Gebäude- und IT-Organisation optimieren

Alles für mehr Nachhaltigkeit

Mit entsprechenden Maßnahmen in der Gebäude- und IT-Organisation lassen sich die Energiekosten deutlich senken.

Das Zentrum für virtuelles Engineering (ZVE) des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation setzt auf ein futuristisches Gebäude-Management-System, um die Energiekosten zu senken.

Hans Sieder dreht an vielen Stellschrauben. Im Ergebnis spart der Unternehmer richtig Geld. Um 4.000 Euro pro Jahr hat der IT-Spezialist und Chef von Sieger Consulting die Ausgaben für Strom reduziert. Für eine Firma mit 35 Mitarbeitern ein ordentliches Pfund. Allerdings geht es dem 37 Jahre alten nicht allein ums Geldsparen. „Wir wollen nachhaltig wirtschaften“, sagt Sieder. Und der Nachwelt nicht so viele Probleme hinterlassen, betont der Geschäftsführer aus Neuberg bei Frankfurt. Angepackt hat er das Vorhaben, um Ressourcen zu schonen, bereits vor drei Jahren. Sieger Consulting schickte einen Mitarbeiter zum TÜV Süd, um sich in ISO 14001 fit zu machen. Diese internationale Umweltmanagementnorm prüft Prozesse in Unternehmen anhand von Ökobilanzen, Umweltkennzahlen und bewertet Leistungen nach deren Energiesparpotential.

Als Ergebnis hat Sieger Consulting in der Zwischenzeit einen ganzen Strauß an Maßnahmen umgesetzt. So verschwanden alle Desktoprechner von den Arbeitsplätzen. „Notebooks und Laptops ersetzten diese, weil sie deutlich weniger Energie fressen“, sagt Sieder. Dazu wurden, wo möglich, stromintensive, elektromagnetische Speicherplatten durch SSD (Solid-State-Drive) ausgetauscht. Statt sieben Watt benötigen die neuen SSD-Speicher im Schnitt gerade einmal 0,7 Watt Strom pro Stunde. Zudem schalteten Sieder und Kollegen drei Server ab, indem die Serverlandschaft virtualisierte wurde. Den nötigen Speicher kauft er nun aus der Cloud zu. „Heute läuft der gesamte E-Mail-Verkehr über die Datenwolke“, verdeutlicht der Mittelständler. So haben die Berater interne Chats, Wikis und andere Ablagesystem komplett ausgelagert. Zudem rät Sieder bei Notebooks, die Energieprofile nie auf Maximum zu stellen und Bildschirmschoner auszuschalten. Würden die Rechner Höchstleistung benötigen, würden sie die Energie auch im Sparmodus ziehen, die es zum Arbeiten braucht, verdeutlicht der Geschäftsmann.

Reduziert hat Sieger Consulting auch die Kosten für Beleuchtung. In den 500 m² großen Büros wurden alle Lichtschalter gegen Bewegungsmelder ausgetauscht. So brennen die Leuchten nur, wenn Menschen in den Büros arbeiten. In der Mittagspause und abends gehen die Lichter nach zwei Minuten aus. Und wird einmal länger gearbeitet, müssen Entwickler oder Putzkraft das Licht händisch nachregeln. Stehen Neuanschaffungen wie zusätzliche Büromöbel an oder wird alte Hardware durch neue ersetzt, achtet der nach ISO-Umweltnorm geschulte Mitarbeiter auf die grauen Energiekosten. Graue Energie fließt, wenn Produkte hergestellt, transportiert, gelagert, verkauft und entsorgt werden. „Wir kaufen nur noch Waren ein, die umweltfreundlich und energiesparend produziert wurden“, sagt Sieder. Entsprechende Öko-Zertifikate müssten die Lieferanten vorweisen können, um mit dem Entwicklungshaus ins Geschäft zu kommen.

Daniel Adler, technischer Leiter IT der Erdt-Gruppe in Viernheim, sind diese Maßnahmen zum Stromsparen ebenfalls bekannt. In Sachen Energieeffizienz hat der EDV-Verantwortliche schon vor Jahren gehandelt. So wird das gesamte Gelände und die Logistikhallen des Dienstleisters für Fulfillment, Logistik und Co-Packing mit IP-Kameras überwacht. An Rolltoren, Einfahrten und Wegen sind insgesamt 50 Kameras angebracht. Statt hier günstige Cams zu installieren, hat die Erdt-Gruppe beim Marktführer eingekauft. Amortisiert hat sich die Investition innerhalb von drei Jahren. „Denn die Spezialkameras sind wahre Energievermeider“, betont Adler. Sein Chef Torsten Kühlwein geht noch einen Schritt weiter. Der Geschäftsführer der Firmengruppe macht sich permanent Gedanken um Nachhaltigkeit. Der 8.800 m² große Neubau einer Logistik- und Produktionshalle wird daher nach klimaneutralen Aspekten errichtet. Eine Photovoltaikanlage auf dem Firmendach, eine spezielle Isolierung der Fassade sowie eine Energiewärmepumpe sorgen dafür, dass das Gebäude bis zu Dreiviertel des täglichen Energiebedarfs selbst deckt. Gesteuert werden die einzelnen Komponenten mittels intelligenter IT, wie sie etwa der Kommunikationsspezialist Heldele aus dem württembergischen Salach programmiert und installiert.

Ein anderes Beispiel findet man in Stuttgart-Vaihingen. Hier ist die Zukunft Gegenwart: Zwei imposante 103-Zoll-Displays begrüßen die Mitarbeiter im Foyer des Zentrums für virtuelles Engineering (ZVE) des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation. Die großen Bildschirme sind einfach zu bedienen und ermöglichen den Zugriff auf die Server des Forschungsinstituts. Die Mitarbeiter des Instituts buchen dort morgens den Schreibtisch, an dem sie ihren Arbeitstag verbringen. Auch dezentral, vor den einzelnen Räumen des ZVE sind Touchscreens installiert. Sie geben Auskunft über Raumbelegung, Temperatureinstellung und Stand der Jalousien. Schöpfer des futuristischen Gebäudemanagementsystems sind Stefan Köberle und Patrick Ortwein, Mitarbeiter von Heldele. Zusammen mit ihrem vierköpfigen Medientechnikerteam haben sie den Neubau nicht nur mit Strom- und Netzwerkinfrastruktur ausgestattet, sondern auch Medien- und Informationstechnik integriert. „Es gab bereits Insellösungen am Markt, doch irgendwas hat immer gefehlt. Wir haben deshalb eine neue Bedienung programmiert“, erklärt Köberle. So wie es sich das Team ins Pflichtenheft geschrieben hatte, ist sie intuitiv bedienbar und grafisch ansprechend. Praktisch im Baukastensystem kontrolliert die Software neben den Gebäude- und Klimafunktionen auch IT-, Kommunikations-, Sicherheits- sowie Medientechnik. Das Ziel: durch besten Überblick und leichtere Analyse den Energieverbrauch senken. So steuert die Software einen virtuellen Himmel an der Zimmerdecke im Auditorium: Mit LED-Technik lassen sich hier Sonnenschein, Bewölkung, Abend- oder Morgenstimmung simulieren. Nur das Geräusch zwitschernder Vögel fehlt. 

Bildquelle: © Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation

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