18.03.2015 Wie Mittelständler von Apps profitieren können

App-Entwicklung für den Mittelstand

Von: Georg Ruppert

Immer mehr Mittelständler möchten ihren Kunden die Vorteile mobiler IT-Anwendungen an die Hand geben. Doch das Angebot an mobilen Applikationen in den gängigen App Stores in den ist schier unüberschaubar. Der Kreativität und dem Einfallsreichtum der App-Entwickler, so scheint es, sind kaum Grenzen gesetzt.

Tablet-Arbeit

Das mobile Arbeiten inklusiver der passenden App kann auch im Mittelstand Arbeitsprozesse beschleunigen.

Vor allem der bodenständige Mittelstand, der neben der Geschwindigkeit auf Wirtschaftlichkeit und Praxistauglichkeit setzt, sollte auf den Innovationszug „Mobile Apps“ aufspringen. So wagte beispielsweise die mittelständische Firma Rhewum aus Remscheid den Schritt in Richtung mobile Anwendung. Gemeinsam mit dem App- und Mobile-Games-Spezialisten „AppPlusMobile Systemhaus“ machte sich das Unternehmen auf den Weg, ein Smartphone-Programm zu entwerfen. „Bei einem Spaziergang“, berichtet Sigurd Schütz, Geschäftsführer des auf die Produktion von Siebmaschinen spezialisierten Unternehmens, „kam mir die Idee, eine App als innovative Ergänzung für das Marketing unserer Industrieprodukte herauszubringen. Diese sollte die eingebauten Funktionen eines handelsüblichen Smartphones – also Kamera, Blitz und Mikrofon – so nutzen, dass unsere Endkunden damit einen hohen Nutzen erhalten.“

Rhewum fertigt seit über 70 Jahren verschiedene Siebmaschinen und Förderrinnen. Die große Konkurrenz auf dem Weltmarkt und anspruchsvollere Kundenwünsche zwingen das Unternehmen, permanent seine Produkte zu verbessern und sie auf dem neusten technologischen Stand zu halten. Deswegen war der Weg zu einer kostenfreien Software, herunterladbar aus den Downloadportalen der Smartphone-Produzenten, für Kunden und Interessenten aus dem Siebmaschinenmarkt nicht weit. Und so entstand nach wenigen Wochen Projektlaufzeit ein praktisches Programm für den mobilen Einsatz der Siebmaschinenanwender. Der Funktionsumfang umfasste eine Schalldruckmessung sowie eine Messmöglichkeit der Maschinenvibrationen. Ein Instrument zur Messung von Korngröße und Verteilung des Siebgutes folgt. Ein Blick in die Details der App verrät den Praxisnutzen.

Das Feature Schalldruckmessung nutzt das eingebaute Mikrofon und zielt auf die einfache Erfassung von Lärmemissionen einzelner Maschinen oder eines Maschinenparks. Die Einhaltung etwa von Lautstärkegrenzwerten kann so schnell und unkompliziert überprüft werden; wichtig für die Feststellung der maschinellen Funktionstüchtigkeit oder als Hinweis für Schallschutzmaßnahmen. Mithilfe der LED-Leuchte im Smartphone und der Kamera werden dank der Stroboskopfunktion die Vibrationen der jeweiligen Anlage optisch erfasst. Was sonst teure Messgeräte besorgen, funktioniert vereinfacht dank der App als kostenfreier Service.Von Vorteil ist laut dem Mittelständler auch die sogenannte „Size Checker-Funktion“. Mit der Smartphone-Kamera nimmt der Industrieanwender etwa eine Handvoll seines granularen Produkts, das er zuvor auf einer Fläche ein wenig verteilt hat, auf. Das Foto schickt dann die App an die Server des Unternehmens, die anhand des Fotos in Bruchteilen von Sekunden Analysedaten zur Korngröße und zur Verteilung zurücksenden. Auf diese Weise können etwa Hersteller von Granulaten Aussagen zur Qualität ihrer Produkte treffen, was dann auch Rückschlüsse auf den Maschineneinsatz oder auf die Produktion erlaubt.

Unterstützung seitens der EU

„Das Projekt bei Rhewum steht für eine gelungene Allianz“, erklärt Stefanie Waschk, Projektleiterin von der von der EU und dem Land NRW geförderten Initiative Engage.NRW, die das kreative Entwicklerpotential aus der rasant wachsenden Spieleindustrie mit der traditionellen, mittelständisch geprägten Wirtschaft zusammenbringt. Sie verweist dabei nicht nur auf die innovative Schaffenskraft, sondern besonders auf die Beherrschung weiterer wichtiger industrieller Anforderungen, die die Entwickler aus dem Games-Umfeld mitbringen, wie die Echtzeitverarbeitung großer Datenmengen, Mobilität sowie Ergonomie der Nutzeroberfläche.

Das Fazit von Rhewum-Chef Sigurd Schütz lautet: „Die App liefert einen praktischen Nutzen nicht nur für unsere Kunden, sondern für alle, die Siebmaschinen für ihre Produktion nutzen. Mit unseren Anlagen liefern wir in Verbindung mit unserem technischen Know-how die Mathematik und die Daten, die in der mobilen Anwendung gebündelt und veredelt werden.“ Zusätzlich sieht Schütz auch die kommunikative Bedeutung einer Industrie-App, die sich in Fachkreisen auch dank der einfachen Beschaffung als Download in den Smartphone-Portalen leicht verbreiten kann.

 

Die Förderinitiative Engage.NRW …
… ist ein mit öffentlichen Mitteln gefördertes Projekt, das mittelständischen Unternehmen die Potentiale innovativer, kreativer Softwarelösungen näherbringt. In der Rolle eines neutralen Beraters und Mittlers zählen Machbarkeitsanalysen ebenso zum Service wie die Unterstützung bei der Auswahl des passenden Entwicklerteams.

Bildquelle: © Thinkstock/istockphoto

©2018 Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH