Status quo der Verbreitung von Cloud-Diensten

Wie steil geht die Cloud?

Glaubt man Analysten, nimmt die Cloud-Nutzung sowohl in Deutschland als auch weltweit zu. Dabei rangieren ­private Cloud-Services und die damit verbundene Absicherung ­interner Daten auf der Beliebtheitsskala weit oben.

Wie steil geht die Cloud?

Zum Status quo der Verbreitung von Cloud-Diensten in Deutschland brachte Intel Security Mitte Februar 2017 eine neue Studie heraus. Demnach investieren deutsche Unternehmen kräftig in die Cloud-Nutzung, sodass bereits 94 Prozent der Befragten Cloud-Dienste nutzen. Auf den ersten Blick eine enorm hohe Prozentzahl, wobei der Report sowohl private Cloud-Dienste als auch Public-Cloud-Services berücksichtigt. Zu letzteren sind bereits Organisations-Tools wie Dropbox oder Trello zu zählen.

Aufgrund der Umfrageergebnisse kommt Raj Samani, Chief Technology Officer bei Intel Security EMEA, zu dem Schluss, dass „die ‚Cloud First‘-Strategie vollends in die Architektur vieler Unternehmen integriert ist.“ In diesem Zusammenhang stehe der schnelle Übergang zum Cloud Computing inzwischen auf der Agenda vieler Organisationen. „Durchschnittlich werden noch 15 Monate vergehen, bis 80 Prozent des IT-Budgets cloud-basierte Ausgaben ausmachen“, führt Samani ein weiteres Ergebnis an.

Sicherheitsbedenken bleiben


Trotz des Zuspruches gibt es hierzulande die eine oder andere Hürde für eine flächendeckende Cloud-Nutzung. So sind laut Studie noch nicht alle Sicherheitsbedenken ausgemerzt: Fast die Hälfte der deutschen Befragten meint, bereits Sicherheitsvorfälle zweifelsfrei auf Inhalte aus cloud-basierten Anwendungen zurückgeführt zu haben. Am meisten vertrauen deutsche Unternehmen der Private Cloud – 88 Prozent würden ihr ihre sensiblen Daten anvertrauen. In diesem Zusammenhang gilt es insbesondere, die Mitarbeiter für die Sicherheit zu sensibilisieren und in Sicherheitsfragen zu schulen. Mehr als die Hälfte der befragten Deutschen gab nämlich an, dass mangelnde Sicherheitskenntnisse die Cloud-Einführung in ihrem Unternehmen in der Vergangenheit eingeschränkt hätte.

Glaubt man den Umfrageergebnissen, existieren neben den just beschriebenen Sicherheitsbedenken nach wie vor Risiken durch Schatten-IT: Nicht von der IT-Abteilung eingeführte Dienste aus der öffentlichen Cloud machen laut den Befragten knapp 40 Prozent in deren Firmen aus. Die Verantwortlichen schätzen, dass sie davon nur knapp in die Hälfte davon ausreichend Einsicht haben, aufgrund dessen auch die Hälfte der Befragten Beeinträchtigungen in der Absicherung ihrer Cloud-Dienste erwarten. Nicht zuletzt kam die Studie zu dem Ergebnis, dass immer mehr deutsche Unternehmen zu hybriden Bereitstellungen wechseln: War die Private Cloud mit 54 Prozent im vergangenen Jahr noch das am häufigsten genutzte Modell in hiesigen Firmen, sei sie dieses Jahr hingegen nur noch bei 14 Prozent im alleinigen Gebrauch. Demzufolge hat das hybride Cloud-Modell an Beliebtheit zugelegt und liegt nun mit 65 Prozent deutlich vorne.

