Verschiedene Druckverfahren

3D-Druck hat nicht nur Vorteile!

Laut Moritz Mair, Gründer von 3Dator, sollte man sich genau überlegen, was man mit 3D-gedruckten Objekten erreichen möchte. Denn jedes Verfahren habe Vor- und Nachteile. Weitere Informationen im Interview >>

Moritz Mair, 3Dator

„Bei 3D-Druckern ist die Energieeffizienz stark von den Komponenten im Drucker abhängig“, so Moritz Mair, Gründer von 3Dator.

ITM: Herr Mair, was (welche Nachteile) hält den einen oder anderen Mittelständler bisher davon ab, sich mit 3DDruckern zu befassen?
Moritz Mair:
Die Produkte am Markt sind entweder günstig und benutzerunfreundlich oder sehr teuer und einfach in der Bedienung. Einfach zu verwendende 3D-Drucker, bei denen jeder Druck gut funktioniert, fehlen noch.

ITM: Für welche Bereiche bzw. Branchen ist 3D-Druck jedoch grundsätzlich interessant? Welche Möglichkeiten eröffnen sich den Unternehmen durch 3DDruck?
Mair:
3D-Druck ist vor allem sinnvoll bei der Produktentwicklung, da die zeitlichen Abstände zwischen der Idee und dem fertigen Produkt deutlich verkürzt werden können. Immer wenn Objekte in kleinen Stückzahlen benötigt werden, ist der 3D-Druck sinnvoll.

ITM: Welche 3D-Druckverfahren gibt es generell und welche Materialien kommen hier zum Einsatz?
Mair:
Gängige 3D-Druckverfahren sind FDM (Fused Deposition Modeling), SLA (Stereolithografie) und SLS (Lasersintern). Während bei FDM und SLA immer Plastik verarbeitet wird, kann beim Lasersintern auch Metall verarbeitet werden. Insgesamt gibt es also ein breites Spektrum an Materialien, die verwendet werden können. Das FDM-Verfahren ist in den letzten Jahren immer weiter in den Vordergrund gerückt, da es sehr kostengünstig ist und außerdem ein großes Spektrum an Materialien verwendet werden kann.

ITM: Welche Objekte können mit einem 3D-Drucker hergestellt werden und welche Eigenschaften bringen diese mit sich?
Mair:
Mithilfe von 3D-Druck können nahezu alle beliebigen 3D-Formen erstellt werden. Im Detail ist das natürlich stark vom Verfahren und der Objektgeometrie abhängig. Beim kostengünstigen FDM-Verfahren ist die Stabilität ähnlich wie bei Holz abhängig von der Schichtrichtung.

ITM: Wie gestaltet sich die Energieeffizienz eines 3D-Druckers, der permanent „heizt“ und teils stundenlang am Stück läuft?
Mair:
Bei 3D-Druckern ist die Energieeffizienz stark von den Komponenten im Drucker abhängig. Die eigentliche Bewegung ist in den meisten Fällen sehr sparsam, Energiefresser sind in der Regel vor allem Heizungen für den Bauraum oder das Druckbett.

ITM: Inwieweit sind mit 3D-Druckern Massenproduktionen möglich?
Mair:
Massenproduktionen sind mit 3D-Druckern immer möglich, vorausgesetzt die Oberflächenqualität genügt. Allerdings ist der 3D-Druck häufig nur bei geringen Stückzahlen oder individualisierten Objekten wirtschaftlich. Bei Plastikteilen lohnt es sich fast immer bei großen Stückzahlen Spritzguss zu verwenden, wenn die Geometrie des Objektes dies zulässt.

ITM: Wie ausgereift ist die Technologie Stand heute? An welchen Stellen hapert es häufig noch bzw. gibt es Verbesserungsbedarf?
Mair:
Die Technologie ist schon sehr weit, hat aber auch noch viel Potential. Vor allem im günstigen Preissegment fehlen zuverlässige Lösungen mit hoher Präzision. Aus dieser Marklücke entstand unser 3D-Drucker 3Dator. Ein großes Thema ist beim FDM-Verfahren zudem die Slicer-Software, die den Maschinencode für die Drucker aus den 3D-Objekten generiert. Jeder Drucker ist nur so gut wie der Slicer, der ihn steuert.

ITM: Wie gestaltet sich das derzeitige Angebot an 3DDruckern auf dem Markt?
Mair:
Das Angebot ist stark vom Verfahren abhängig. Die meisten 3D-Drucker unter 4.000 Euro sind FDM- oder SLA-Maschinen. Andere Verfahren erfordern weitaus höhere Investitionen. Im FDM-Drucker-Markt gibt es viele günstige Drucker, die sich jedoch leider nur sehr leicht unterscheiden. Oft wird immer dieselbe Opensource-Firmware verwendet und für dieselbe Mechanik ein neues Gehäuse mit einem anderen Namen entworfen. Auch diese Geräte lassen sich zu guten Ergebnissen kalibrieren, nur sind sie in der Regel sehr wartungsaufwändig.

ITM: Worauf sollten Nutzer bei der Auswahl von Anbieter, Gerät und entsprechender Software achten?
Mair:
Jedem, der sich für eine Anschaffung eines 3D-Druckers interessiert, rate ich, sich genau zu überlegen, was er mit den gedruckten Objekten erreichen möchte. Jedes Verfahren bringt jeweils Vor- und Nachteile mit sich. Prinzipiell lohnt es sich darauf zu achten, dass die Maschine „Open Source“ ist, da so auch die Möglichkeit besteht, die Maschine auch in ferner Zukunft selbst zu warten und zu reparieren und man nicht zwingend auf den Support des Herstellers angewiesen ist.

ITM: Welche Kenntnisse benötigt ein Mittelständler beim Umgang mit einem 3D-Drucker?
Mair:
Für den 3D-Druck werden zu allererst 3D-Daten (meist im STL-Format) benötigt; diese kann man aus gängigen CAD-Programmen exportieren. Die Bedienung des Druckers ist in der Regel relativ einfach gestaltet und erfordert nur kurze Einarbeitungszeit. Vor allem für das FDM-Verfahren ist es jedoch oft sehr hilfreich, das Druckverfahren verstanden zu haben und die CAD-Daten auf Druckbarkeit zu optimieren, um Stützmaterial und die damit verbundene Nachbearbeitung zu vermeiden.

ITM: Wie schätzen Sie generell die Entwicklungen im 3D-Druckbereich ein?
Mair:
Uns freut es sehr, dass der 3D-Druckbereich vor allem im FDM-Verfahren viele Open-Source-Projekte hervorgebracht hat. Sehr viele Hardware-Komponenten und viel Software ist „Open Source“ und machen es daher erst möglich, dass der 3D-Druck immer mehr Anwender findet. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, auch unseren 3D-Drucker unter eine offene Lizenz zu stellen.

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok