Neue Telematikinfrastruktur

Ärzte, vernetzt Euch!

Um das deutsche Gesundheitswesen zu digitalisieren wurde in den letzten Jahren die Telematikinfrastruktur entwickelt, an die nun Ärzte und Praxen angeschlossen werden. Damit entsteht ein eigenes, besonders geschütztes Datennetzwerk für die Gesundheitsbranche. Aber wie sieht es heute in einer Arztpraxis aus? Und wie gelingt der Schritt in die vernetzte Zukunft?

Arzt blickt auf Tablet und digitale Daten

Wie können Ärzte oder Praxen die Inbetriebnahme der Telematikinfrastruktur am besten meistern?

Ein typisches Szenario in einer Hausarztpraxis: Dr. Anna Müllers Wartezimmer ist voll, es warten Impfungen, Heuschnupfen, einige Infekte … „Wir wollten heute noch über den Telematikanschluss sprechen”, erinnert sie die Sprechstundenhilfe. Die Allgemeinmedizinerin seufzt. Sie weiß aber, dass sie sich damit auseinandersetzen muss. Sie lehnt ein digitales Gesundheitswesen auch nicht grundsätzlich ab. Der direkte Datenaustausch mit anderen Ärzten zum Beispiel hört sich prima an. Aber der Weg dahin erscheint lang und steinig.

Die Telematikinfrastruktur ist für jeden niedergelassenen Arzt in Deutschland – 2017 waren das rund 385.000 – ein Thema. Dazu kommen noch knapp 2.000 Krankenhäuser und rund 2.800 medizinische Versorgungszentren. Es sind jedoch vor allem die rund 120.000 Praxisinhaber, die den erfolgreichen Start der Telematikinfrastruktur in der Hand haben. Eine Milliarde Praxiskontakte zählte die Ärztekammer im vergangenen Jahr. Sie alle sicher in die neue Infrastruktur zu bringen, ist das wahre Kunststück der E-Health-Transformation.

Begeisterung der Ärzte hält sich in Grenzen

Dass Ärzte bislang nicht durchweg begeistert sind liegt auch daran, dass sich der Aufbau der Telematikinfrastruktur länger hinzog als geplant. Der Zeitaufwand ist vor allem den gesetzlichen Anforderungen an die Datensicherheit geschuldet. So muss jede Anwendung und jedes Gerät, dass in der Telematikinfrastruktur zum Einsatz kommen soll, vorab eine Zulassung durch die Gematik (Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte) erhalten – was umfangreicher Tests bedarf.

Dr. Müller ist unschlüssig. Gehört und gelesen hat sie schon viel darüber, aber sie wollte erst einmal abwarten, welcher Aufwand wirklich entsteht. Immerhin hat sie mit rund 750 Patienten pro Quartal genug zu tun. Und die Liste der Geräte und Aufgaben, die der Telematikinfrastruktur-Anschluss mit sich bringt, ist lang: Kartenterminal, Konnektor, VPN, Praxisausweis etc. Darüber hinaus hat ein Kollege von Dr. Müller vor kurzem schlechte Erfahrungen gemacht. Statt der geplanten vier Stunden nahm die Installation vier Wochen in Anspruch. Ob man das besser machen kann?

Alle Daten auf Knopfdruck

Was sich recht komplex anhört, kann jedoch einige Vorteile für Arztpraxen und Patienten mit sich bringen:

