Dienstleister orientieren sich neu

Abschied von der „alten Denke“

Im Interview beschreibt Michael Babylon, Geschäftsführer bei der MTI Technology GmbH, wie sich in Sachen IT-Services für den Mittelstand immer mehr das Bild vom Kistenschieber zum Dienstleister verschiebt.

MTI-Geschäftsführer Michael Babylon

„In einem hart umkämpften Markt ist die Mitarbeiterzufriedenheit eines der wichtigsten Güter eines Unternehmens“, unterstreicht MTI-Geschäftsführer Michael Babylon.

ITM: Herr Babylon, was müssen IT-Dienstleister heute leisten, um Mittelstandskunden nicht nur zu gewinnen, sondern auf Dauer zufriedenzustellen?
Michael Babylon:
Zum einen sind IT-Dienstleister mit komplexen und unterschiedlichen Branchenanforderungen der Kunden konfrontiert. Hierbei ist zu beachten, dass die IT-Abteilungen in vielen Branchen mit den an sie gestellten Aufgaben oftmals überfordert sind. Zum anderen zählen nach wie vor Qualität, Zuverlässigkeit, der enge Kundenkontakt und der Fokus auf den jeweiligen Geschäftsbetrieb als auch die Verbesserung der Prozesse zu den wesentlichen Erfolgsfaktoren.

ITM: In Anbetracht des Mangels an qualifizierten IT-Spezialisten neigen Firmen dazu, einen IT-Dienstleister zu beauftragen. Wie gewinnen die IT Dienstleister selbst heute die notwendigen Spezialisten?
Babylon:
In einem hart umkämpften Markt ist die Mitarbeiterzufriedenheit eines der wichtigsten Güter eines Unternehmens. Deshalb ist nicht nur das Gewinnen von neuen Kollegen die Hauptaufgabe. Vielmehr sollte das Augenmerk auch darauf gelegt werden, die bestehenden Mitarbeiter im Unternehmen zu halten. Hierbei ist die finanzielle Ausgestaltung nicht das entscheidende Kriterium, sondern andere Optionen, wie beispielsweise die Anzahl der Urlaubstage, die Möglichkeit von Zuhause aus zu arbeiten, Weiterbildungsmöglichkeiten und die Chancen sich als Mitarbeiter eigenverantwortlich ins Geschäft mit einbringen zu können.

ITM: Vom Kistenschieber zum Dienstleister. Wie schätzen Sie die Servicequalität von IT-Dienstleistern heute ein und wohin sollte sich der Markt bewegen?
Babylon:
Ein Großteil der Servicequalität ist immer noch geprägt durch „altes Denken“, weil in der Vergangenheit das Verständnis des Themas „Service“ im Wesentlichen durch „Break & Fix“ definiert war. Für die Zukunft ist es für IT-Dienstleister zwingend erforderlich, dass die Themen „operative Unterstützung“ und „Verbesserung der Geschäftsprozesse“ ein wesentlicher Bestandteil werden.

ITM: Mit welchen herausfordernden Änderungen muss ein Unternehmen im Hinblick auf die vorhandene Infrastruktur rechnen?
Babylon:
In der Vergangenheit gab es hinsichtlich der Infrastruktur die Schwerpunkte Computersysteme, Netzwerk, Rechenzentrum und Anwendungen. Aktuell verändert sich der Schwerpunkt in Richtung Applikations-Support, Einbindung aller netzwerkfähigen Geräte, wie Internet of Things (IoT) und das Management der anfallenden Datenmengen.

ITM: Wie haben Ihre Kunden in der Vergangenheit die Cloud genutzt und wie sieht das Zukunftsszenario aus?
Babylon:
Der Hype um die Cloud ist der Realität gewichen. Ein Großteil der Kunden hat mittlerweile die Erfahrung gemacht, dass auch Cloud-Dienste nicht kostenlos sind und im jeweiligen Einzelfall einer genaueren Betrachtung unterzogen werden müssen. Dies führt dazu, dass in jedem Fall eine detaillierte und übergeordnete Betrachtung auch unter Berücksichtigung der Private Cloud Anwendung finden muss. Dies sind Gründe, weshalb viele Unternehmen mittlerweile auf einen hybriden Cloud-Ansatz setzen.

ITM: Wie stark nutzt der Mittelstand Managed-Services-Angebote?
Babylon:
Managed Services werden in den meisten Fällen in Bereichen nachgefragt, in denen der Innovationsdruck am höchsten ist und die Spezialisierungsanforderungen dies erwarten lassen. Hinzu kommt eine große Nachfrage im operativen Bereich (etwa Backup und Sicherheit) weil die hier zu erbringenden Leistungen klar und deutlich definiert werden können. Eine weitere Nachfrage besteht hinsichtlich der Vertretung in Urlaubszeiten, bei Krankheitsfällen oder bei anderen Ausfällen.

ITM: Welche Auswirkungen hat die aktuelle Bedrohungslage in der IT-Security auf Anfragen von Kundenseite?
Babylon:
Sowohl IT-Marktforscher als auch wir schätzen die Bedrohungslage als kritisch ein, da immer mehr gezielte und komplexe Attacken stattfinden. Leider sind sehr viele Unternehmen gegen diese Art der Angriffe nicht besonders gut geschützt und aufgrund der Komplexität sind auch viele IT-Teams in Unternehmen unsicher, welche die richtigen Schritte in der Cybersicherheit sind. In Folge häufen sich bei uns im ersten Schritt Anfragen für Penetrationtests, damit die existierende Security getestet wird und damit mögliche Lücken gefunden werden. Sehr oft folgen im Anschluss Managed-Security-Services, bei denen wir für den Kunden den Betrieb und das Monitoring der Sicherheit übernehmen.

Bildquelle: MTI

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok