Office online

Alternativen zu Microsoft und Google

Es müssen nicht immer die Marktführer sein. Wer sein Office online im Webbrowser nutzen will, findet eine ganze Reihe von Alternativen.

Person arbeitet mit Notebook vor sonnigem Fenster

Überall arbeiten können mit einem Cloud-Office bedeutet nicht zwingend Microsoft oder Google

Office-Pakete gehören für Unternehmen und Selbstständige zu den Schlüsselanwendungen am Computer. Da die meisten Leute bequem sind, greifen sie zum Marktführer Microsoft Office 365 oder zur G-Suite des ewigen Herausforderers Google. Tatsächlich sind diese beiden Office-Pakete mit allen nur denkbaren Funktionen ausgestattet, bieten sehr viel Komfort und besitzen zahlreiche nützliche Zusatz-Tools. So ist es gut möglich, seine gesamte Arbeit jeweils innerhalb der entsprechenden Markenwelt zu erledigen.

Doch damit bilden die Nutzer ein riesiges und sicher hochinteressantes Profil für die beiden Datenstaubsauger. Also sind Alternativen gefragt. Die fünf hier vorgestellten Bürohelfer sind ähnlich wie die Online-Module von Office 365 oder die G-Suite Cloudservices, die auf jedem beliebigen Gerät mit einem Webbrowser genutzt werden können. Wer häufig unterwegs oder an wechselnden Orten arbeiten will oder muss, setzt solche Möglichkeiten heutzutage meistens voraus. Darüber hinaus unterstützen die Webapps auch die Teamarbeit an Dokumenten.

Etherpad und EtherCalc

http://etherpad.org/ - https://ethercalc.org/

Etherpad ist ein webbasierter Texteditor, der als Open-Source-Software kostenlos genutzt werden kann. In Sachen Textbearbeitung gibt es alle wichtigen Grundfunktionen. Doch das eigentliche Highlight von Etherpad ist die Funktion zur Zusammenarbeit. Mit dem Editor können viele Personen gleichzeitig an einem Dokument arbeiten. Dabei sind alle Änderungen sofort bei allen Teilnehmern sichtbar und werden durch unterschiedliche Textfarben dargestellt. Zudem kann ein Chat eingeblendet werden, mit sich dem alle Bearbeiter eines Dokuments untereinander austauschen können.

EtherPad wurde vor fast zehn Jahren von Google gekauft und als Open-Source-Software freigegeben. Die Weiterentwicklung wird von einer Stiftung, der Etherpad Foundation vorangetrieben. Eine ebenfalls als OSS verfügbare Variante ist das schlankere Etherpad Lite. Es gibt eine Reihe von frei verfügbaren Etherpad-Installationen im Web, die über die Etherpad-Website gefunden werden können. Die Tabellenkalkulation EtherCalc ist ein analoges OSS-Projekt, das grundlegende, mit Excel vergleichbare Funktionen auch für die Zusammenarbeit von Teams anbietet. Es ist allerdings nicht so stark verbreitet wie EtherPad.

Dropbox Paper

https://paper.dropbox.com/

Paper ist Teil der Dropbox und kann von der Dropbox-Navigation aus aufgerufen werden – auch in der kostenlosen Version. Die App bietet alle Basisfunktionen einer Textverarbeitung inklusive eines anklickbaren Inhaltsverzeichnisses zum Anspringen bestimmter Textpassagen und eine Versionsverwaltung. Die Entwickler haben viel Wert daraufgelegt, eine übersichtliche Arbeitsumgebung zu schaffen. Bedient wird Paper nicht über Menüs und Symbolleisten, sondern Kontextmenüs. Wenn die Maus über einen leeren Absatz geht, erscheint eine Symbolleiste mit einigen Funktionen. Der Nutzer kann nun Text eingeben oder Tabellen, Videos, andere Dokumente und weitere Elemente einfügen. Text muss vor dem Formatieren markiert werden, damit eine Symbolleiste mit den entsprechenden Optionen auftaucht.

Auf der rechten Seite von Dropbox Paper erscheint eine Kommentarfunktion. Hiermit können der Besitzer des Dokuments oder andere Bearbeiter Anmerkungen einfügen können. Die Sharing-Funktion arbeitet mit E-Mail-Adressen, an die ein Link zum Dokument verschickt wird. Alternativ kann auch der Link selbst kopiert werden, um manuell irgendwo eingefügt zu werden. Eine Besonderheit ist die Präsentationsfunktion: ein Absatz kann auch sogenannte Abschnittsumbrüche enthalten, die als Slide-Trenner bei der Präsentation arbeiten. Ein Hinweis: Dropbox Paper ist kostenlos, erfordert aber ein Dropbox-Konto. Im Moment wird der Speicherplatz von Paper-Dokumenten nicht auf den verfügbaren Dropbox-Speicherplatz angerechnet.

OnlyOffice

https://personal.onlyoffice.com/de/

OnlyOffice ist eine für Privatleute kostenlose, umfassende Office-Anwendungen mit Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentation. Für Unternehmen gibt es darüber hinaus eine Version, die auf einem eigenen Webportal im Intranet installiert werden kann. Der Funktionsumfang der drei Module reicht an den der bekannten Office-Pakete heran. Die Tabellenkalkulation kann Diagramme erzeugen und kennt zahlreiche an Excel angelehnte Funktionen. Darüber hinaus gibt es für die Textverarbeitung eine eigene Tabellenfunktion sowie für alle Anwendungen einen Formel-Editor.

