Storage-Lösungen: Interview mit Florian Bettges, HP

Abnutzung von Flash

Im Interview bemerkt Florian Bettges, Business Development Manager für Online-Storage bei HP Deutschland, dass ein Nachteil von Flash der Abnutzungsprozess ist. Das Medium eigne sich folglich nicht dazu, in hoher Geschwindigkeit immer wieder neu beschrieben zu werden.

Florian Bettges, HP

„Flash-Technologie ist derzeit schnell und erfolgreich“, meint Florian Bettges, Business Development Manager für Online-Storage bei HP Deutschland.

ITM: Herr Bettges, mit welchen Fragen warten Mittelständler am häufigsten auf, wenn sie neue Speicherkonzepte fürs Unternehmen in Betracht ziehen?
Florian Bettges:
Grundsätzlich stehen die Aspekte Datenmenge (gemessen in Terabyte) und Leistung (gemessen in Input/Output Operations Per Second, IOPS) unverändert im Vordergrund. Die meisten Gespräche entwickeln sich dann anschließend in Richtung Applikationsintegration und Latenzwerte. Unsere Kunden fragen darüber hinaus Funktionen wie Thin Provisioning, Snapshots und Replikation nach. Im Bereich der Replikation legen insbesondere die Kunden aus Deutschland viel Wert auf die Möglichkeit einer synchronen Spiegelung der Daten zu Sicherungszwecken, die im Fall eines Speicherausfalls keinen Einfluss auf die Server- bzw. Virtualisierungsebene hat. Nicht zuletzt tritt auch die Frage nach der Backup-Integration immer wieder auf. Neben dem Wunsch nach klassischen Arrays erhalten wir verstärkt Anfragen bezüglich Software-Defined-Speicher (SDS) und Hyper-Converged-Architekturen. Die Herausforderung ist hierbei oftmals, dass das Datenvolumen im Unternehmen höher ist, als ursprünglich angenommen. Häufig muss es dann bei gleichbleibendem Budget bewältigt werden.

ITM: Wie gestaltet sich das derzeitige Interesse der Mittelständler an Flash-Speicher?
Bettges:
Das Interesse an Flash-Speichern ist stark gestiegen, vor allem im Umfeld der Tiering-Optionen, der weit verbreiteten Ergänzung zu traditionellen Festplatten. Tiering-Optionen finden sich heute nahezu in jedem Storage Area Network (SAN) wie auch in verschiedenen Software-Defined-Speicher-Lösungen. Den Kunden ist wichtig, Flash-Speicher auch dort einzusetzen, wo ihre herkömmlichen Festplatten in Betrieb sind, ohne dabei separate Insellösungen zu schaffen. Wir diskutieren dieses Thema mit unseren Kunden sehr offen und kombinieren unsere Produkte zu intelligenten Lösungen. Entweder-oder-Entscheidungen sind dabei nicht nötig.

ITM: In welchen Fällen lohnt sich der Einsatz von Flash-Speichern in den Servern/Rechenzentren bei mittelständischen Unternehmen?
Bettges:
Der Einsatz von Flash-Technologien lohnt sich viel häufiger als üblicherweise angenommen. In den zurückliegenden Monaten haben unsere Kunden Flash-Architekturen hauptsächlich zur Datenbankbeschleunigung in Erwägung gezogen. Heute sehen wir Flash in den unterschiedlichsten Systemen, von Virtual-Desktop-Infrastructure-Umgebungen (VDI) bis hin zu Exchange-Servern. Dies hat den Hintergrund, dass traditionelle 15k-Festplatten nicht mehr günstiger werden, da immer weniger Hersteller sie produzieren. Solid State Drives (SSDs) fallen dagegen kontinuierlich im Preis. Oft wurde bisher für die notwendige Performance eine hohe Anzahl an kleineren Festplatten verbaut, da man auf die Anzahl der Spindeln angewiesen war. Hierdurch entstehen jedoch Überkapazitäten. HP bietet mittlerweile 1,92-Terabyte-SSDs an, die Enterprise-Serial-Attached-SCSI-Festplatten (SAS) an Kapazität weit übertreffen. Dank Deduplizierung und Thin-Technologien sind wir in der Lage, auch für kleinere Umgebungen einen Preis per Gigabyte zu erzielen, der dem Einsatz von klassischen Festplatten sehr nahe kommt. In dieser Kalkulation ist allerdings noch unberücksichtigt, dass sich weitere Vorteile wie Platzersparnis, geringer Stromverbrauch und dadurch geringere Abwärme ergeben. Insgesamt liegt der Preis per Gigabyte dann unter dem klassischer Festplatten.

