Stellplätze im Rechenzentrum zur Miete

Welche Services inkludiert Colocation?

Claudia Gharavi von Plusserver zählt auf, welche Services – über die Bereitstellung von Stellfläche im Rechenzentrum hinaus – bei Colocation in der Regel inklusive sind.

Claudia Gharavi, Plusserver

Claudia Gharavi, Business Manager Colocation bei der Plusserver GmbH

IT-DIRECTOR: Frau Gharavi, eigener RZ-Betrieb, Hosting oder Colocation – welche Betriebsform passt für welche Anforderung von Unternehmen am besten? Und warum?
C. Gharavi:
Für bestimmte Anwendungen wie die Steuerung von Produktionsabläufen kann es von Vorteil sein, die IT im eigenen Rechenzentrum zu betreiben, um etwa hohe Latenzen zu vermeiden. Colocation wird gerne gewählt, wenn die Kunden zwar die Infrastruktur und Servicepersonal eines Drittanbieters nutzen möchten, aber ihre eigene Hardware statt gemieteter Server bevorzugen. Hosting bietet von allen drei Modellen die höchste Flexibilität und erfordert die geringsten Investitionen.

IT-DIRECTOR: Stichwort Colocation: Wie teuer ist aktuell der durchschnittliche Quadratmeterpreis für eine Hardware-Stellfläche in Colocation-Rechenzentren?
C. Gharavi:
Relevant für die Preisfrage ist das Qualitäts-Level des Rechenzentrums. Um sich sorgenfrei nur um den eigenen Serverpark kümmern zu können, müssen bestimmte Vorkehrungen garantiert sein. Unternehmen entscheiden sich deshalb in der Regel für sichere Datacenter (Tier-3-Standard), die sich durch Zertifizierungen und redundante Infrastruktur (z.B. N+1 Infrastruktur) auszeichnen.

Der Quadratmeterpreis ist über die letzten Jahre hinweg in den Hintergrund gerückt. Bis 2010 war zumeist tatsächlich der Quadratmeterpreis vorrangig, dann änderte sich das Denken der DC-Provider und sie passten sich der Entwicklung des Marktes an. Energiekosten – vor allem die benötigte Leistungsaufnahme der Hardware – sind heute maßgebend, wenn es um die Frage der Colocation-Kosten geht.

In der Regel wird die Colocation-Fläche rack-weise abgerechnet mit der benötigten Leistungsaufnahme abgerechnet und variiert noch mal je nach Lage und Ausstattung des Rechenzentrums sowie je nach Leistungsumfang weiterer Services. Natürlich sind auch individuelle Lösungen bis hin zu eigenen Kundenbereichen im RZ möglich.

IT-DIRECTOR: Welche Serviceleistungen sind bei Colocation – über die Bereitstellung der Stellfläche hinaus – in der Regel eingeschlossen?

  • 19"-Rack (Serverschrank) für 42 Höheneinheiten
  • Redundante Stromzufuhr (Standard: 2 x 16 A) über A/B-Schiene, Sonderlösungen möglich
  • Auswertung des aktuellen Stromverbrauchs
  • Bis zu 10 Gbit/s Anbindung möglich
  • Traffic-Commitments je nach Bedarf
  • Monitoring des kundeneigenen Traffics
  • Gesicherter personalisierter Zugang
  • Alle Racks durch Zahlenschloss verschließbar
  • 24h-Videoüberwachung
  • 24/7-Zutritt und -Service vor Ort
  • Separater Arbeits- und Aufenthaltsbereich
  • IPv4-Subnetz auf Anfrage
  • (Vergabe nur nach RIPE-Richtlinien)


IT-DIRECTOR: Wie gestalten sich übliche Vertragslaufzeiten und Kündigungsfristen?
C. Gharavi:
Verträge werden in der Regel über längere Zeiträume (bis zu 60 Monate) geschlossen und laufen mindestens zwölf Monate. Es ist meist im Interesse der Unternehmen, nur dann ihre Infrastruktur auszulagern, wenn die Verfügbarkeit und auch beispielweise Preise über längere Zeiträume abgesichert sind.

IT-DIRECTOR: Wie werden die Hochverfügbarkeit der Systemumgebungen und wie die Datensicherheit garantiert?
C. Gharavi:
Data Center nach Tier-3-Standard (Uptime Institute) verwenden redundante Komponenten sowie mehrere aktive und passive Versorgungswege. Wartungen können auch während des Betriebes vorgenommen werden und im Falle eines Ausfalls greifen die Maßnahmen, um den Betrieb weitestgehend fortführen zu können. Die Ausfallsicherheit wird außerdem durch den Einsatz mehrerer Brandabschnitte erhöht.

Die Anbindung an ein Tier-1-Carrier-Netz erfüllt alle Voraussetzungen für hochverfügbare Connectivity-Services. Als Besonders ausfallsicher haben sich Netzanbindungen erwiesen, die unterschiedliche Tier-1-Carrier-Upstreams vereinen (Stichwort: carrier-neutral). Unterhält der Provider zudem noch einen Backbone, kann selbst im unwahrscheinlichen Fall eines Ausfalls gehandelt werden, so dass der Service weitestgehend uneingeschränkt läuft. Es gilt, bei allen Berücksichtigungen stets auf die individuellen Anforderungen des Projekts zu achten, um ein technisch und wirtschaftlich sinnvolles Szenario abbilden zu können.

