Drei Fragen an ...

5G im Produktionsalltag

Florian Haase von der Topdesk Deutschland GmbH und Sven Koltermann von Telefónica Deutschland im Gespräch über die Bedeutung der 5G-Einführung für den Mittelstand.

  • Florian Haase ist Technical Consultant bei der Topdesk Deutschland GmbH.

    Florian Haase ist Technical Consultant bei der Topdesk Deutschland GmbH.

  • Sven Koltermann, B2B-Sales und Leiter IoT/M2M Energy bei Telefónica Deutschland

    Sven Koltermann, B2B-Sales und Leiter IoT/M2M Energy bei Telefónica Deutschland

  • Ein 5G-Logo über einem Smartphone

    5G könnte das Facilty-Management nachhaltig verändern. ((Bildquelle: Getty Images/iStock))

Die Versteigerung der 5G-Frequenzen ist Geschichte. Jetzt gilt es, die Ärmel hochzukrempeln und das neue Mobilfunknetz aufzubauen. Darauf setzt der Mittelstand große Hoffnungen. Doch schon im vergangenen Jahr mahnte Claudia Nemat, Technologievorstand der Deutschen Telekom, mehr Realismus an, denn: „5G ist nicht die Allzweckwaffe für alles.“ Mit „alles“ meint sie Szenarien wie selbstfahrende Autos, ultraschnelles Live-Streaming oder mobile Roboter in der Fabrikhalle.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 9/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

5G soll vor allem zuverlässig hohe Bandbreiten und geringe Reaktionszeiten bis zu einer Millisekunde zur Verfügung stellen. Wer braucht das wirklich? Das Internet of Things großer Industriekonzerne, die Big-Data-Plattformen der Cloud-Ära oder große Logistikdienstleister werden davon profitieren. Dem normalen Smartphone-Nutzer dagegen wird auch künftig der heute gebräuchliche LTE-Standard vollauf genügen. Und was ist mit den typischen Mittelständlern? IT-MITTELSTAND hat bei zwei Experten nachgefragt.

ITM: Technologien wie das Internet der Dinge oder 5G-Mobilfunk verändern auch das Facility-Management. Wo sehen Sie die größten Optimierungsmöglichkeiten für Mittelständler?
Florian Haase: Der geplante Breitbandausbau kann als große Chance für den Mittelstand betrachtet werden, für den bisher die unzureichende Netzverfügbarkeit als relevantes Hemmnis auf dem Weg zur Digitalisierung angesehen wird. Denn 5G schafft weitere Grundlagen, den Mehrwert des Internet der Dinge für sich zu nutzen: Immer mehr Assets werden uns künftig eigenständig über anstehende Wartungen oder Fehlfunktionen informieren. Diese kleinen, aber in der Menge zunehmenden Meldungen benötigen eine stabile Netzanbindung, um interagieren und den Betreiber mit Daten versorgen zu können – und das auch außerhalb der großen Städte und Metropolregionen.

Gerade in kleineren Betrieben ist die starke Service-Orientierung ein wichtiger Faktor der Kundenbindung. Hier wird es künftig entscheidend sein, diese aufkommenden technischen Möglichkeiten je nach Unternehmung bestmöglich für sich auszuschöpfen, um mit den großen Anbietern auf dem Markt konkurrieren zu können. Mittelständische Unternehmen sind oft entscheidungsfreudiger, können also flexibel auf anstehende Änderungen reagieren und sich hinsichtlich digitaler Innovationen klar fortschrittlich auf dem Markt positionieren.

Sven Koltermann: Neue IoT-Übertragungstechnologien wie die zu 5G gehörenden Übertragungsarten NB-IoT und LTE-M bieten komplett neue Möglichkeiten, Geräte im Gebäude auch an Orten zu vernetzen, an denen vorher kein ausreichender Empfang herrschte bzw. wo keine Stromquelle vorhanden ist. So halten z. B. bei Geräten, die NB-IoT einsetzen, die Batterien bis zu zehn Jahre lang. Zudem wird durch NB-IoT die Übertragungsreichweite deutlich gesteigert.

Aber auch Value-Added-Services, die auf Dienstleistungen des Mittelstands aufsetzen, haben ein Potential für Optimierung und eignen sich zur Differenzierung von Wettbewerbern. So hat etwa unser IoT-Kunde Flintec IT eine clevere Lösung entwickelt, die Service-Einsätze dokumentiert.

Bei Service-Einsätzen generell gilt die bewährte Maxime: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser – egal ob bei Facility-Management-Kunden oder sonstigen Dienstleistern. Finden die Einsätze außerhalb von Gebäuden oder zu wechselnden Zeiten statt, beispielsweise bei der Pflege von Außenanlagen oder bei Winterdiensten, sind flächendeckende Kontrollen der geleisteten Arbeit nur schwer möglich. Wenn wieder einmal Mitarbeiter ausfallen, sinkt oft die Servicequalität. Darunter leidet die Kundenbeziehung – mitunter drohen sogar Vertragsstrafen.

