5G – Chancen, Nutzen, Anwendungen

„Wer jetzt einsteigt, gehört zu den Pionieren“

Mit dem neuen Trendreport „5G – Chancen, Nutzen, Anwendungen“ untermauert der Tüv Rheinland im Bereich Campus-Lösungen seine Expertise und Ambitionen. Andreas Windolph, Fachbereichsleiter Network Consulting & Planning, stellt dessen wichtigsten Ergebnisse im Interview vor.

Andreas Windolph ist Fach­bereichsleiter beim Tüv Rheinland.

Andreas Windolph ist Fach­bereichsleiter beim Tüv Rheinland.

ITD: Herr Windolph, warum hat der Tüv Rheinland mit einem Report den Markt für 5G-Campus-Netze näher beleuchtet?
Andreas Windolph:
Der zunehmende Einsatz von mobilen Anwendungen im industriellen Sektor führt zu neuen Anforderungen an das Netz: Ein Zuwachs an Geräten, ein gleichzeitig höherer Datenverbrauch und minimale Verzögerungen bedingen Lösungen, die durch den Einsatz von 5G bedient werden können. Somit kann Wachstum, jenseits von klassischen Endnutzeranwendungen wie Voice und Daten, erzeugt werden. Hier liegen für die Industrie ein hohes Wachstumspotenzial und Beratungsbedarf.

ITD: Welches ist Ihrer Meinung nach eine der wichtigsten Erkenntnisse aus dem Papier?
Windolph:
Die von uns initiierte Marktbefragung unter Führungskräften zeigt: Das Thema „Campus-Netze“ ist z. T. noch unbekannt und das Potenzial für Großunternehmen sowie den Mittelstand ist unter den befragten Führungskräften vielfach noch nicht voll erkannt.

ITD: Was bedeutet das für den Start und die Entwicklung von 5G-Campus-Netzen?
Windolph:
Technologisch betrachtet sind alle nötigen Komponenten für ein 5G-Netz verfügbar. Gleichzeitig ist die Entwicklung des Standards aber noch nicht abgeschlossen. Für dieses Jahr wird mit der Verabschiedung des 3GPP Release 16 das Potenzial von 5G noch einmal deutlich zunehmen. Regulatorisch betrachtet stehen die Ampeln ebenfalls auf Grün: Deutschland hat sich dafür entschieden, ein Spektrum von 100 MHz ausschließlich für regionale 5G-Campus-Netze zu reservieren. Die Nutzungsgebühren sind mittlerweile bekannt und erfreulich gering. Wer das volle Potenzial der Technologie frühzeitig in seinem Unternehmen realisieren möchte, ist gut beraten, jetzt in die Analyse und Testphase einzusteigen.

ITD: Was hat die Befragung von Führungskräften in der Industrie zutage gebracht?
Windolph:
Positiv gewendet: Bereits zehn Prozent der deutschen Unternehmenslenker planen eigene 5G-Campus-Lösungen. 50 Prozent sehen hingegen keinen Bedarf für den Einsatz. Wer jetzt einsteigt, gehört somit zu den Pionieren in dem Bereich.

ITD: Welche Rolle spielt 5G durch die geringen Verzögerungszeiten bei der Datenübertragung fürs autonome Fahren?
Windolph:
Für das voll automatisierte oder autonome Fahren ist die Kommunikation mit allen Verkehrsteilnehmern und der Verkehrsinfrastruktur in Echtzeit von essenzieller Bedeutung. Fahrzeuge müssen sich in ihrer Umgebung kontinuierlich orientieren und auf Veränderungen reagieren. Dafür ist der verlässliche und stabile Datenaustausch in Echtzeit eine absolute Grundvoraussetzung.

ITD: Wo bringt die Technologie in absehbarer Zeit eine spürbare Verbesserung?
Windolph:
In den nächsten ein bis zwei Jahren sehen wir noch keine spürbare Verbesserung. Dafür befinden wir uns in einem noch recht frühen Stadium der Technologie-Implementierung. Aber: Viele Unternehmen und die öffentliche Hand erproben den Einsatz von 5G in einer Vielzahl von praktischen Anwendungsfällen – insbesondere in den Bereichen Landwirtschaft, Logistik, Produktion und Verkehr. Wir erwarten, dass diese Tests das Leistungsvermögen von 5G anschaulich darstellen werden und sich sogar Geschäftsmodelle verändern können.

ITD: Welchen Einfluss hat 5G auf die Produktion?
Windolph:
Man muss sich vorstellen, dass eine 5G-Konzeption das Design von Produktionsstätten künftig verändern wird. In der Produktionshalle von morgen ist es womöglich dunkel und sie wird vielleicht ohne Menschen auskommen. Da fahren dann vollständig automatisierte Transportroboter mit hoher Geschwindigkeit durch die Hallen und befördern Teile von einem Produktionsabschnitt zum nächsten. Die Logistik auf dem Firmengelände wird sich ebenfalls verändern, da Maschinen und Transportsysteme in Echtzeit Daten und Informationen austauschen können. Durch den Einsatz von Sensorik können außerdem Wartungen von Maschinen punktgenau durchgeführt werden. Somit wird die Unterbrechung von Produktionsabläufen erheblich reduziert. Produktionseinheiten können durch die Übermittlungen von Informationen in Echtzeit optimal genutzt werden.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 01-02/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITD: Ist der Aufbau einer 5G-Infrastruktur für Betriebe ohne Weiteres machbar?
Windolph:
Ja. Der Aufbau und Betrieb sind in der Komplexität durchaus vergleichbar mit dem Aufbau eines fortschrittlichen WLAN-Netzes im Unternehmen. Die Herausforderungen liegen in der Beantragung der Lizenz, der Netzplanung, der Auswahl von Hardware-Lieferanten und -Betreibern sowie eines durchgängigen Sicherheitskonzepts. Wir können hier in den Bereichen Konzeptionierung, Auswahl von Systemlieferanten, Projektsteuerung, Einbindung in interne Prozesse, Abnahme und Überführung in den Regelbetrieb unterstützen.

ITD: Welche Hürden sehen die Befragten bei Campus-Netzen?
Windolph:
Die Beantragung und Lizenzierung von Frequenzen sind hinsichtlich der Kosten erfreulicherweise kein großes Hemmnis. Man hat sich bewusst dafür entschieden, geringe Gebühren zu erheben. Vielmehr stellt die fachliche Expertise die eigentliche Herausforderung dar. Anspruchsvoll ist die Gesamtkonzeptionierung, also die Bestimmung, wie man das Firmennetzwerk möglichst als Ausgangsbasis für das 5G-Netz nutzt.

Bildquelle: Tüv Rheinland

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