IT-Beratung: Verschiedene Schritte einplanen

„Wichtig ist, agil zu bleiben“

Im Interview sinniert Jonquil Hackenberg, Head of C-Suite Advisory und Senior-Partner bei Infosys Consulting, über die Stolpersteine und Herausforderungen in IT-Beratungsphasen sowie den Schlüssel des Erfolgs in entsprechenden Projekten.

Jonquil Hackenberg, Senior-Partner bei Infosys Consulting

„Ein guter Berater unterstützt Unternehmen dabei, den richtigen Weg für das angestrebte Ziel zu finden“, betont Jonquil Hackenberg, Senior-Partner bei Infosys Consulting.

ITD: Frau Hackenberg, in welchen Bereichen bzw. bei welchen Themen haben Großunternehmen bzw. Konzerne derzeit den größten Beratungsbedarf?
Jonquil Hackenberg:
Ein Schwerpunkt liegt auf der zukünftigen Anpassbarkeit eines Unternehmens. Dabei geht es nicht nur um die Digitale Transformation der Organisation, sondern auch darum, die Mitarbeiter entsprechend zu schulen, um sie auf die zunehmend vernetzte Welt vorzubereiten. Wichtig ist dabei, sowohl bereits existierende Assets – wie etwa Technologien oder Talente – zu nutzen als auch neue Technologien und Automatisierung sowie einhergehende Kompetenzen in das bestehende Geschäftsmodell einzuführen. Nachhaltigkeit wird dabei immer mehr zu einem wichtigen Schlagwort. Darüber hinaus müssen Unternehmen Markttrends vorhersagen, erkennen und darauf reagieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben – oder gar der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein.

ITD: Worauf sollten die Anwender bei der Auswahl ihres IT- und Strategieberaters besonders achten?
Hackenberg:
Unternehmen sollten bei der Auswahl ihres Beratungspartners auf die richtigen unternehmerischen und technologischen Kompetenzen und Know-how sowie auf relevante Branchenexpertise achten – ebenso wichtig ist die Ergänzung des eigenen Teams durch den externen Partner. Teams mit gemischten Kompetenzen, die unternehmensübergreifend arbeiten und über Unternehmensgrenzen hinaus gehen, erhöhen die Erfolgschancen.

ITD: Wie gestaltet sich der Beginn einer erfolgreichen IT- und Strategieberatung? Was sind die ersten Schritte, wenn sich Anwender und Berater „gefunden“ haben?
Hackenberg:
Zu Beginn sollten Unternehmen ihre Ziele oder Herausforderungen definieren. Im nächsten Schritt muss eine passende Strategie entwickelt und festgelegt werden – im Fokus stehen dabei Personas, sei es ein Kunde, ein Mitarbeiter, ein Partner oder ein Zulieferer. Tools, wie interaktives Service-Blueprinting, ermöglichen die Entwicklung einer realistischen Roadmap, die sowohl auf das Unternehmen als auch auf die technologische Infrastruktur sowie den Mehrwert abgestimmt ist. Wichtig ist dabei, verschiedene Schritte einzuplanen und agil zu bleiben, anstatt alles auf einmal ändern zu wollen.

ITD: Wie viele und vor allem welche Personen sollten sinnvollerweise in die Beratung involviert sein?
Hackenberg:
Dies hängt von der Größe des Unternehmens ab sowie von den Zielen und Herausforderungen. Entscheidend ist der strategische Diskurs zwischen der Beratungsorganisation und den eigenen Stakeholdern. Ein guter Berater unterstützt Unternehmen dabei, den richtigen Weg für das angestrebte Ziel zu finden, und klärt, welche Personen in den Prozess einbezogen werden müssen. Um die gewünschten Änderungen vornehmen zu können, ist es wichtig, dass die C-Suite in einen so umfassenden Veränderungsprozess genauso eingebunden wird wie die Personal- und Finanzabteilungen – wobei die IT-Abteilung in jede Geschäftsentscheidung involviert sein sollte.

