Rechenzentren der Zukunft

Wie sehen Data Center im Jahr 2025 aus?

In einer sich stark wandelnden Branche wie dem Rechenzentrumsmarkt kann bis zum Jahr 2025 noch viel passieren. Doch welche konkreten Entwicklungen prognostizieren Branchenkenner dem Data Center der Zukunft? In der Studie „Rechenzentrum 2025: Sondierung der Möglichkeiten“ ist man dieser Frage nachgegangen.

Data Center

Welche konkreten Entwicklungen prognostizieren Branchenkenner dem Rechenzentrum der Zukunft?

Die Branche blickt dem Jahr 2025 überwiegend optimistisch entgegen. Laut der Studie von Emerson Network Power geht man davon aus, dass IT-Innovationen das Rechenzentrum prägen und verändern werden, etwa was die Nutzung alternativer Energiequellen und Cloud-Dienste angeht. Eine Herausforderung wird nach Einschätzung der Befragten das Management hochkomplexer RZ-Umgebungen bleiben, wobei Verfügbarkeit, Effizienz und Kostensenkungen oberste Priorität haben. So sind sich 64 Prozent sicher, dass das Rechenzentrum 2025 deutlich weniger Energie bei gleicher Leistung verbrauchen wird. Aus der Umfrage lassen sich außerdem die folgenden Trends ableiten:

Energien im Mix: Hinsichtlich der Stromversorgung gehen die Experten davon aus, dass das RZ der Zukunft über einen Energiemix versorgt wird. Dieser besteht aus etwa gleich großen Anteilen an Erdgas-, Kern- und Windenergie, den größten Teil wird aber die Sonne liefern. Die Befragten erwarten bei der Solarenergie sogar eine Steigerung um rund 20 Prozent bis 2025.

Cloud: Vorsichtige Prognose: Das Bedürfnis nach mehr Flexibilität hinsichtlich Kapazitätenverteilung und Auslastung im Rechenzentrum wird steigen. Deshalb gehen die Branchenkenner davon aus, dass im Jahr 2025 zwei Drittel der Rechenvorgänge über Cloud-Dienste abgewickelt werden. Das Ergebnis deckt sich mit dem globalen Cloud-Index von Cisco. Demnach entfielen 2013 rund 54 Prozent der Arbeitslast von Rechenzentren auf Cloud-Dienste und es wird erwartet, dass dieser Anteil bis 2018 auf 76 Prozent ansteigt.

Heute Kühlung, morgen Temperaturmanagement: Die Kühlmethoden werden 2025 noch ausgereifter, anpassungsfähiger und Teil eines umfassenden Temperatur-Managements sein. IT-Equipment wird zunehmend höhere Temperaturen vertragen und weniger Wärme produzieren. Dabei wird laut der Rechenzentrumsexperten die Luftkühlung weiterhin dominieren, wohingegen die Kühlung mit Kältemitteln abnehmen soll. Indirekte freie Kühlung, insbesondere in Verbindung mit adiabater Verdunstungskühlung, wird zunehmend genutzt. Innovative Ansätze wie Immersionskühlung werden ebenfalls an Bedeutung gewinnen. Dabei versteht man unter Adiabatik die Kühlung durch Verdunstung von Wasser ohne Kältemaschine. Bei Immersionskühlung geht es um die Kühlung der Komponenten durch Eintauchen in eine hitzeabsorbierende Flüssigkeit, die die Wärme aufnimmt und abtransportiert.

Automatisierung liegt im Trend: Viele Geräte der RZ-Infrastruktur werden schon heute ohne menschliche Unterstützung betrieben. Die Ergebnisse der Studie unterstreichen diese Entwicklung: 43 Prozent erwarten, dass Rechenzentren in naher Zukunft selbstständig Fehler beheben und Optimierungen durchführen können. Weitere 29 Prozent gehen von einer alle Systeme und Schichten umspannenden Transparenz aus. Insgesamt sind damit 72 Prozent der Experten der Ansicht, dass bis 2025 in einem erheblichen Umfang Data-Center-Infrastructure-Management-Lösungen (DCIM) eingesetzt werden.

Bestens ausgelastet: Effizienz in Rechenzentren ist essentiell – dieser Grundsatz wird auch 2025 noch gelten und sogar noch wichtiger sein. 72 Prozent der befragten Experten meinen, dass die Auslastung von IT-Ressourcen eines Rechenzentrums im Jahr 2025 mindestens bei 60 Prozent liegen wird. Schätzungen zufolge beträgt die durchschnittliche Auslastungsquote derzeit gerade einmal sechs bis zwölf Prozent.

Steigerung der Leistungsdichte realistisch? Die durchschnittliche Leistungsdichte im Rechenzentrum stagniert seit einigen Jahren im Bereich von etwa 6 kW je Rack. Die Experten prognostizieren jedoch eine Steigerung bis 2025 auf durchschnittlich 52 kW pro Rack. Ob dies tatsächlich realistisch ist, ist fraglich, denn es würde eine jährliche Erhöhung um mehr als 20 Prozent voraussetzen. Zum Vergleich: 2001 lag die Dichte pro Rack bei 1 kW, bis 2014 erreichte man hier eine Steigerung auf 6 kW.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 06/2016. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Die weitaus effizientere RZ-Infrastruktur sowie erhöhte Auslastung bei gleichbleibendem Stromverbrauch zählen gewiss zu den prägnantesten Aussagen der Studie. Wirklich sicher ist jedoch vor allem eines: Es wird auch im Jahr 2025 nicht das „eine“ typische Rechenzentrum geben. Je nach Verwendungszweck werden klassische Rechenzentren neben Colocation-Standorten, Superrechenzentren und Supercomputing-Standorten existieren. Modulare Rechenzentren werden ebenfalls an Bedeutung gewinnen. Und wo Bandbreite und Geschwindigkeit der Netzwerke nicht ausreichen, wird die IT auch immer mehr in dezentrale Standorte bzw. Minirechenzentren und Endgeräte abwandern – dazu tragen vor allem Trends wie Industrie 4.0 und das Internet der Dinge bei.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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