Die Enterprise-Version hat noch einige zusätzliche Module, so beispielsweise eine einfache Projektverwaltung, die auch Gantt-Diagramm kennt, eine E-Mail-Anwendung, ein Kalender und ein CRM-Modul. Beide Versionen unterstützen die Integration der Cloudspeicher Box, Dropbox, Google Drive und OneDrive sowie der beiden selbst gehosteten Speicher OwnCloud und NextCloud. Zusätzlich ist es möglich, WebDAV zum Speichern der Dateien auf entsprechend ausgerüsteten Servern zu nutzen. Intern werden die Dokumente im Format Office Open XML gespeichert, das auch von Microsoft unter den Kürzeln DOCX, XLSX, PPTX eingesetzt wird. Der Export in andere Formate wie CSV oder PDF ist aber möglich.

Quip

https://quip.com/

Die Webapp Quip Ist von Grund auf für Zusammenarbeit und Kommunikation aufgebaut. Es gibt drei Module für Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentation. Das Kalkulationsmodul bieten mehr als 400 Rechenfunktionen und alle üblichen Zahlenformate. Grundsätzlich funktioniert eine Quip-Tabelle wie Excel, aber es gibt eine Besonderheit: Mit dem @-Operator werden Personen referenziert und es gibt zahlreiche Kollaborationsfunktionen. Kernanwendung ist jedoch die Textverarbeitung, die alle wichtigen Grundfunktionen kennt. Ähnlich wie bei Dropbox Paper gibt es für jeden Absatz sowie markierten Text ein Kontextmenü. Außerdem bietet Quip zu jedem Dokument einen Feed, der alle Änderungen sowie Bemerkungen und Nachrichten enthält. Kommentare werden direkt in den Feed geschrieben.

Eine Besonderheit ist die Möglichkeit, kleine Module (Live-Apps) zur Büroorganisation in ein Textdokument einzufügen. Dazu gehören Kanban-Boards, Checklisten, Umfragen, Project-Tracker und Prozess-Schemata. In einer Art App Store gibt es zudem weitere Module, die Zugriff auf andere Webapps geben, beispielsweise für Diagramme oder Zeichnungen. Da Quip zu Salesforce gehört, ist auch eine einfache Integration in CRM vorgesehen. Direkt in Quip integriert ist eine Aufgabenliste, die ihren Inhalt aus frei wählbaren Checklisten in unterschiedlichen Dokumenten zusammenstellen kann. Ein Hinweis: Quip ist nicht gratis, kann aber kostenlos getestet werden. Anschließend werden 30 Euro pro Monat für ein Team mit fünf Personen fällig, jeder zusätzliche Nutzer kostet 10 Euro.

Zoho Docs

https://docs.zoho.com/

Das Docs-Modul von Zoho Office bietet Tag Verarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationen auf einem mit der G-Suite vergleichbaren Niveau. Die Textverarbeitung nutzt ebenfalls das Prinzip der kontextabhängigen Symbolleisten, die in diesem Fall nach dem Anklicken eines Symbols links vor dem Absatz oder nach dem Markieren von Text erscheinen. Ein klassisches Menü gibt es nicht, bei Bedarf lässt sich auf der linken Seite aber eine umfangreiche Werkzeugleiste einblenden. Praktisch für Umsteiger: der Import und Export von typischen Office-Formaten ist möglich.

Die Tabellenkalkulation dagegen kommt traditioneller daher. Sie bietet die von Excel bekannten Bedienelemente und Möglichkeiten inklusive der Eingabe von Formeln in deutscher Sprache. Darüber hinaus bietet das Gesamtpaket von Zoho Office zahlreiche zusätzliche Funktionen für E-Mail, Zusammenarbeit, Projekte, Geschäftsprozesse, Vertrieb und Marketing sowie Buchhaltung. Kurz: Das Gesamtpaket bietet alle Business-Anwendungen, die in kleinen bis mittelgroßen Unternehmen notwendig sind. Allerdings sind nur die Office-Grundfunktionen kostenlos, für zusätzliche Module beispielsweise zur Rechnungslegung oder Kundenverwaltung sind Gebühren fällig.

Fazit: Es gibt genug Alternativen

Die hier vorgestellten fünf Alternativen zu den Cloud-Office-Paketen von Microsoft und Google decken eine ganze Reihe von unterschiedlichen Bedürfnissen und Anwendungsszenarien ab. Wer in erster Linie an Texten zusammenarbeiten will, ist vermutlich mit einer der zahlreichen EtherPad-Instanzen im Web gut bedient. Wer darüber hinaus Wert auf elegante Formatierung und die unkomplizierte Speichermöglichkeit der Dropbox schätzt, ist ein Fall für Dropbox Paper.

Wer dagegen Wert auf ein umfassendes und vollständiges Office für private Zwecke legt, sollte sich vielleicht eher bei OnlyOffice oder Zoho Docs/Office anmelden. Letzteres bietet darüber hinaus zahlreiche Möglichkeiten für Unternehmen. Es eignet sich deshalb sehr gut für Neugründungen, die zunächst einmal kostengünstig ein Office-Paket nutzen wollen und anschließend bei wachsendem Kundenstamm auf Möglichkeiten wie CRM, Rechnungslegung und Buchhaltung aufsteigen wollen.

Quip ist ein Sonderfall, denn das Office bietet zwar den üblichen Funktionsumfang, verfolgt aber dabei Ansätze außerhalb der Standardlösungen. Durch die starke Anbindung an Salesforce CRM sowie die zusätzlichen Möglichkeiten für Aufgaben- und Projektverwaltung kann es ähnlich wie Zoho Office eine Reihe anderer Anwendungen ersetzen. So zeigt sich, dass es neben den Marktführern genügend Online-Offices mit vollkommen ausreichendem Funktionsumfang gibt.

Bildquelle: Thinkstock

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