Stellenwert von ECM und BPM

Wissensarbeiter werden Business-Analysten

Im Interview erläutert Manfred Zerwas, geschäftsführender Gesellschafter der SER-Gruppe, den Stellenwert von Enterprise Content Management (ECM) und Business Process Management (BPM) im Spannungsfeld von Digitalisierung und Zukunftstechnologien wie Künstlicher Intelligenz (KI).

Manfred Zerwas, SER-Gruppe

Manfred Zerwas, SER-Gruppe

IT-DIRECTOR: Herr Zerwas, viele Unternehmen nutzen klassische BPM-Lösungen, um ihre digitale Strategie umzusetzen. Wie schätzen Sie den Erfolg solcher Projekte ein?
M. Zerwas:
Allein in den nächsten vier Jahren wird die Hälfte der globalen Wertschöpfung auf digitalen Geschäftsmodellen beruhen. Die Disruption steht starren Geschäftsmodellen entgegen. Dahinter liegen Geschäftsprozesse. Diese Prozesse müssen genauso agil sein wie die Geschäftsmodelle selbst. Gerade darum hängt der Erfolg solcher Projekte stark von der Flexibilität der BPM-Lösung ab. Klassische BPM-Lösungen leisten das nicht, weil sie auf die starre Abbildungen strukturierter Prozesse setzen. Flexible ECM- und BPM-Lösungen sind hier die bessere Wahl. Globale Konzerne wie die Deutsche Bahn und die Eiss­mann Group Automotive nutzen unsere Software Doxis4 für ihre digitale Transformationsstrategie.

IT-DIRECTOR: Gibt es Branchen, die besonders von Lösungen profitieren, die ECM und BPM auf einer Plattform vereinen?
M. Zerwas:
Das lässt sich nicht auf eine spezielle Branche runterbrechen. In allen Unternehmen spielen sowohl prozess- als auch content-getriebene Vorgänge eine Rolle. Das ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Es gibt keinen Workflow ohne Content und keinen Content ohne Workflow. Oft stehen die Verantwortlichen vor der Wahl, ob sie Geschäftsprozesse jetzt besser mit einem ECM-System oder besser mit einem klassischen BPM-System abbilden. Mit der Entwicklung von ECM und BPM auf einer Plattform haben wir diesen Konflikt für unsere Kunden ausgeräumt. Sie müssen sich nicht mehr für das eine und gegen das andere entscheiden. Vielmehr erhalten sie beides mit einem durchgehenden technologischen Design. Dort, wo viele Dokumente und Prozessakteure beteiligt sind, ist das von Vorteil, z.B. bei der Angebotserstellung oder Service Requests. Aber auch (teil-)standardisierte Vorgänge wie die Rechnungsprüfung und -freigabe erhalten mit eben solchen Lösungen neuen Schub. Alle Beteiligten bekommen in jedem Prozessschritt genau die Informationen, die sie für ihre Arbeit gerade benötigen. Schnellere Prozessdurchlaufzeiten resultieren hieraus.

IT-DIRECTOR: Werfen wir einen Blick in die Zukunft: Welchen Stellenwert werden ECM und BPM im Spannungsfeld von Deep Tech wie z.B. Künstlicher Intelligenz (KI) einnehmen?
M. Zerwas:
Einen großen. Heute verbringen wir mindestens 20 Prozent der Arbeitszeit damit, Informationen zu suchen. Das wird sich künftig ändern. Denn KI-basierte ECM-Systeme kennen unseren Informationsbedarf und unser Arbeitsverhalten. Sie stellen uns Informationen proaktiv bereit. Sie wissen etwa, wann wir welche Termine haben und welche Informationen für uns relevant sind. Dafür greifen sie einfach auf unseren Terminkalender zu. Vorausschauend schlagen sie uns die richtigen Dokumente zur Vorbereitung oder für das Meeting vor. Im gleichen Atemzug stoßen sie die nächsten Arbeitsschritte an. Sie blocken selbstständig einen Meeting-Raum, erinnern die Teilnehmer an den Termin und die Vorbereitungen. Hiermit ist die Brücke zu BPM geschlagen. KI lebt von zig Informationen. Sie braucht Daten aus diversen Informationsquellen, um zu lernen. Leistungsfähige Deep-Learning-Speicher sind die Voraussetzung dafür. Gerade daher ist es bereits heute so wichtig, verteilte Informationssilos in einen solchen Speicher zusammenzuführen: in ein ECM.

IT-DIRECTOR: Führt zu viel Automatisierung nicht irgendwann zur „Entmündigung“ der Mitarbeiter?
M. Zerwas:
Nein, vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Sie entlastet Mitarbeiter von immer wiederkehrenden Routinetätigkeiten. Auch dort, wo der Mensch aufgrund der riesigen Datenmenge kognitiv überfordert ist, hilft Automatisierung ihm, bessere Entscheidungen zu treffen. Dabei ist und bleibt der Mensch Herr der Prozesse. Statt sich um Massenverarbeitung zu kümmern, werden Wissensarbeiter das enorme Informationspotential nutzen, um Geschäftsprozesse weiter zu optimieren und Fehlerquellen zu identifizieren.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 12/2017. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Jeder Wissensarbeiter wird mehr und mehr zu einem Business oder Data Analyst. Seine Aufgabe ist es, den Überblick zu bewahren und Licht ins Dunkel des Daten­dschungels zu bringen. Predictive Maintenance gewinnt nicht nur bei der vorausschauenden Wartung von Maschinen an Bedeutung, sondern auch bei Geschäftsprozessen.

Bildquelle: SER

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