Logistik: Interview mit Gina Chung, DHL

Zukunftsfähigkeit von Augmented Reality

Interview mit Gina Chung, Projektmanagerin Trend Research bei DHL Customer Solutions & Innovation, über die Zukunftsfähigkeit von Augmented Reality in der Logistik

IT-DIRECTOR: Frau Chung, welches Potential bietet Augmented Reality (AR) grundsätzlich für die Logistikindustrie?
G. Chung:
Augmented Reality hat das Potential, bereits bestehende Logistikprozesse zu optimieren, und bietet eine Palette von vielen Vorteilen, z.B. im Lagerbereich: Headsets, die mit Augmented Reality versehen sind und Barcode- sowie Bilderkennung beherrschen, können Informationen über Aufgaben darstellen und eingesetzt werden, um den Auswahlprozess zu beschleunigen und die Produktivität zu erhöhen. Diese Headsets können auch helfen, Fehler zu reduzieren und den Arbeitern freie Hände zu jeder Zeit zu garantieren. Im Transportbereich könnten LKW-Fahrer über ihre mit Augmented Reality versehenen Windschutzscheiben Navigationsangaben oder andere wichtige Informationen, wie den Zustand der Ladung erhalten, wodurch Fahrsicherheit und Servicequalität gesteigert werden.

IT-DIRECTOR: Inwieweit ist das Thema „Augmented Reality“ bereits in der Logistik angekommen – sprich, wie gestaltet sich das entsprechende Lösungsangebot auf dem Markt und der Technologie-Einsatz bei Großunternehmen?
G. Chung:
Bei neuen Technologien wie Augmented Reality ist es oft schwierig einzuschätzen, ob es sich dabei um einen Hype oder eine tatsächlich anwendbare Lösung handelt. Jedenfalls befindet sich Augmented Reality in der Logistik noch in den Kinderschuhen, vor allem im Vergleich zur Automobilbranche und dem Einzelhandel. Dies ist vermutlich der Tatsache geschuldet, dass sich die meisten aktuell produzierten Augmented-Reality-Headsets an den Bedürfnissen der Endverbraucher orientieren und sich nicht für das Logistikumfeld eignen. Daneben gibt es weitere Hürden wie die Akkulaufzeit, Rechenkapazität und Benutzerfreundlichkeit, die es zu überwinden gilt, bevor Logistikanbieter Augmented-Reality-Geräte in das tägliche operative Geschäft übernehmen können. Daher ist es wichtig, dass wir als Logistikanbieter mit AR-Software- und Hardware-Unternehmen aktiv zusammenarbeiten und in Tests Lösungen entwickeln. So kann aus Augmented Reality eine Technologie mit Anwendungspotential für die Logistik entstehen.

IT-DIRECTOR: Wie gestaltet sich die Einführung einer entsprechenden Lösung? Mit welchem Aufwand ist sie verbunden?
G. Chung:
Um neue Technologien in unser operatives Geschäft einbinden zu können, beginnen wir im DHL-Trend-Research-Team mit einer Machbarkeitsanalyse. Hierbei testen wir Lösungen in kontrollierten Umgebungen. Dies erlaubt uns einen schnellen Überblick über die Vorteile, die sich schon heute aus dieser Technologie ergeben. Ausgehend von diesen Ergebnissen entscheiden wir, ob ein Pilotprojekt in einer echten Umgebung gestartet wird. Diesen Ansatz haben wir beispielsweise bei unserem vorangegangenen Trendthema, der Low-Cost-Sensor-Technologie, genutzt. Hier testeten wir gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut, ob sich Microsofts Kinect-Sensoren besser zur Volumenmessung von Paletten eignen als die sonst üblichen Standardsensoren. Der gleiche Ablauf wird noch in diesem Jahr mit einem Augmented-Reality-Projekt umgesetzt.

IT-DIRECTOR: Inwiefern sind Schulungen nötig oder ist Augmented Reality intuitiv anwendbar?
G. Chung:
Mit jedem neuen Gerät ist ein gewisses Maß an Training unerlässlich, und dies gilt auch für Augmented-Reality-Headsets. Das Epson-Moverio-BT-200-Headset bietet dem Erstnutzer z.B. eine ganz andere Art von Interface. Hier bedarf es einiger Übung, um sich mit der Gestik- und Sprachsteuerung vertraut zu machen und problemlos mit ihr umgehen zu können.

IT-DIRECTOR: Wie schaut es bei AR mit dem Thema „Datenschutz“ aus?
G. Chung:
Datenschutz und Privatsphäre sind natürlich einige der Hauptthemen, denen sich die Augmented-Reality-Industrie stellen muss. Als Google seine Glasses veröffentlichte, gab es viele Schlagzeilen, die sich mit Datenschutzbedenken und dem Gebrauch in öffentlichen Räumen befassten. Dennoch sind wir der Überzeugung, dass dies vor allem ein Thema für private Nutzer ist und in geringerem Maß die industrielle Anwendung betreffen wird.

IT-DIRECTOR: Wie schätzen Sie die zukünftigen Entwicklungen von AR in der Logistikindustrie ein und welche Faktoren werden die Entwicklungen beeinflussen?
G. Chung:
Auch wenn die Anwendung von Augmented Reality für die Logistikindustrie noch am Anfang steht, so sehen wir die Zukunft dieser Technologie positiv. Viele Unternehmen unterschiedlicher Größe investieren in Augmented Reality und wir erwarten große Fortschritte – gerade im Bereich der Hardware – innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre.

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