Interesse ist da

3D-Druck: „Es müssen Taten folgen“

Ende 2017 gab es einen deutlichen Anstieg des Interesses an 3D-Druck im deutschen Mittelstand, meint René Gurka, CEO der Bigrep GmbH. In 2018 müssten aber nun endlich Taten folgen.

René Gurka, CEO der Bigrep GmbH

Bigrep will laut CEO René Gurka spätestens in zwei Jahren soweit sein, Serienproduktion anbieten zu können.

ITM: Herr Gurka, welchen Stellenwert besitzt 3D-Druck mittlerweile im deutschen Mittelstand?
René Gurka:
Die Aufmerksamkeit ist hoch, aber die Umsetzung noch sehr schwach. Aufgrund der hohen Relevanz der zunehmenden Digitalisierung der Wirtschaft sind viele Unternehmen interessiert, eine erfolgreiche Umsetzung von „Industrie 4.0“ und „3D-Druck“ anzustreben und auf diese Weise die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu sichern und auszubauen. Ende 2017 gab es einen deutlichen Anstieg des Interesses im deutschen Mittelstand. In 2018 müssen aber nun endlich Taten folgen, denn der Einsatz der 3D-Technologie steigert immens die Effizienz – auch im Mittelstand.

ITM: Für welche Branchen bzw. Bereiche ist die 3D-Druck-Technologie hier besonders interessant und warum?
Gurka:
Gerade die Luft- und Raumfahrtindustrie, Automobil- und Transportbranche investiert in die Forschung mit 3D-Druck. Der 3D-Druck bietet den Unternehmen große Möglichkeiten, speziell in der Individualisierung und Produktion auf Abruf, wodurch mehr Flexibilität und eine kosteneffiziente Produktion erzielt werden können. Aber auch für Architekten, Produktdesigner, Künstler und Konsumgüterhersteller ist es eine lukrative Technologie, die neue Möglichkeiten in Design, Innovation und Prototyping birgt.

Nehmen wir das Beispiel der Deutschen Bahn, die testet, wie viele ihrer Ersatzteile durch 3D-Druck produziert werden können. Das Unternehmen hat die Herausforderung, einige Ersatzteile nur sehr schwer zu bekommen oder hohe Stückanzahlen abnehmen zu müssen, die wiederum gelagert werden müssen. Kann man diese Teile nun je nach Bedarf innerhalb kurzer Zeit im 3D-Druckverfahren gewinnen, spart man nicht nur an den Produktions-, sondern auch an Lagerkosten.

ITM: Wie gestaltet sich die Einführung eines 3D-Druckers ins Unternehmen inkl. Anbindung an die vorhandene IT-Infrastruktur? Mit welchem Aufwand ist die Integration verbunden?
Gurka:
Der Vorteil unserer Drucker besteht darin, dass diese nach Anlieferung sofort einsatzfähig sind. Die großformatigen FDM-Drucker verfügen über eine eigene Software und die Daten werden per Datenverbindung oder USB-Stick an den Drucker gegeben werden. Letztendlich das gleiche Prinzip wie bei einem handelsüblichen Dokumentendrucker. Unsere Drucker können alle üblichen CAD-Dateiformate verarbeiten, d.h. aber auch, dass die zu druckenden Objekte digital erstellt sein müssen.

ITM: Inwieweit sind für die Bedienung von 3D-Druckern Schulungen nötig? Oder braucht es gar spezielles Fachpersonal, um die Geräte bedienen zu können?
Gurka:
Eine 3D-Schulung ist immer ratsam, aber das größte Geheimnis steckt im optimalen Erstellen der Druckdatei. Die heutigen Drucker führen nur die Befehle aus, die ihnen mit der Datei übermittelt werden. Wir bieten beim Verkauf immer ein Training an, um den Kunden die Grundlagen nahe zu bringen.

ITM: Was sind die bisherigen Stolpersteine im 3D-Druck? An welchen Stellen hakt es häufig noch?
Gurka:
In Druckgeschwindigkeit und Materialentwicklung steckt das größte Potential und gleichzeitig sind diese beiden Komponenten auch die momentan größten Herausforderungen. Es ist noch nicht möglich, Objekte serienmäßig und kosteneffizient zu produzieren. Unterschiedliche Branchen haben unterschiedliche Anforderungen an die Materialien. Zurzeit gibt es kein 3D-Druck-System, was einen Serienkreislauf schließt und Produkte am laufenden „Fließband“ produziert. Auch wir arbeiten aber an Lösungen hierfür und werden spätestens in zwei Jahren soweit sein, Serienproduktion anbieten zu können.

ITM: Welche weiteren Aspekte halten den einen oder anderen Mittelständler vielleicht bisher davon ab, auf 3D-Druck zu setzen? Welche Rolle spielen hierbei die Kosten?
Gurka:
3D-Druck hat die Anfangsentwicklung abgeschlossen und entwickelt sich rapide. Eine Endteileproduktion ist zwar noch nicht überall möglich, aber der Gedanke, wie 3D-Druck in verschiedene Produktionsabläufe integriert oder einige ersetzen kann, sollte jetzt überall betrachtet werden, um den Anschluss nicht zu verlieren.

Wir produzieren industrielle Maschinen zu vertretbaren Kosten, um den Zugang zu 3D-Druck für fast jedes Unternehmen erschwinglich zu machen. Zum Beispiel liegen die Anschaffungskosten für einen One mit einem Druckvolumen von 1m³ bei 50.000 Euro, was eine verhältnismäßig günstige Anschaffung ist. Das kleinere Modell Studio mit einem Druckvolumen von 500 x 1.000 x 500 mm ist für 31.900 Euro zu bekommen. Bevor wir vor vier Jahren entstanden sind, haben solche Drucker das Zehnfache gekostet.

ITM: Worauf sollten Anwenderunternehmen achten, wenn sie sich einen 3D-Drucker zulegen wollen? Welche Kriterien sollte dieser erfüllen?
Gurka:
Am besten ist immer ein persönlicher Austausch mit einem Anbieter. Unsere Innovationsabteilung Nowlab steht mit verschieden Industrien in Verbindung, um gemeinsam den Einsatz von 3D-Druck zu erarbeiten.

ITM: Welche Faktoren werden den 3D-Druck-Markt anno 2018 beeinflussen?
Gurka:
Die weiter wachsende Nachfrage und Integration von 3D-Druckern in herkömmliche Produktionsabläufe sowie der Bedarf an unterschiedlichen Materialien ist ein wichtiger Faktor. Zusätzlich werden sich Marktführer, die im Regen Austausch mit den verschiedenen Industrien stehen und ihre Maschinen und Systeme den Anforderungen anpassen, etablieren und mehr den Markt für sich sichern. Auch die Politik muss in die Industrie 4.0 und die fortschreitende Digitalisierung investieren und die Branche stärken, um nicht den Anschluss zu verpassen. Die Unternehmen werden aber auch umfangreiche Daten von den Maschinen bekommen und viel effektiver zu produzieren.

ITM: Inwieweit wird sich 3D-Druck irgendwann für Großserien eignen?
Gurka:
Wir wollen die Industrie mithilfe von 3D-Druck revolutionieren und wir können schon soviel verraten: Wir kommen unserem Ziel näher und werden in der nahen Zukunft eine neues Produkt vorstellen, was diese Kriterien erfüllen wird.

Bildquelle: Bigrep

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