Einsatzfelder von Qualitätskontrolle bis hin zur Archäologie- und Kunst

3D-Scanning: Digitale Kopie eines realen Gegenstands

3D-Scanning ist prinzipiell für alle Branchen interessant, in denen die digitale Kopie eines realen Gegenstands benötigt wird, berichtet Dr. Bernd Krolla, Geschäftsführer von 3Digify Technologies. Die Einsatzfelder sollen sich dabei von der Nutzung in der Qualitätskontrolle bis hin zur Archäologie- und Kunstszene erstrecken.

„Alle Systeme haben große Probleme mit transparenten oder stark reflektierenden Materialien wie Glas oder poliertem Metall.“ Dr. Bernd Krolla, 3Digify

ITM: Herr Dr. Krolla, wie gestaltet sich anno 2016 die Nachfrage nach 3D-Scanning im Mittelstand und durch welche Faktoren wird diese Nachfrage beeinflusst?
Bernd Krolla:
Wir beobachten seit mehreren Jahren eine ansteigende Nachfrage nach 3D-Scanning-Lösungen für verschiedenste Anwendungszwecke. Aktuell sind dafür vor allem zwei Faktoren verantwortlich: die steigende Verfügbarkeit von 3D-Druckern und die Möglichkeit, 3D-Daten direkt im Webbrowser oder auf mobilen Endgeräten wiederzugeben. Es gibt allerdings auch steigende Nachfrage bei klassischen Anwendungsfällen wie Qualitätskontrolle oder Reverse Engineering. Die hohen Anschaffungskosten für leistungsfähige 3D-Scanner stellen jedoch häufig insbesondere für Mittelständler eine hohe Einstiegshürde dar.

ITM: Für welche Einsatzbereiche bzw. Branchen ist 3D-Scanning generell interessant und warum?
Krolla:
3D-Scanning ist prinzipiell für alle Branchen interessant, in denen eine digitale Kopie eines realen Gegenstandes einen Mehrwert bietet. Konkrete Einsatzbereiche erstrecken sich von der Nutzung in der Qualitätskontrolle, Dokumentation von Komponenten, über die Präsentation von Objekten in OnlineShops bis hin zur Archäologie- und Kunstszene. Durch das notwendige Know-how und die teilweise hohen Kosten von Scannern ist 3D-Scanning sicherlich auch für Dienstleister interessant.

ITM: Worauf legen die Nutzer von 3D-Scannern Wert?
Krolla:
Selbstverständlich erwarten die Nutzer eine hohe Qualität und Detailtreue der gescannten Objekte. Je nach Anwendungsszenario stehen dabei die Geometrie-Akquise bzw. Vermessung oder aber auch die realistische (farbentreue) Wiedergabe der Objekte im Vordergrund. Weiterhin sind dann sicherlich ein gutes Preis-Leistungsverhältnis sowie eine einfache Bedienbarkeit der Scanner wichtig.

ITM: Woran hapert es derzeit noch technisch bei 3D-Scannern?
Krolla:
Es gibt bereits seit mehreren Jahren ausgereifte, leistungsfähige 3D-Scanner am Markt. Allerdings haben alle Systeme große Probleme mit transparenten oder stark reflektierenden Materialien wie Glas oder poliertem Metall. Außerdem ist es oft nötig, die Systeme aufwändig zu kalibrieren.

ITM: Was macht 3D-Scanner eigentlich so teuer?
Krolla:
Typischerweise ist vor allem die hohe Präzision ein Kos-tentreiber: Um höchstpräzise 3D-Scans von Objekten zu erhalten, betreiben viele Hersteller von Scannern einen großen Aufwand. Dabei müssen höchste Qualitätsansprüche in der Fertigung von Linsensystemen und der Kameras eingehalten werden, um eine gewisse Präzision zu gewährleisten.

ITM: Wie bzw. mit welchen Mitteln ließe sich das 3D-Scanning generell kostengünstiger gestalten?
Krolla:
Mit leistungsfähiger Software ist es möglich, die derzeitig hohen Ansprüche in der Fertigung von Scannern zu reduzieren: Anstatt teure Hardware-Lösungen zu fertigen, die den erwarteten Spezifikationen der Scanning-Software genügen, wird es unter Verwendung neuester Algorithmen möglich, ein viel breiteres Spektrum von unterschiedlichen Aufbauten zu nutzen, deren Dimensionierung und Positionierung im Verlauf des Scanprozesses durch die Software automatisch hochpräzise bestimmt wird. Dies gewährleistet gleichzeitig eine höhere Qualität bei niedrigerem Fertigungsaufwand.

ITM: Welche Rolle spielt an dieser Stelle die Software 3Digify?
Krolla:
Sie ist eine Software, die es ermöglicht, alle Parameter der verwendeten Kameras bzw. deren Positionierung im Verlauf des Scanprozesses präzise zu bestimmen. Somit wird es möglich, auf die Anschaffung teurer Spezial-Hardware zu verzichten und stattdessen kostengünstigere Standardkameras zu verwenden, was die Gesamtkosten für eine Scanlösung absenkt. Außerdem macht die Software eine bisher notwendige, aufwändige Vorkalibrierung des Scanners beim Kunden in vielen Fällen überflüssig.

ITM: Wie wird sich der 3D-Scanning-Markt zukünftig entwickeln?
Krolla:
Wir erwarten insgesamt ein starkes Wachstum des Marktes. Dabei gehen wir insbesondere davon aus, dass nicht nur die Märkte wachsen, in denen 3D-Scanning bereits etabliert ist, sondern dass die Technologie auch verstärkt in neuen Anwendungsfeldern wie 3D-Druck oder Produktpräsentation Verwendung finden wird. Außerdem beobachten wir ein stark wachsendes Interesse bei Heimanwendern.

 

 

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