Im Konzert der Großen

Wie IT-Mittelständler zum Begleiter von Konzernen werden

„Gleich und Gleich gesellt sich gerne.“ Dies hat auch in der IT-Berater-Welt oftmals ­Bestand: Große IT-Dienstleister und Software-Häuser sind in der Regel die Partner der Wahl für Großunternehmen. In Zeiten der digitalen Transformation schaffen es aber auch vermehrt IT-Mittelständler, zum Begleiter der Großen zu avancieren. Im Interview erklärt André Vogt von der Cenit AG, wie dies möglich wird.

  • Im Konzert der Großen: Auch Mittelständler können Projekte für Großunternehmen stemmen. (Bildquelle: Thinkstock/iStock)

  • André Vogt, Cenit

    André Vogt ist Direktor Enterprise Information Management bei der Cenit AG. (Bildquelle: Cenit)

IT-DIRECTOR: Herr Vogt, wie schafft es ein mittelständisches Beratungs- und Software-Haus, sich bei internationalen Großunternehmen zu positionieren?
A. Vogt:
Unser Ansatz, dem wir seit knapp 30 Jahren treu sind, ist die Kombination aus drei Komponenten: zum einen tiefer Branchenexpertise gepaart mit dem Verständnis für die entscheidenden Prozesse in Unternehmen, zum anderen Agilität und Flexibilität eines Mittelständers, jedoch verbunden mit ausreichendem Fachpersonal, auch international. Und drittens der Passion für die jeweils beste Lösung, und zwar aus Kundensicht.

IT-DIRECTOR: Klingt logisch. Branchenexpertise in Verbindung mit dem Verständnis der geschäftsrelevanten Prozesse und Anforderungen von Kunden – das können aber auch die großen IT-Dienstleister. Was macht also für Sie den Unterschied?
A. Vogt:
Wir sind in der Lage, ein Kundenprojekt nicht nur von der Strategie bis ins operative Detail zu erfüllen, sondern – falls gewünscht – auch bis zum Betrieb der IT-Systeme. Gleichzeitig setzen wir mit der Beratung früher an, als dies bei einem typischen Implementierungsprojekt der Fall ist. Uns geht es um Prozesseffizienz und Methodenberatung im Kontext der Digitalisierung. Dabei zielen unsere Vorgehensweisen auf die Etablierung und Umsetzung einer echten digitalen Strategie ab. Im Kern steht die Durchgängigkeit der Abläufe – und das zunächst unabhängig von den jeweiligen IT-Systemen und davon, ob es um einen Kunden aus dem Bereich Finance oder Industrie geht.

Wohlgemerkt sind wir jedoch kein Generalist, sondern haben uns bewusst für eine klare Fokussierung auf Branchen, Themen und Kundensegmente entschieden. Dies wiederum erlaubt es uns, unsere Software-Lösungen stets kundenindividuell zuschneiden zu können. Das unterscheidet uns übrigens auch von den großen Anbietern von Standard-Software, mit denen wir jedoch als langjährige Partner zusammenarbeiten.

IT-DIRECTOR: Sie erwähnten Ihre Branchenausrichtung. Wie bringen Sie etwa Kunden aus dem Finanzbereich und der Industrie unter einen Hut?
A. Vogt:
Von unserer Gründung an haben wir uns auf IT-Lösungen rund um das Product Lifecycle Management (PLM) fokussiert. Von daher zählen Großunternehmen aus der Automobilbranche sowie der Luft- und Raumfahrt zu unseren langjährigen Kunden. Vor rund 20 Jahren kam das Themenfeld Enterprise Information Management (EIM) als zweiter Expertisepfeiler hinzu. Im Zuge dessen konnten wir Kunden aus dem Bereich Finanzdienstleistungen für uns gewinnen.

