DBU-Umweltmonitor

Wie passen Digitalisierung und Umweltschutz zusammen?

Die Chancen und Risiken der fortschreitenden Digitalisierung für den Schutz der Umwelt sind bei den meisten Deutschen noch überhaupt kein Thema, so eine aktuelle Studie.

Landschaftt mit See und Wäldern

Welche Chancen und Risiken besitzt die fortschreitende Digitalisierung für den Umweltschutz?

Geht es jedoch um die Auswirkungen für die Umwelt beim Entwickeln neuer Produkte, werden vor allem ihre Hersteller und Anbieter in die Pflicht genommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Befragung der Forsa Politik- und Sozialforschung (Berlin) unter rund 1.000 Bundesbürgern ab 14 Jahren. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) hatte den „Umweltmonitor Digitalisierung“ in Auftrag gegeben, um mit Blick auf die Weiterentwicklung ihrer Förderarbeit mehr über die Sichtweisen und Bewertungen der Bundesbürger zu den Folgen der Digitalisierung für die Umwelt zu erfahren.

Neben grundsätzlichen Fragen zur Einschätzung des Themas Digitalisierung durch die Bundesbürger wollte die DBU speziell mit Blick auf den Umweltschutz wissen, wie nach Geschlecht, Alter, Haushaltsnettoeinkommen und Technikaffinität die Folgen der Digitalisierung für die Umwelt bewertet werden. Speziell sollte auch ermittelt werden, wem die Bundesbürger die Verantwortung für eine nachhaltige Digitalisierung zuschreiben und ob es parteipolitische Unterschiede bei der Bewertung dieses Themas gibt.

Digitalisierung und Umweltschutz nicht trennen

Gemäß der Befragung bringt eine Mehrheit der Bundesbürger „Umweltbelastung“ (61 Prozent) sowie „Umweltschutz“ (65) nicht mit Digitalisierung in Verbindung. Die gedankliche Verbindung von Digitalisierung mit „Umweltbelastung“ nimmt mit steigendem Alter zu. 42 Prozent haben sich bislang noch nicht mit den Folgen des digitalen Wandels für die Umwelt befasst. Wenn aber, dann Männer häufiger als Frauen, Technikinteressierte häufiger als wenig Technikinteressierte. DBU-Generalsekretär Alexander Bonde: „Wir müssen Umweltschutz und Digitalisierung gemeinsam denken, nicht isoliert. Die Digitalisierung braucht einen ökologischen Rahmen: Dass allein das Erzeugen der digitalen Nischenwährung Bitcoins in diesem Jahr mehr Energie als ganz Dänemark verbrauchte, ist inakzeptabel. Gleichzeitig ist das ökologische Potential der Digitalisierung für Energie- und Ressourceneinsparungen, neue Mobilitätskonzepte und moderne Produktions- und Arbeitsprozesse gigantisch.“

Doch um dieses Potential zu heben, sehen sich die Bundesbürger selbst eher weniger in der Pflicht. Laut dem Umweltmonitor glauben nur 42 Prozent, dass sie durch eigenes umweltfreundliches Verhalten größere Auswirkungen für die Ökologie erzielen können. Dagegen finden es 92 Prozent wichtig, dass Politik, Unternehmen und Gesellschaft sich künftig stärker mit den möglichen Folgen der Digitalisierung für die Umwelt beschäftigen.

78 Prozent antworten auf die grundsätzliche Frage, wer in erster Linie in der Verantwortung dafür ist, dass bei neuen Produkten und Entwicklungen die Folgen für die Umwelt ausreichend beachtet werden, es seien die Hersteller bzw. Anbieter. Bonde: „Die Zahlen zeigen, dass Wirtschaft und Politik die zentralen Schlüssel für eine nachhaltige Entwicklung der Digitalisierung in der Hand haben. Für das Umsetzen umweltfreundlicher Produkte und Dienstleistungen braucht es einen klareren staatlichen Ordnungsrahmen. Bei digitalen Produkten fällt nur der kleinere Teil des Energieverbrauches am heimischen Computer an. Wie viel, wo und welche Energie digitale Angebote wie zum Beispiel Online-Suchanfragen oder Video-Streaming verbrauchen, das kann man heute nur in den allerwenigsten Fällen überhaupt erfahren oder gar selbst beeinflussen.“

Desweiteren stehen die Chancen gut, dass sich die Politik parteiübergreifend stärker mit den Folgen der Digitalisierung für die Umwelt beschäftigt, so die Studie weiter. Dazu betont Bonde: „Bisher wird in der Diskussion über die Digitalisierung die ökologische Frage oft ausgeblendet. Das können und dürfen wir uns nicht länger leisten. Auch hier ist die Politik gefordert. Es ist ermutigend, dass die Menschen über alle Parteigrenzen hinweg die Umweltauswirkungen der Digitalisierung für wichtig halten. Dem müssen jetzt aber über die Parteigrenzen hinweg auch Taten folgen.“

Die Stiftung will ihren Weg hin zu einer umweltentlastenden Digitalisierung gerade in ihrer Kernzielgruppe, dem Mittelstand, konsequent fortsetzen, so Bonde weiter. So förderte sie etwa als Alternative für die Unkrautbekämpfung mit Herbiziden eine laserbasierte Unkrautbeseitigung. Dabei erkennen Kameras die Nutzpflanzen und unterscheiden sie von Unkräutern. Die Laserstrahlung werde dabei schnell und präzise auf einzelne, ausgesuchte Pflanzen gerichtet. Kulturpflanzen oder Tiere würden nicht geschädigt, denn das sensible Wachstumszentrum wird „verschmort“, der eingesetzte Strom optimal genutzt und die Unkräuter werden selektiv bekämpft.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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