Solche Risiken gilt es zu minimieren und die zunehmende Digitalisierung unserer Wirtschaft erleichtert dieses Vorhaben: Smartphones, Tablets oder GPS-Geräte sind im Alltag der meisten Menschen angekommen. Sie verfügen über Funktionen, welche die Ort- und Zeitbestimmung leicht machen.

ITM: Es fallen immer wieder Stichworte wie Smart Building oder Smart Factory. Was bedeuten diese Konzepte konkret für Kernaufgaben des Facility-Managements, z.B. für das Gebäude- und Inventar-Management?
Koltermann: Nehmen wir beispielsweise im Bereich Smart Building unseren Kunden Bosch Sicherheitssysteme. Bei Einbrüchen, Feuer oder Schäden durch Naturkatastrophen ist es essentiell, Notrufdienste schnell und zuverlässig zu alarmieren. Damit es zu keinerlei Verzögerung in der Kommunikationskette kommt, setzt das Unternehmen auf zwei Systeme: Ein primäres System versendet typischerweise Alarmmeldungen über Festnetz, ein sekundäres neuerdings parallel per IoT-Kommunikation. Unsere SIM-Karte bietet dank nationalem und internationalem Roaming globale Konnektivität in über 159 Ländern und mehr als 550 Mobilfunknetzen.

Mit Daimler rüsten wir als Erster die „Factory 56“ mit 5G aus – und sammeln dabei gemeinsam Erfahrungen, wie 5G den Produktionsalltag optimieren kann. Im Smart Building werden 5G-Netze vermutlich nicht als eigenständige private Netze ausgerollt, jedoch bietet hier zukünftig das sogenannte Network-Slicing in Kombination mit NB-IoT und LTE-M neue Möglichkeiten.

Haase: Schnittstellen werden ein zunehmend wichtiges Thema: Wenn auch nicht von heute auf morgen, so wird die Entwicklung doch stetig in Richtung „smarter” Konzepte gehen und damit die Arbeit innerhalb des Gebäude- und Inventarmanagements nachhaltig verändern.

Während heute noch stark reaktiv gearbeitet wird, so stehen bei einer fortschreitenden Integration von Geräten in ein bündelndes System eine Menge Daten zur Verfügung, die den Betreibern dieser Produkte ein proaktiveres Vorgehen erlauben: Als Dienstleister in diesem Bereich kann ich mich über Störungen an den verwalteten Assets in kürzester Zeit informieren lassen und habe im Optimalfall eine Lösung parat, noch bevor mein Kunde von dem Vorfall betroffen war.

Zudem rückt der unterstützende Gebrauch von Software-Lösungen zunehmend in den Mittelpunkt. Damit lassen sich Gebäude und Inventar im besten Fall einfach und übersichtlich pflegen, auftretende Störungen daran auch mobil einsehen und deren Lösung dokumentieren. Diese software-basierte Unterstützung in der täglichen Arbeit entfaltet künftig dann ihren vollen Umfang, wenn ich diese nicht nur zur akuten Störungsbehebung nutzen, sondern darauf aufbauend auch langfristig planen kann. Ziel ist dabei, belegbar Engpässe auszuweisen und im Einkauf anfällige Objekte meiden zu können.

ITM: Inwieweit kann künftig Künstliche Intelligenz (KI) helfen, das Facility-Management effektiver und effizienter zu gestalten?
Haase: KI ist das Schlagwort der Stunde. Industrie 4.0 geht mit KI-gesteuerten Produktionsabschnitten als starkes Beispiel voran. Dies wirft die Frage auf, ob das Facility-Management im Mittelstand überhaupt die gleiche Art von KI benötigt oder ob eine smarte Unterstützung ausreicht.

In mittelständischen Unternehmen wird häufig auf ein eher familiäres Miteinander gesetzt. Die Ergänzung der menschlichen Kompetenz durch smarte Antworten einer Software kann das Facility-Management effizient unterstützen. Dabei geht es um Fragen wie: Zu welchen Gebäuden und Objekten liegen viele Meldungen vor? Wie ist es um die Auslastung reservierbarer Räume bestellt? Unserer Einschätzung nach ist KI für den Mittelstand noch nicht klar definiert, doch smarte „Babyschritte“ können helfen, der zukünftigen KI den Weg zu ebnen.

Koltermann: Die Basis von KI sind große Mengen von Daten. Diese entstehen beim Facility-Management täglich durch normale Geschäftsprozesse, z. B. innerhalb der Sicherheitssysteme bei der Zugangskontrolle oder bei der Gebäudesensorik.

Wir selbst setzen beispielsweise für die Instandhaltung und Optimierung unseres Mobilfunknetzes KI sowie entsprechende Algorithmen und Datenanalysen ein. Dabei nutzen unsere Fachleute die gewonnenen Erkenntnisse, um beispielsweise Wartungsplanungen zu optimieren.

Fragen von Berthold Wesseler

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