Trotz „kinderleichtem“ Umstieg

Ältere Arbeitnehmer scheuen All-IP

Laut Dagmar Geer, Vorstandsvorsitzende der Innovaphone AG, ist der Umstieg auf All-IP „kinderleicht“. Man müsse allerdings die Mitarbeiter „mitnehmen“ und ihnen erklären, welche Vorteile sie von der Umstellung hätten. Vor allem ältere Arbeitnehmer stünden moderner Technologie und einer neuen Art und Weise, zu kommunizieren, ab und zu eher skeptisch gegenüber.

Dagmar Geer, Innovaphone

„Im Moment wird der Begriff ‚Next Generation Network’ schlagwortartig und auch gern für Marketing-Zwecke verwendet“, weiß Dagmar Geer von Innovaphone.

ITM: Frau Geer, welche Chancen bietet der Übergang von ISDN zu All-IP für den deutschen Mittelstand?
Dagmar Geer:
Mit der Umstellung auf All-IP ist für mittelständische Unternehmen die Chance verbunden, in das Thema „Unified Communications“ (UC) einzusteigen, mit allen Annehmlichkeiten, die eine moderne UC-Lösung mit sich bringt: effektiveres Arbeiten, auch international über mehrere Standorte hinweg sowie Zugang zu Anwendungen, die die Mitarbeiter aus dem Privatleben bereits kennen wie z.B. Chat oder Videokonferenz. Natürlich setzt dies erst einmal die Investition in eine Modernisierung der Infrastruktur voraus – mit einer alten Telekommunikationsanlage (TK) lassen sich moderne UC-Lösungen nur schwer umsetzen. Doch unterm Strich zahlt sich diese Investition sehr schnell in Form von optimierten Arbeitsvorgängen aus.

ITM: Inwieweit haben Mittelständler das Thema „All-IP“ überhaupt auf dem Schirm und sind sich über dessen Bedeutung bewusst?
Geer:
Das Bewusstsein über die Umstellung auf All-IP und die damit verbundenen Veränderungen hält sich noch in Grenzen. Manchmal werden Mittelständler erst durch eine Mitteilung der Telekom darauf gestoßen, die darauf hinweist, dass es in Kürze kein ISDN mehr gibt. Die Vorteile und neuen Möglichkeiten von Unified Communications sind hingegen Vielen noch nicht bekannt.

ITM: Wie weit ist die Umstellung auf All-IP konkret im Mittelstand vorangeschritten?
Geer:
Das ist schwer zu beantworten, da uns hierzu keine verlässlichen Daten vorliegen. Auf jeden Fall können wir als Unified-Communications-Hersteller erfreulicherweise hohe Umsatzzuwächse verzeichnen. Da unsere Kunden in erster Linie aus dem Mittelstand kommen, scheint die Umstellung auf jeden Fall im Gang zu sein.

ITM: Was hält das eine oder andere Unternehmen noch davon ab, auf All-IP umzusteigen?
Geer:
Wie bei jeder neuen Technologie überwiegt bei vielen Unternehmen erst einmal die Skepsis. Während die Vorteile und Chancen unklar sind, steht auf jeden Fall fest, dass mit der Umstellung Kosten verbunden sind, d.h. es überwiegt eventuell das Misstrauen in die ungewisse Technik und die neue Art der Kommunikation. Da muss man als Hersteller vorab solide Überzeugungsarbeit leisten und die Vorteile deutlich aufzeigen.

ITM: Welche Anforderungen müssen für einen Umstieg auf All-IP zunächst erfüllt sein?
Geer:
Grundsätzlich muss das Netzwerk ordentlich aufgebaut sein und eine entsprechende Bandbreite zur Verfügung stehen. Das sind aber Voraussetzungen, die bei den meisten Firmen mittlerweile ohnehin gegeben sind.

ITM: Wie „einfach“ ist der eigentliche Wechsel tatsächlich? Sprich: Mit welchen zeitlichen, personellen und finanziellen Herausforderungen müssen die Anwender beim Umstieg rechnen?
Geer:
Hier gibt es generell zwei Möglichkeiten: Man kann erstens die Investition auf einmal tätigen und einen kompletten Anlagenaustausch vornehmen. Oder, zweitens, man migriert Schritt für Schritt und kann die Kosten mit dieser Vorgehensweise auf einen längeren Zeitraum verteilen. Wie bieten die letztere Möglichkeit unter dem Stichwort „sanfte Migration“ an. Prinzipiell ist der Wechsel zu All-IP kinderleicht: Im ersten Schritt benötigt man lediglich ein VoIP-Gateway zum Umsetzen von ISDN auf IP.

ITM: Was gilt es bei der Migration auf jeden Fall zu beachten? Welche Stolpersteine können auftreten?
Geer:
Man muss einerseits einen sauberen Migrationsplan haben, um Interoperabilitätsprobleme zwischen alter und neue Technik zu vermeiden. Andererseits muss man die Mitarbeiter „mitnehmen“ und ihnen erklären, welche Vorteile sie von der Umstellung auf All-IP haben. Vor allem ältere Arbeitnehmer stehen moderner Technologie und einer neuen Art und Weise, zu kommunizieren, ab und zu eher skeptisch gegenüber.

ITM: Wie gestaltet sich die Integration von Mobilgeräten in eine All-IP-Umgebung?
Geer:
Wählt man den Weg der „sanften Migration“, so bleibt zunächst alles so, wie es ist, inklusive der alten Dect-Infrastruktur und der alten Telefonendgeräte. Das Einzige, was dazu kommt, ist ein Gateway, das von ISDN auf IP umsetzt. Bei einer neuen UC-Umgebung kommt es auf den Hersteller und auf dessen Produktportfolio an.

ITM: Wie ist es hierbei um die Sicherheit bestellt?
Geer:
Das ist ein wichtiger Punkt, bei dem man Sorgfalt walten lassen muss. Die entsprechenden Mechanismen kann man extern zusammenstellen. Optimaler ist es aber sicherlich, wenn der UC-Hersteller diverse Sicherheitsprotokolle und -mechanismen aus einer Hand anbieten kann. So setzen wir beispielsweise auf moderne Sicherheitsprotokolle wie DTLS-SRTP, die eine Verschlüsselung von Endgerät zu Endgerät ermöglichen. Damit ist man sicherheitstechnisch auf jeden Fall gut aufgestellt. Desweiteren haben wir Sicherheitsmechanismen wie den sog. Session Border Controller (SBC) oder den Reverse Proxy in unsere Anlagen integriert. Damit sind insbesondere Anywhere-Workplace-Szenarien gegen Angriffe von außen geschützt.

ITM: Ein Begriff, der in Zusammenhang mit All-IP häufiger fällt, lautet „Next Generation Network“ (NGN). Was verbirgt sich dahinter? Nur eine Marketing-Phrase?
Geer:
Im Prinzip bezeichnet dieser Begriff nichts anderes als die Umstellung auf All-IP. Unterschiedliche Dienste – Kommunikation, aber auch Fernsehen etc. – werden nur noch in einer Infrastruktur abgebildet, daher auch der Begriff „All-IP“. Im Moment wird der Begriff „Next Generation Network“ schlagwortartig und auch gern für Marketing-Zwecke verwendet. Durch die Umstellung können auch andere Player als bisher wie beispielsweise Internet-Provider oder Google Telekommunikationsdienste anbieten.

ITM: Welche Problematiken sehen Sie noch bis 2018 bzgl. All-IP auf die Unternehmen zukommen?
Geer:
Wir sehen das als völlig unproblematisch.

Bildquelle: Innovaphone

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