ITM: Worauf sollten Unternehmen bei der Auswahl von Storage-Anbietern und entsprechenden Flash-Speichern achten?
Bettges:
Wenn Unternehmen den Einsatz von Flash als Tiering-Option in Erwägung ziehen, stehen ihnen heute viele Möglichkeiten offen, Flash in ihre Storage-Architektur zu integrieren. Diese Integration ist selbst bei Software-Defined-Speicher-Lösungen möglich. Bei der Auswahl des Storage-Herstellers ist vor allem wichtig, welche Möglichkeiten der Konsolidierung in den nächsten drei bis fünf Jahren bestehen. Konsolidierung bedeutet in diesem Zusammenhang, die heterogene Storage-Landschaft, die wir bei vielen Kunden sehen, wieder zu vereinfachen. Vor dem Durchbruch der Flash-Technologie haben sich viele unserer Kunden für verschiedenste Speicheranforderungen Insellösungen aufgebaut. Mit Flash sollten aber keine weiteren hinzukommen. Ebenso ist zu beachten, welche Garantien die Hersteller beim Thema Flash aussprechen. Flash-Medien nutzen sich ab und werden komplett verbraucht, sofern der Storage keine geeigneten Instandhaltungsmechanismen besitzt.

ITM: Wie gestaltet sich die Integration der Flash-Speicher in die IT-Landschaft eines Unternehmens? Mit welchen Herausforderungen ist zu rechnen? Was sind häufige Stolpersteine?
Bettges:
Die Integration einer Flash-Architektur sollte für das Unternehmen keine weitere Insellösung darstellen. Zudem sollten Unternehmen an ein neues Flash-System die gleichen Anforderungen stellen wie an ihre bisherige SAN-Umgebung. In Deutschland ist die Möglichkeit einer synchronen Spiegelung ein weiteres, oft angesprochenes Kriterium. Vor allem, wenn der Wunsch nach einem großen Flash-Anteil oder sogar einer All-Flash-Architektur besteht, bedarf es der Betrachtung der Latenzwerte, mit denen die Systeme arbeiten. Genauso ist die Backup-Integration bei der Anschaffung zu bedenken. Die Investition fällt natürlich kleiner aus, wenn das Unternehmen die gleichen Systemarchitekturen einsetzt, die zuvor schon mit herkömmlichen Festplatten oder als Hybrid-System in Betrieb waren.

ITM: Ist es für Mittelständler sinnvoll, ausschließlich auf Flash-Storage zu setzen? Oder wäre das problematisch?
Bettges:
Heute stellt sich diese Frage noch nicht in vollem Umfang. In jedem Unternehmen gibt es Bereiche, die geringere Kapazitäten benötigen, beispielsweise Außenstellen. Solche Bereiche eignen sich für den Einsatz von Software-Defined-Speicher-Umgebungen. Hier könnten Unternehmen zwar auch ausschließlich mit Flash arbeiten, in der Praxis kommen jedoch vornehmlich Tiering-Mechanismen zum Einsatz. Für das zentrale Storage sehen wir von HP heute durchaus Ansätze für All-Flash-Konfigurationen und haben solche Projekte auch bereits mit unserer 3PAR-Architektur umgesetzt. Viel wichtiger ist es aber, dass Hersteller Möglichkeiten aufzeigen, die die beiden Welten SAN/Hybrid-SAN-SDS und All-Flash im Unternehmen kombinieren und in den nächsten fünf Jahren weiter zusammenführen.

ITM: Welche Zukunft sagen Sie der Flash-Technologie voraus?
Bettges:
Flash-Technologie ist derzeit schnell und erfolgreich. Damit meine ich, dass wir innerhalb der nächsten 12 Monate ein enormes Wachstum von Flash-Speichern sehen werden. Allerdings ist die Zukunft von Flash auch kurzlebig, denn die IT forscht an Technologien wie Storage Class Memory, beispielsweise Memristor von HP. Diese haben das Potential, Flash aus dem Online-Storage-Bereich zu verdrängen. Denn ein Nachteil, den Flash mit sich bringt, ist der Abnutzungsprozess. Das Medium eignet sich folglich nicht dazu, in hoher Geschwindigkeit immer wieder neu beschrieben zu werden. Als Lesemedium hingegen ist der Flash-Speicher sehr haltbar. Die Zukunft der Flash-Speicher wird somit langfristig im Archivbereich liegen, wo wir heute noch mit Festplatten oder Tapes arbeiten.

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