Mit der Zeit haben wir gelernt, durch die Verknüpfung unseres Wissens aus beiden Feldern Synergien zu generieren. Somit bieten wir auch EIM-Lösungen im Industrieumfeld an. Dabei geht es uns aber um mehr als Diversifikation. Im Zeitalter von Industrie 4.0 und der digitalen Transformation ist es anders gar nicht mehr denkbar: Auch wir müssen handeln und bisherige Arbeitsweisen überdenken, um unseren Kunden tatsächliche überlegene Lösungen bieten zu können. Im EIM-Umfeld fokussieren wir uns auf folgende Themen: 360-Grad-Kundenkommunikation im Bereich Finance und Industrie, Predictive Maintenance im produzierenden Umfeld sowie klassische Prozessoptimierung und -automatisierung auf Basis von EIM-Technologien.

IT-DIRECTOR: Worauf kommt es im PLM-Umfeld an?
A. Vogt:
Unsere Lösungen im PLM-Bereich zielen auf die Etablierung eines sogenannten „Smart PLM“ und damit auf die Durchgängigkeit von Prozessen ab. Klassischerweise geht es dabei um die Produktentwicklungsprozess (PEP) oder das Änderungs-Management entlang der gesamten digitalen Wertschöpfungskette. Für einen Stuttgarter Tier-1-Supplier aus dem Bereich Automotive haben wir beispielsweise ein weltweites agiles technisches Änderungs-Management eingeführt, welches es dem Unternehmen ermöglicht, globale Änderungen im Extremfall in wenigen Stunden abzuwickeln.

IT-DIRECTOR: Das klingt gut. Wie kann ein IT-Mittelständler wie Sie jedoch solche Projekte für Großkunden stemmen?
A. Vogt:
Das wäre der zweite Aspekt, den ich zu Beginn erwähnt habe: Wir kommen aus dem Mittelstand, haben aber mit unseren rund 700 weltweiten Mitarbeitern genug Fachpersonal, um bei Bedarf auch größere und längerfristige Projekte umzusetzen. Zudem ergänzen wir unsere Leistungen in Wertschöpfungsketten und -netzen mit Partnern, sodass wir kundenindividuelle Lösungsvorschläge größerer Integrationstiefe anbieten können. Zu unseren langjährigen Partnern zählen die großen Software-Anbieter IBM, SAP und Dassault Systèmes, bei dem wir übrigens der weltweit größte Value Added Reseller sind.

Gleichzeitig sehen wir die Agilität und Flexibilität einer mittelständischen Organisation als Vorteil: Bei uns müssen Vorhaben und Ideen nicht erst durch große Mühlen durchlaufen, um bei Kunden zum Einsatz zu kommen. Ein weiterer langjähriger Kunde, ein europäischer Flugzeughersteller, schätzt beispielsweise neben der Lösungsqualität genau diese Schnelligkeit und Anpassungsfähigkeit, die wir ihm von der Angebotsphase bis hin zur Service Delivery bieten.

IT-DIRECTOR: Wie stark sollten sich IT-Mittelständler mit neuen Technologien und Lösungen beschäftigen? Wie lässt sich das mit dem alltäglichen Kundengeschäft vereinbaren?
A. Vogt:
Ohne einen Blick nach vorn gäbe es für uns keine Zukunft – gerade als Mittelständler, der im Wettbewerb mit ähnlichen Wegbegleitern und großen IT-Häusern steht. Wir haben erkannt, dass die konventionelle IT-Beratung im Zeitalter der digitalen Transformation und für Industrie-4.0-Szenarien nicht mehr ausreicht: Seit Jahren investieren wir bewusst in die Entwicklung ­eigener Lösungen. Unser Ziel ist es, dass die neuen Technologien einen Beitrag für den Geschäftserfolg unserer Kunden leisten. In unseren Partnerschaften z.B. mit großen internationalen Versicherungskonzernen und Banken konnten wir auf Basis ihrer Geschäftsanforderungen neue, innovative Künstliche-Intelligenz-Lösungen, Chatbots und Personal-Interactive-Video-Lösungen vorstellen und umsetzen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 05/2017. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Neben diesen Beratungsleistungen wird die Veredelung von Platform-as-a-Service-Modellen zu On-Premise-Lösungen immer wichtiger für die Kunden und deren Dienstleister.

Bildquellen: Orchester > Thinkstock/iStock, André Vogt > Cenit

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