Internet of Things in der Praxis

Wie IoT die Medizin verändert

In der Medizin kann das Internet of Things (IoT) die Intensivversorgung verbessern oder für wirksamere Arzneimittel sorgen, berichtet Martin Czermin von Cloudera.

Martin Czermin, Cloudera

Martin Czermin, Senior Regional Sales Director CEMEA bei Cloudera

IT-DIRECTOR: Herr Czermin, worin liegen Ihrer Ansicht nach die Chancen und Risiken des Internets der Dinge (Internet of Things, IoT)?
M. Czermin:
Das Internet der Dinge wird zahllose Aspekte unseres Lebens beeinflussen, das wirkliche Ausmaß können wir uns aber noch gar nicht ausmalen. Ein spannendes Beispiel sind vernetzte Fahrzeuge, aber auch in der Medizin passiert extrem viel. Das IoT kann die Intensivversorgung verbessern, für wirksamere Arzneimittel sorgen und das Verständnis um den Fortschritt einer Krankheit vergrößern. Mit Volldampf voraus, das ist momentan aus meiner Sicht das Wichtigste. Als Hauptrisiko sehe ich die Sicherheit. Das IoT schafft unzählige neue Angriffsflächen und sollte jemand beispielsweise die Software von autonomen Fahrzeugen manipulieren, gibt es ein echtes Problem.

IT-DIRECTOR: Wie lange wird es dauern, bis sich das Internet der Dinge hierzulande flächendeckend durchgesetzt hat? Was sind die Hemmnisse und was die Treiber für diese Entwicklung?
M. Czermin:
Hat es sich nicht längst durchgesetzt? Wir haben den “Point of no return” bereits überschritten, es gibt kein Zurück mehr. Im industriellen Umfeld sind Sensoren bereits weit verbreitet, Sensoren steuern Funktionen im Auto, helfen bei Verkehrsprognosen und in der Logistik. Als Hemmnis sehe ich noch Bedenkenträger in Unternehmen, fehlende Standards und Regulierung. Treiber sind ganz klar die enormen wirtschaftlichen Vorteile.

IT-DIRECTOR: Welche ethischen und moralischen Herausforderungen kommen im Zuge der Verbreitung des Internets der Dinge auf Gesellschaft und Politik zu?
M. Czermin:
Wir können die gesellschaftlichen Fragen bisher nur theoretisch diskutieren, denn niemand weiß genau, welche Auswirkungen die Technologie haben wird. Für die Politik ist es schwierig bis unmöglich, jetzt endgültige Regeln zu definieren. Es fängt bei plakativen Fragestellungen an wie der, wie sich ein autonomes Auto bei einem Unfall entscheidet. Darüber hinaus muss der Umgang mit Daten und ihrer Nutzung transparenter werden. Ein ganz wichtiges Thema wird Arbeit sein – wie geht die Gesellschaft damit um, wenn zukünftig beispielsweise in der Produktion immer mehr Mitarbeiter durch vernetzte Roboter ersetzt werden?

IT-DIRECTOR: Wem gehören eigentlich die Daten im Internet der Dinge – Nutzern, Geräteherstellern oder Dienste-Anbietern? Warum ist das so?
M. Czermin:
Grundsätzlich sollten Daten dem gehören, der sie erzeugt. Wenn jeder seine Daten für sich behalten würde, dann würde aber unsere vernetzte App-Economy nicht funktionieren. Aktuell regeln Software-Nutzungsverträge, wer Daten zu welchem Zweck nutzen darf. Das Problem ist hier, dass die Regelungen komplex sind und der Nutzer nur die Wahl hat, „ja“ zu sagen oder den entsprechenden Service eben nicht zu nutzen. Hier würde ich mir mehr Transparenz und Aufklärung sowie verständlichere Vertragswerke wünschen.

IT-DIRECTOR: Im Zuge der Verbreitung des Internets der Dinge und der damit verbundenen „totalen Vernetzung“ entstehen für Dritte (u.a. Hersteller, Dienste-Anbieter, Cyber-Kriminelle, staatliche Institutionen) unzählige Möglichkeiten, an Nutzerdaten zu gelangen. Inwiefern kann dabei der Schutz von Privatsphäre und die Einhaltung des Datenschutzes aufrechterhalten werden?
M. Czermin:
Wir brauchen eine vernünftige Politik, sinnvolle Gesetze und Strafen, damit die Privatsphäre auf angemessene Weise durchgesetzt werden kann. Aber der Datengeist ist sozusagen aus der Flasche; ich glaube nicht, dass es möglich sein wird, ihn wieder zurück zu stopfen. Vor allem wäre es aus meiner Sicht aber ein Fehler, die Erzeugung und Sammlung von Daten zu beschneiden, denn ich glaube, dass Daten unserer Gesellschaft viel Gutes bringen können.

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