Die Weichen stellen

Alles smart – alles gut?

Auch im Human Resource Management (HRM) machen sich Veränderungen durch die Digitalisierung bemerkbar. Immer stärker fungiert die Abteilung als zentraler strategischer Partner für die Unternehmensführung. Doch für eine effektive Umsetzung digitaler Entwicklungen müssen die Verantwortlichen zunächst die entsprechenden Weichen stellen.

Mann am Schreibtisch

Nachholbedarf haben Personaler noch in Bezug auf die Automatisierung von Prozessen.

Vor allem im Recruiting verwenden die Verantwortlichen bereits moderne Technologien. So beschleunigen beispielsweise Vorstellungsgespräche über Video-Chats, digitale Assessment-Center und Karriereberater in Form von Chatbots die Bewerbungsprozesse. Hinzu kommen moderne Auswahlsysteme, die mithilfe von Algorithmen eine Vorauswahl passender Bewerber treffen – gerade in Zeiten des Fachkräftemangels eine wichtige Automatisierung.

Doch es gibt auch bisher ungenutzte digitale Potentiale im HRM, u.a. im Vergütungsmanagement. Dabei haben sich auch die Anforderungen der Mitarbeiter in den vergangenen Jahren gewandelt. Beschäftigte legen demnach großen Wert auf Anerkennung ihrer geleisteten Arbeit durch Vorgesetzte. Regelmäßiges Feedback steigert die Motivation der Angestellten, was wiederum positive Auswirkungen auf Produktivität und Unternehmenskultur mit sich bringt. Auch hier bieten sich Managern neue Chancen durch die Digitalisierung, wie beispielsweise die Verwendung von Wearables in der Belegschaft.

Wir-Gefühl stärken

Bereits in der Freizeit bringen Fitness-Tracker, Smartwatches, Datenbrillen und Co. zahlreiche Vorteile mit sich, darunter der einfache Zugang zu Informationen, neue Möglichkeiten der Kommunikation oder die Förderung des Gesundheitsbewusstseins – Aspekte, von denen auch das Human Resource Management und somit das gesamte Unternehmen profitieren können. So sammeln die Mini-Computer vitale Daten der Person, die das Gerät trägt, und zeigen so auf, wie gestresst oder ausgeruht sie ist. Im Bedarfsfall kann der Teamleiter sogar eingreifen und Ressourcen umverteilen. Die Intention dahinter: Stressfreie Angestellte arbeiten produktiver, da sie einen höheren Grad an Motivation und Zufriedenheit aufweisen. Das wiederum senkt auf lange Sicht die Kosten für Unternehmen.

Zudem können Vorgesetzte in ihren Unternehmen mithilfe der Wearables Challenges durchführen. Beispielsweise erfassen Fitness-Tracker auch die Anzahl zurückgelegter Schritte. Die Abteilung, die in einem Monat gemeinsam die meisten Schritte zurückgelegt hat, erhält eine Belohnung. Das lockert nicht nur den Arbeitsalltag auf, sondern steigert zusätzlich die Motivation der Belegschaft und stärkt das Wir-Gefühl. Ein weiterer Vorteil der Mini-Computer ist die gestiegene Mobilität. Denn mit einem einfachen Blick auf das Handgelenk können Mitarbeiter die neuesten Informationen, Anrufe, E-Mails oder Nachrichten einsehen – ein praktischer Komfort, der sich vor allem im Außendienst und bei Kundenterminen vorteilhaft auswirkt.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 09/2018. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Nachholbedarf haben Personaler allerdings noch in Bezug auf die Automatisierung von Prozessen. Dabei ist es von besonderer Bedeutung, die Mitarbeiter in die Veränderungen einzubeziehen und so mögliche Hemmungen und Ängste zu minimieren. Denn anders als oftmals vermutet, nehmen Künstliche Intelligenz (KI), Roboter und Co. den Mitarbeitern nicht die Arbeitsplätze weg – vielmehr verschieben sich die Aufgabengebiete. Mithilfe von Automatisierungen können Standardaufgaben wegfallen. So entsteht Freiraum, den die Mitarbeiter nun für die neuen Aufgabenfelder nutzen können. Zudem ist eine qualitativ hochwertige Bearbeitung möglich, da die Angestellten über mehr Zeit verfügen, um den individuellen Anforderungen der Kunden nachzugehen.

Durch digitalisierte und automatisierte Prozesse benötigen Unternehmen nicht nur Personal mit Know-how, sondern auch die richtige Zusammensetzung der Teams. Auch hier rückt das HRM in den Fokus. Wie passen welche Mitarbeiter in welchen Teams zusammen, um das bestmögliche Ergebnis in einem Projekt zu erzielen? In Unternehmen kommt eine Vielzahl unterschiedlicher Persönlichkeiten zusammen. Diese Ressourcen gilt es effizient einzusetzen. Nur so können Manager das Potential bei Projektbearbeitungen ausschöpfen und sich gegen Wettbewerber durchsetzen.

Grenzen wahren

Bei allen technischen Neuerungen und dem einhergehenden Wandel müssen jedoch stets der Datenschutz und die Datensicherheit berücksichtigt werden, betont etwa das Beratungsunternehmen Acuroc GmbH. Schließlich steigt die Menge an Informationen kontinuierlich an. Diese gilt es kontrolliert zu sammeln und je nach Zweck auszuwerten. Dabei müssen die Beteiligten vor allem klären, wem die erworbenen Daten gehören. Das kann das Unternehmen selbst, der Mitarbeiter oder der Hersteller eines Gerätes sein. Zudem müssen die Verantwortlichen darauf achten, dass die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben nicht zu sehr verschwimmen. Denn durch das Tragen der Wearables steigt auch wieder der Aspekt der Erreichbarkeit – die Folge: Stress. Damit bliebe der positive Effekt auf die Gesundheitsförderung aus. Wichtig ist in jedem Fall, die Mitarbeiter mit entsprechenden Schulungen im Umgang mit den Geräten sowie über die gesammelten Daten zu informieren.

Bildquelle: Pixabay

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