ITD: Welche innovativen Techniken und Tools kommen bei Beratungen oftmals zum Einsatz?
Hackenberg:
Seit Jahrzehnten konzentrieren sich Unternehmen bei einem großen Technologieprojekt auf die Technologieimplementierung selbst – und darauf, wie man Anwender in den neuen Tools und Technologien schult. Bisher ging es dabei oftmals um die Implementierung großer ERP-Programme im Rahmen komplexer Geschäftsentwicklungen. In einer zunehmend digitalen und agilen Welt mit unzähligen Technologien können sich Organisationen leicht in der Technologiewelt und den Fokus auf die Potenziale verlieren – und damit verpassen sie es vielleicht sogar, die geschäftliche (nicht technische) Herausforderung zu lösen, die sie eigentlich adressieren wollten.

Um den Fokus wieder auf das Geschäft zu lenken, stellt eine gute Beratungsorganisation den Menschen in den Mittelpunkt, überdenkt Geschäftsprozesse mithilfe von Design Thinking und schafft Personas (eine repräsentative, umfassende Rolle im Unternehmen im Gegensatz zu einer technischen Genehmigung innerhalb des ERP-Systems in der Vergangenheit). Durch diese Zuordnung können sowohl die wichtigsten Stakeholder des Unternehmens als auch die IT-Abteilung die Geschäftsanforderungen und Visionen verstehen und in die technische Realität übersetzen – und dies in einem visuellen Format.

Darüber hinaus ist es in einer sich digital verändernden Welt wichtig, eine Art Mitarbeitererfahrung zu schaffen sowie über einen entsprechenden Ansatz für das organisatorische Change Management zu verfügen, z.B. durch Micro-Change-Management – also, geführtes Lernen anstatt überholte technische Ausbildung.

ITD: Was sind häufige Herausforderungen bzw. Stolpersteine in den Beratungsphasen?
Hackenberg:
Eine der größten Herausforderungen kann die Ablehnung von Veränderungen sein. Der beste Weg, dies zu adressieren, ist durch die Ausrichtung und das Sponsoring auf Führungsebene sowie ein intensives und konsequentes Stakeholder-Management, um den Buy-in zu gewährleisten. Dafür ist es entscheidend, dass der Wert jeder Transformation greifbar artikuliert werden kann, damit sowohl Geschäfts- als auch Technologieteams verstehen, was geändert werden muss, wie es sich ändern wird und was die Vorteile sind. Ein gutes Werkzeug dafür ist die Anwendung von Interactive-Service-Blueprinting. Dies stellt sowohl die Transformation des Unternehmens als auch die involvierte Persona dar und zeigt, wie sich, die Technologie in beiden Kontexten im Laufe der Zeit entwickeln wird.

ITD: Wie werden die IT- und Strategieberatungskosten in der Regel abgerechnet? Per Stundensatz, Beratungspaket...?
Hackenberg:
Je nach Leistungsumfang gibt es in der Regel drei Möglichkeiten, Beratungsleistungen in Anspruch zu nehmen: Zeit und Material – im Wesentlichen Stundensatz, Festpreis (mit festem Ergebnis) und zunehmend ergebnisorientierte Preismodelle, die sich auf die Lieferung zum vereinbarten Mehrwert (sowohl auf Zeit als auch auftragsbezogen) konzentrieren.

ITD: Was heißt für Sie letztlich „Beratung auf Augenhöhe“?
Hackenberg:
Für uns bedeutet das eine nachvollziehbare Beratung – konkret die Übersetzung von „Best Practices“ und „bewährten Ansätzen und Modellen“ in Unternehmen. Organisationen sollten nach einem Beratungsunternehmen suchen, das in der Lage ist, Branchenrelevanz und Prozess- und Technologieexpertise – einschließlich dessen, was funktioniert und was nicht – zu liefern. Desweiteren sollten die Berater Unternehmen dabei unterstützen, ihre Unternehmenskultur zu verändern und den Wandel spürbar zu messen – d.h., alle Stakeholder sollten gleichermaßen abgeholt und involviert werden. Transparenz und Partnerschaft zwischen einem Unternehmen und dem Beratungsunternehmen sind der Schlüssel zum Erfolg.

Bildquelle: Infosys

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