Ähnlich der positiven Entwicklungen in Deutschland, erhalten Cloud-Services auch auf internationaler Ebene deutlichen Schub. So soll der globale Markt für Public-Cloud-Services laut dem Analystenhaus Gartner im Jahr 2017 um 18 Prozent wachsen und einen Gesamtumsatz von 246,8 Mrd. US-Dollar verbuchen. Das höchste Wachstum würden dabei cloud-basierte Infrastruktur-Services (Infrastructure as a Service, IaaS) erreichen, die um 36,8 Prozent auf 34,6 Mrd. US-Dollar ansteigen werden. Für Software as a Service (SaaS) prognostiziert Gartner ein Wachstum um 20,1 Prozent auf dann 46,3 Mrd. US-Dollar. „Der weltweite Cloud-Markt tritt in eine Stabilisierungsphase ein: Die Wachstumsrate wird 2017 mit 18 Prozent eine Spitze erreichen und sich dann verlangsamen“, prognostiziert Sid Nag, Research Director bei Gartner. „Während einige Organisationen derzeit noch definieren, wie die Cloud tatsächlich in ihre gesamte IT-Strategie passt, sind für Unternehmen, die ihre IT auslagern, Kostenoptimierungen und Fortschritte beim Transformationspfad vielversprechend. Wir gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2020 Cloud-Strategien mehr als die Hälfte der IT-Outsourcing-Deals beeinflussen werden.“

Beschäftigt man sich derzeit mit Services aus der Wolke, fällt zunehmend der Begriff der Multi-Cloud. Darunter versteht man die parallele Nutzung von zwei oder mehr Cloud-Diensten, egal ob auf Private- oder Public-Ebene. Damit wollen die Verantwortlichen u.a. das Risiko eines Datenverlustes oder eines Service-Ausfalls auf Hardware-, Software- oder Infrastruktur­ebene verringern. Zudem können Multi-Cloud-Strategien auch die Anbieterabhängigkeit reduzieren oder den Anforderungen von Partnern und Kunden entsprechen. Laut Kaushik Balasubramanian von Rackspace zählen Multi-Cloud-Szenarien längst zur Unternehmensrealität: „Über die Kombination öffentlicher und privater Clouds hinaus ermöglichen Cloud-Provider wie wir, VMware oder Microsoft mittlerweile die Nutzung mehrerer Cloud-Anbieter. Diesen Trend zur Multi-Cloud sehe ich auch 2017 weiter wachsen.“ Balasubramanian glaubt, dass die meisten Unternehmen sich verschiedener Clouds über mehrere Regionen hinweg und für unterschiedliche Anwendungsfälle bzw. Workloads bedienen werden.

Neben US-Cloud-Anbietern wie Microsoft oder VMware setzt auch die SAP AG zunehmend auf die Cloud. Erst Ende Februar stellten die Walldorfer neue Funktionen und Erweiterungen für die hauseigene „Cloud Platform“ bereit. Diese, bisher unter dem Namen „Hana Cloud Platform“ bekannte Lösung soll mit neuen Business-Services wichtige Geschäftsanforderungen abdecken. Gleichzeitig soll sie die Entwicklung neuer Anwendungen vereinfachen, eine schnellere Erweiterung und Integration von SAP-Anwendungen ermöglichen und die Basis für Szenarien für das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) bilden.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 03/2017. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Herstellerangaben zufolge beschleunige die Plattform überdies Big-Data-Projekte und unterstütze Anwendungen für maschinelles Lernen und Künstliche Intelligenz (KI). Auf der Plattform sind bereits zahlreiche SAP-Anwendungen und über 1.000 Partnerapplikationen entstanden, heißt es. So bei Aesculap. Die Sparte der B. Braun Melsungen AG – einem internationalen Anbieter von Lösungen für den Gesundheitsmarkt –, konzentriert sich auf Produkte und Dienstleistungen für Kernprozesse in der Chirurgie. „Zusammen mit SAP konnten wir ein Werkzeug entwickeln, das die Arbeit des Krankenhauspersonals erleichtert“, berichtet Martin Runkel, Managing Director bei der B. Braun IT Service GmbH. „Mit der Cloud-Plattform entwickelten wir eine iOS-Anwendung, die die Verwaltung steriler Behälter für chirurgische Instrumente vereinfacht. Krankenhäuser können dadurch die Hygiene und Qualität chirurgischer Instrumente verbessern.“

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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