Mail-Korrespondenz: Täuschungsversuche entlarven

Wenn E-Mails lügen ...

Ehrlich währt am längsten? Oder ist der Ehrliche stets der Dumme? Wie im Privatleben muss auch in der Geschäftswelt mitunter die eine oder andere Notlüge herhalten. Dumm nur, wenn die Geschäftspartner dem Lügenkonstrukt anhand des E-Mail-Verkehrs auf die Schliche kommen können. Intelligente Algorithmen machen dies erstmals möglich.

Lügen in E-Mails

Mit neu entwickelten Algorithmen kommen Wissenschaftler Lügen in E-Mails auf die Spur.

Kaum zu glauben, doch Wissenschaftler der Cass Business School haben eigenen Angaben zufolge einen Algorithmus entwickelt, mit dem man Lügen in E-Mails und damit Täuschung in digitalen Texten erkennen kann. Der Algorithmus könne sprachliche Signale auf Betrug in Systemen computer-vermittelter Kommunikation (CMC), wie z.B. E-Mails herausfinden.

Dabei hat das Forscherteam ein automatisiertes Textanalysewerkzeug zur Bewertung von Wortverwendung (Mikroebene), Botschaftsentwicklung (Makroebene) und intertextuellen Austauschsignalen (Metaebene) auf ein Archiv von E-Mails angewandt, um damit die Schwere der Täuschungen zu erkennen, die innerhalb geschäftlicher Rahmenbedingungen begangen werden.

Die Ergebnisse der Wissenschaftler zeigen:

  • Betrügerische E-Mail-Verfasser vermeiden den Einsatz von Personalpronomen und überflüssigen Beschreibungen, wie unnötige Adjektive.
  • Betrügerische E-Mail-Verfasser überstrukturieren ihre Argumente.
  • Betrügerische E-Mail-Verfasser minimieren ihre Selbstironie, jedoch benutzen sie mehr Schmeicheleien und passen sich an den Sprachstil des Empfängers während des E-Mail-Austauschs an, weil sie damit entgegenkommender und sympathischer erscheinen wollen.

Die praktischen Anwendungen des Algorithmus für Unternehmen sind vielseitig. Organisationen, die sich auf die Kommunikation und den Austausch von Informationen und Anfragen über CMC-Systeme wie z.B. E-Mails verlassen müssen, können die auf Täuschung identifizierten Sprachsignale benutzen und Manager ausbilden, um deren intuitiven Fähigkeiten der Beurteilung eingehender E-Mails zu verbessern.

Hierzu berichtet Dr. Tom van Laer, Dozent für Marketing an der Cass Business School: „Diese Forschung eröffnet die Möglichkeit der Betrugsprävention sowie Täuschung-Erkennungstechnologien für viele personenbezogene Domains und das nicht nur bei E-Mail-Systemen. Unser Ansatz kommt von 'Big Data', nämlich die Kombination von Statistiken mit Mustern der maschinellen Sprachverarbeitung, die uns auf Täuschung hinweisen. Behörden und Unternehmen werden nun in der Lage sein, die Plausibilität von Betrug herauszufinden und lügende Personen zu identifizieren.“

Und Ko de Ruyter, Professor für Marketing, ergänzt: „Jeder lügt und die meisten Unternehmen erkennen, dass der Kunde nicht immer Recht hat. Kunden können nämlich oft unehrlich sein und das kostet Unternehmen viel Geld. Unsere Lügendetektor-Software kann Firmen helfen, zu beurteilen, ob ihre Kunden die Wahrheit zu ihren Gunsten hin biegen und zu entscheiden, ob sie mit ihnen das Geschäft fortsetzen wollen."

Obwohl die Forschung keine Einblicke anbietet, wie mit Betrügern umzugehen ist, so kann die Software dennoch den Unternehmen dabei helfen, ihre Ermittlungen hinsichtlich betrügerischer Kommunikation zu optimieren und ihre Prüfungsprozesse für die Nachrichten zu ändern, die automatisch als potentiell stark betrügerisch vorklassifiziert wurden.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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