Storage in den nächsten 20 Jahren

Wird es keine Festplatten mehr geben?

„Wenn man sich die Entwicklungen der letzten 20 Jahre anschaut, kann sich Unglaubliches tun“, meint Bernd Widmaier, Vertriebsleiter der Starline Computer GmbH. Eventuell würden die Festplatten als erstes vom Markt verschwinden.

Bernd Widmaier, Starline

„Generell wird die Datenflut immer größer werden“, betont Bernd Widmaier von Starline.

IT-DIRECTOR: Herr Widmaier, wie präsent sind in Großunternehmen noch Papierarchive, sprich Keller voller Akten?
B. Widmaier:
Unserer Kenntnis nach hat sich da nicht viel geändert. Wenn man hört, wie Unternehmen ihre Akten teilweise zum Scannen in Niedriglohnländer verschicken und dann wieder zurückholen, so lässt das auf eine redundante Strategie schließen.

IT-DIRECTOR: Inwieweit sind die Unternehmen bereits mit der Digitalisierung ihrer Dokumente vorangeschritten bzw. haben die Digitalisierung überhaupt in Angriff genommen?
B. Widmaier:
Wir sind zu wenig mit Endkunden beschäftigt, um das einschätzen zu können. Laut Bitkom liegt der Grad bei 50 Prozent.

IT-DIRECTOR: Sind die digitalisierten Dokumente besser in der Cloud oder auf einem physischen Speichermedium (Magnetband, optischer Datenträger, etc.) aufgehoben? Wo sehen Sie die Vor- und Nachteile der jeweiligen Speichermethode?
B. Widmaier:
Generell sollten Unternehmen ihre Daten selbst in der Hand haben. Sicher kann man sich Gedanken über eine zusätzliche Offsite-Auslagerung zu einem lokalen Cloud-Anbieter machen. Magnetband und optische Speicher ermöglichen es allerdings, auch Daten außerhalb der Firmengebäude zu verwahren. Die Cloud klingt erst einmal im Vergleich zu einer Anschaffung eines eigenen Speichers verlockend, allerdings darf man neben Abhängigkeiten wie Bandbreite und Verfügbarkeit die laufenden Kosten nicht unterschätzen.

IT-DIRECTOR: Welche Storage-Methoden eignen sich am besten für eine Langzeitarchivierung von Dokumenten und warum?
B. Widmaier:
Generell ist eine mehrstufige Strategie perfekt. Für schnelle Verfügbarkeit sollte man die Daten auf Festplattensysteme speichern und sie dann zur Archivierung und Auslagerung auf Bänder sichern.

IT-DIRECTOR: Welche Speichermethoden nutzen Großunternehmen tatsächlich anno 2016? Und welche Faktoren üben hierbei einen Einfluss aus?
B. Widmaier:
Wir sehen einen Trend, die Daten auf intelligenten Speichern basierend auf SSDs und Festplatten zu lagern, die automatisch nach Zugriffkriterien auf verschiedene Speicherebenen migrieren. Sehr häufig sind diese Speicher geclustert und werden mit einem Backup-Konzept ergänzt. So hat man zum einen eine Hochverfügbarkeit der Daten rund um die Uhr und zum anderen ein schlüssiges Backup- und Restore-Konzept.

IT-DIRECTOR: Welche Rolle spielt heute noch Magnetband in Großunternehmen?
B. Widmaier:
„Tape is Dead“ haben die Festplattenhersteller immer ausgerufen. So wie es momentan aussieht, wird die Festplatte vorher sterben. Wir sehen recht stabile Verkaufszahlen für Bandlaufwerke.

IT-DIRECTOR: Die Technik verändert sich bekanntlich rapide: Halten Sie es für möglich, dass es in zehn oder 20 Jahren bestimmte Speicherformate nicht mehr gibt?
B. Widmaier:
Wenn man sich die Entwicklungen der letzten 20 Jahre anschaut, kann sich Unglaubliches tun – eventuell werden Festplatten als erstes vom Markt verschwinden.

IT-DIRECTOR: Inwieweit können sich Unternehmen sicher sein, dass ihre Dokumente in zehn oder 20 Jahren von ihren aktuell verwendeten Storage-Systemen überhaupt noch auslesbar sind?
B. Widmaier:
Die Herausforderung liegt auch darin, sich die passenden Laufwerke zu bewahren oder die Daten auf neuere Medien zu migrieren. Bänder oder optische Medien wie Blu-ray sind für lange Lagerung ausgelegt.

IT-DIRECTOR: Welche Rolle spielen an dieser Stelle Standards und ISO-Normen oder dergleichen?
B. Widmaier:
Entscheidend ist es, die gesetzlichen Aufbewahrungsfristen einzuhalten und auch die Art der Speicherung. Gewisse Daten müssen auch revisionssicher gespeichert werden. Eine wichtige Rolle kommt dabei auch der verwendeten Software zu.

IT-DIRECTOR: Wie können Großunternehmen ihre Speicherinfrastruktur strategisch weiterentwickeln, um zukünftige Anforderungen abzudecken? Wie sollten Unternehmen hier vorgehen?
B. Widmaier:
Generell wird die Datenflut immer größer werden. Hier spielen die Dokumente, was den Bandbreitenbedarf angeht, nur eine kleine Rolle. Daher muss der Speicher-/Server-Bereich mit schnellen Verbindungen vernetzt werden. Wichtig ist – wie bereits erwähnt – das Schaffen von Redundanzen und speziell bei internationalen Unternehmen auch die Möglichkeit trotz 24x7-Produktivbetrieb die Daten zu sichern und archivieren.

IT-DIRECTOR: Welche Faktoren beeinflussen Ihrer Meinung nach die zukünftigen Entwicklungen am Storage-Markt?
B. Widmaier:
Systeme und Daten müssen rund um die Uhr bereitstehen. Immer entscheidender wird auch die Zugriffmöglichkeit auf die stetig wachsenden Datenmengen. Techniken wie SSD-Caching und Storage-Tiering ermöglichen, die wirklich häufig genutzten Daten auch schnell im Zugriff zu haben.

Bildquelle: Starline

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