechtigungszertifikate im Bundesverwaltungsamt sehr genau. Entsprechend der Verwendung wird dem Dienstanbieter dann das benötigte Zertifikat ausgestellt. Alle zusätzlichen Daten, die auf dem Ausweis gespeichert werden können, werden nicht übermittelt.

IT-DIRECTOR: Welche Einsatzmöglichkeiten gibt es bereits generell und welche im Speziellen für die Versicherungswirtschaft?

S. Sauer: Generell kann der Ausweis zur Authentisierung im Internet genutzt werden. Der Ausweis übernimmt dann beispielsweise die Login-Funktion für geschützte Bereiche auf Internetportalen oder beim Online-Shopping.

Eine Anwendungsmöglichkeit bietet beispielsweise eine große deutsche Versicherung: Wird die KfZ-Versicherung online abgeschlossen, kann diese die Daten aus dem nPA im Rahmen der elektronischen Versicherungsbestätigung direkt an die Zulassungsstelle übermitteln. Papierformulare müssen somit nicht mehr ausgefüllt werden, ebenso erspart man sich den Weg zum Amt. Das spart Zeit und ist zudem noch umweltfreundlich.

Die Vorteile für die Versicherungswirtschaft liegen zudem in der eindeutigen Identifizierung des Kunden. So wird es ermöglicht, Sach-Versicherungsprodukte wie eine KfZ-Versicherung auf dem Kundenportal der Versicherungen abzuschließen. Zudem wird das Postident-Verfahren beim Abschluss von Kapitalisierungsprodukten für Nutzer des neuen Personalausweises überflüssig. Mit der Registrierung und eindeutigen Wiedererkennung auf den Portalen der Versicherungen wird die Pflege der Kundenbeziehung ebenfalls verbessert.

Darüber hinaus wird der nPA in der Versicherungswirtschaft bereits für den Zugang ins Maklerportal eingesetzt. Zukünftig ist es möglich, neben den Sachversicherungsprodukten auch weitere Versicherungen, wie beispielsweise Lebensversicherungen, medienbruchfrei online abzuschließen. Hierfür wird die auf dem nPA hinterlegten QES (qualifizierte elektronische Unterschrift) zur Signierung genutzt. Gerade an dieser Stelle sehe ich viel Potential für den nPA.

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