  • Keine Probleme mehr mit fehlenden oder falschen Patientenstammdaten: Krankenkassen mussten bislang die bei den Ärzten und in den eigenen Systemen unterschiedlichen Daten mit, für beide Seiten hohem, Aufwand abgleichen. Das entfällt. Auch die Patienten profitieren von der einheitlichen Datenbasis: Nach einem Umzug etwa müssen sie dann nicht mehr bei jedem Arzt ihre neue Adresse angeben. Dieser sinnvolle Datenaustausch gehört zu den Pflichtanwendungen im Rahmen der Telematikinfrastruktur-Anbindung.
  • Direkter Zugriff auf alle Notfalldaten: Die Hausärzte haben zwar die meisten Daten, aber eben in der Praxis-Software. Was nützt das dem Patienten im Krankenhaus? Oder kürzlich, Patienten auf der Straße kollabieren und ein Rettungsteam zum Einsatz kommt. Sind solche entscheidenden Daten auf der Krankenkassenkarte gespeichert, helfen sie Patienten und Ärzten gleichermaßen. Diese Funktion ist allerdings eine freiwillige Anwendung und bedarf der Zustimmung des Patienten.
  • Alle Medikamente des Patienten sind erfasst: Dies ist ein großer Vorteil für Hausärzte, insbesondere in der Sprechstunde: Nicht immer können Patienten darüber Auskunft geben. Wie bei dem Asthmapatienten, dem der Pulmologe ein neuartiges Spray verordnet hatte, das sich allerdings rein gar nicht mit den Medikamenten vertrug, die ihm Dr. Müller verschrieb. Auch diese Angaben sind freiwillig.

Geht es um die Installation erhalten Hausärzte wie Dr. Müller eine stattliche Liste, die für die erfolgreiche Telematikinfrastruktur-Praxisanbindung abgearbeitet werden muss: Das sicherheitstechnische Herzstück ist der Konnektor. Er ermöglicht eine schnelle und reibungslose Telematikinfrastruktur-Anbindung mittels VPN-Zugangsdienst und ist der Wächter an der Schnittstelle zwischen Praxis und Telematikinfrastruktur. Der Konnektor ist mit dem Kartenlesegerät und dem Praxisverwaltungssystem (PVS) verbunden. Beide müssen im Rahmen der Anbindung zugelassen bzw. durch ein von der Gematik zugelassenes Gerät ersetzt werden (E-Health-Kartenterminal). Auch mobile Kartenlesegeräte, z. B. für Hausbesuche, werden in der Praxis mit dem Konnektor verbunden – und sind ebenfalls zu erneuern.

Der VPN-Zugangsdienst ist eine weitere wichtige Neuerung. Zusätzlich zu einem Internetanschluss wird eine Software benötigt, die die Daten des Praxisverwaltungssystem via Konnektor in die Telematikinfrastruktur übermittelt. Dieser VPN-Zugangsdienst wird genauso umfänglich vor der Zulassung geprüft wie alle anderen Komponenten.

Der Praxisausweis (auch: SMC-B-Karte) ist ein drittes wesentliches Element zur Telematikinfrastruktur-Anbindung: Vergleichbar mit der SIM-Karte eines Mobiltelefons identifiziert er die Praxis und steckt zu diesem Zweck dauerhaft im Kartenterminal. Zum reibungslosen Ablauf empfiehlt sich auch der Heilberufe-Ausweis, der überhaupt erst ermöglicht, dass Ärzte selbst auf sichere Art und Weise Daten in die Telematikinfrastruktur schicken können. Dr. Müllers Befürchtung wächst. „Müssen wir das denn wirklich machen?“ grummelt sie. „Ja!”, so die prompte Antwort, denn nach § 291 Abs. 2b SGB sind Arztpraxen dazu verpflichtet, sonst drohen Strafzahlungen in Höhe eines noch festzulegenden Strafmaßes.

Sind Ärzte oder Praxen mit der Einführung überfordert, dann können spezialisierte Services weiterhelfen, die bei der Inbetriebnahme der Telematikinfrastruktur tatkräftig unterstützen können. Dies erkennt Dr. Müller auf dem Flyer „Mein Zugangsdienst“ von Arvato Systems, Secunet und eHealth Experts. Zudem sei dies auch die Empfehlung ihres Praxisdienstleisters. Auch, weil dort ein E-Learning-Modul für die technischen Fachangestellten enthalten sei, berichtet ihre Assistentin. Und die Hardware, der Konnektor, sei schnell und speziell für die Telematikinfrastruktur entwickelt worden.

Bildquelle: iStock/Getty Images Plus

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