Digitaler Zwilling

Auf Bildungsreise in der virtuellen Welt

Logische Konsequenz eines langen Arbeitslebens ist ein gigantischer Wissensschatz. Diesen auch nachfolgenden Generationen zur Verfügung zu stellen, wird immer schwieriger. Erweiterte und virtuelle Realitäten sowie Technologien wie der digitale Zwilling haben sich dabei als wertvolle Tools herausgestellt.

Auf Bildungsreise in der virtuellen Welt

Als moderne Möglichkeiten zur Fort- und Weiterbildung haben sich in letzter Zeit vor allem Konzepte als tragfähig herausgestellt, die auf erweiterter Realität und virtueller Realität basieren.

Entwicklungen wie das Fehlen von Fachkräften und der rasche technologische Fortschritt machen vor allem in der industriellen Umgebung Lösungen nötig, um einen reibungslosen Wissenstransfer zwischen verschiedenen Generationen von Arbeitnehmern zu garantieren und zugleich eine zukunftsfähige Ausbildung zu ermöglichen. Als moderne Möglichkeiten zur Fort- und Weiterbildung haben sich in letzter Zeit vor allem Konzepte als tragfähig herausgestellt, die auf erweiterter Realität (Augmented Reality, kurz AR) und virtueller Realität (kurz VR) basieren. Durch die Möglichkeit, eine persönliche Note zu hinterlassen, bieten sie älteren Mitarbeitern auch die Chance zur Weitergabe von Fachwissen, das sonst nur schwer definier- und greifbar wäre. Zudem lassen sich moderne Instrumente wie AR und VR zeitlich und räumlich gesehen unbegrenzt einsetzen und können auf diese Weise einen Nutzen für ein besonders breites Publikum darstellen.

So können mithilfe von AR Anleitungen erstellt werden, die eine Vielzahl an Defekten oder Handlungsmuster abdecken können. Bei der Erstellung dieser Anleitungen und Videos können Mitarbeiter ihren eigenen Erfahrungsschatz, beispielsweise mit spezifischen Maschinendetails, weitergeben und relevante Hintergrundinformationen einbetten. Hinweise zu bestimmten Geräuschen, die die Instandhaltung eines Maschinenelements nahelegen, gehören genauso dazu wie „Dos and Dont’s“ des normalen Arbeitsalltags. Je nach Aufbereitung können aus diesen Anleitungen Schritt-für-Schritt-Videos oder auch interaktive Präsentationen erstellt werden. Mithilfe von AR-Brillen ist es aber auch möglich, dass neue Mitarbeiter direkt an der jeweiligen Anlage lernen, wie z.B. eine Antriebseinheit ausgetauscht werden kann. Hierzu können auch Hintergrundinformationen sowie Daten und Fakten zur jeweiligen Anlage im Blickfeld des jeweiligen Mitarbeiters eingeblendet werden und sogar konkrete Arbeitsanweisungen digital erfahr- und nachvollziehbar gemacht werden.

Der digitale Zwilling als virtuelle Schulbank

Mit der Corona-Pandemie zeigt sich aktuell ein weiterer Anwendungsfall, in dem AR viele Vorteile bringt. Mit einfachem Drag-and-drop lässt sich aus der Ferne Wissen teilen, indem man beispielsweise Montageanleitungen oder Videos erstellt und so gesammeltes Wissen auch in diesen Zeiten einfach teilen kann. 

Eine noch umfassendere Möglichkeit zur Aus- und Weiterbildung neuer Mitarbeiter bietet der digitale Zwilling. Vor allem durch höhere Rechnerleistungen und immer präzisere Nachbildungen realer Anlagen in einem virtuellen Raum lassen sich erlebbare Welten gestalten. Emulate3D, ein Unternehmen, das seit Anfang 2019 zu Rockwell Automation gehört, hilft bei der Erstellung. Wie genau die virtuelle Umwelt und der so entstandene digitale Zwilling der Realität gleichen, lässt sich z.B. anhand einer virtuellen Abfüllanlage für Getränkedosen verdeutlichen. Die Anlage besteht aus Tausenden einzelnen Gegenständen und Maschinenelementen – von der speicherprogrammierbaren Steuerung über ein HMI-Display bis hin zur einzelnen Getränkedose – und arbeitet mit den physikalischen und logischen Regeln der realen Welt. 

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Vielzahl an künftigen Möglichkeiten

Während AR-Anwendungen sich bereits in einigen Industrien etablieren konnten und sich in wenigen Jahren von beispielhafter Technologie zu tatsächlichen Anwendungsfällen entwickelt haben, nutzen derzeit nur wenige Unternehmen VR-Anwendungen zur Schulung ihrer Mitarbeiter. Das enorme Potenzial, das die Technologie allerdings birgt, zeigt sich bereits jetzt. Mitarbeiter an Anlagen auszubilden, die nur in einem virtuellen Umfeld existieren, ermöglichen gefahrlose Fehler und kostengünstige Schulungen an extravaganten Geräten. Vor allem aber die gesteigerte Flexibilität und die Möglichkeit eines Wissenstransfers ohne zeitliche oder räumliche Grenzen sprechen für weitreichende Anwendungsmöglichkeiten von AR und VR sowie dem digitalen Zwilling in der Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern. 

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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