Die Datensicherheit misst sich vor allem an dem Zertifizierungs-Level des Datacenter-Providers. Ein klassisches Aushängeschild für Außenstehende ist die ISO-27001-Zertifizierung – oft einhergehend mit der erweiterten PCI-DSS-Zertifizierung. Sollte der Provider auch Leistungen anbieten, bei denen personenbezogene Daten verarbeitet werden, obliegt es der Verantwortung des Kunden, für einen Auftragsdatenverarbeitungsvertrag (kurz ADV) zu sorgen. Entsprechende Vertragsmuster kann der Provider in der Regel bereitstellen.

IT-DIRECTOR: Was sollten IT-Verantwortliche bei der Planung und Durchführung eines Umzugs ihrer Unternehmens-IT in ein Colocation-Rechenzentrum vor allem beachten?
C. Gharavi:
Wichtig ist, dass das Rechenzentrum die qualitativen Ansprüche erfüllt und alle Vorkehrungen in Anlehnung an die Anforderungen beim RZ-Provider getroffen wurden. Beim Umzug selbst ist vor allem eine exakte Planung in Bezug auf die Server-Verteilung erforderlich. Es sollte lokal abgeklärt werden, wie die Server in das DC transportiert werden können. Die meisten Provider haben Laderampen, sodass die Hardware direkt vom LKW auf die RZ-Ebene abgeladen werden kann.

Es hat sich als sinnvoll erwiesen, auch Verkabelungen innerhalb der Serverschränke im Vorfeld zu planen und gegebenenfalls unterschiedliche Merkmale (Farbe) für den jeweils unterschiedlichen Zweck festzulegen. Eine gute Dokumentation sollte abschließend nicht vergessen werden, damit auch Arbeiten nach dem Einzug sauber erledigt werden können. Ressourcen sollten in Anlehnung an das Volumen und die Teilarbeiten vorhanden sein. Hier steht auch der Provider mit Rat und Tat gern zur Seite. Remote Hands können separat gebucht werden.

IT-DIRECTOR: Inwieweit sollte man teure Hardware speziell absichern (z.B. mit besonderer Verpackung, IT-Versicherungen)?
C. Gharavi:
Die Verpackung muss sehr sorgfältig erfolgen und der Versand mit Kurier ist empfehlenswert, da dieser im Schadensfall haftet. Es ist zudem sinnvoll, eine Elektronik- und Haftpflichtversicherung abzuschließen.

IT-DIRECTOR: Allgemeines Stichwort „Rechenzentrums-Reinigung“: In welchen Zeitabständen sollte die Reinigung von Rechenzentren vorgenommen werden?
C. Gharavi:
Die Böden sollten ca. alle zwei Wochen gereinigt werden. Dies geschieht mit Spezialsaugern, die auch Feinstaub filtern, also keine normalen Haushaltsstaubsauger. Abhängig von der Zahl der Besucher sind eventuell kürzere Abstände erforderlich. Jede Person, die das RZ betritt, bringt neben normalem Straßenschmutz auch Minipartikel mit, die sich als Staub im Rechenzentrum verbreiten. Sie lagern letztlich auf den Servern im Schrank und können in den Server eindringen. Sobald sich Staub z.B. im Lüfter niederlässt, kann der Server beeinträchtigt werden. Deshalb ist es absolut notwendig, auch bei kaum sichtbarem Schmutz das Reinigungsintervall konsequent durchzuführen.

Die Kabeltrassen, das Innere der Racks, die Böden unterhalb der Doppelböden werden ca. einmal jährlich gereinigt. Während des Reinigungsvorgangs müssen statische Aufladungen vermieden werden. Geräte und Kabel sollten so gut es geht berührungsfrei gereinigt werden, da sie als sehr empfindlich einzustufen sind. Eine Feuchtreinigung ist nur mit speziellen Reinigungsmitteln und -tüchern mit einer hohen elektrischen Durchschlagsfestigkeit möglich.

IT-DIRECTOR: Worauf muss man bei der RZ-Reinigung besonders achten? Welche Putzaktionen oder Putzmittel erweisen sich in diesem Umfeld als besonders kritisch?
C. Gharavi:
Kritisch ist jede Reinigungsaktion im Doppelboden und in den betriebenen Racks. Einfache feuchte Reinigungsmittel sind elektrisch leitend und haben somit nichts im Innern eines Rechenzentrums zu suchen.

IT-DIRECTOR: Inwiefern kann man sichergehen, dass das Reinigungspersonal den Sicherheitsstandards im Rechenzentrum Folge leistet?
C. Gharavi:
Die Sicherheitsstandards müssen bekannt und das Personal entsprechend geschult sein. (Nicht ohne Grund gibt es Firmen, die sich auf das Reinigen von Rechenzentren spezialisiert haben). Vertrauen ist gut – Kontrolle immer besser. Auch fest vereinbarte Verträge mit Reinigungsfirmen sichern nicht zu, dass auch im erforderlichen Maß gereinigt wird. Es obliegt dem Provider, die Arbeiten zu sichten und falls nötig diese wiederholen zu lassen. Und es ist ein wichtiger Bestandteil in der Führung einer Datacenter-Fläche, da der Reinigungsaufwand den Service sehr schnell beeinträchtigen kann. Daher wird er auch als eigener Bereich im Rahmen der Zertifizierungen betrachtet.

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