Cloud-Vorteile ausnutzen

Auf hybride Lösungen setzen!

Um möglichst viele Cloud-Vorteile auszunutzen, rät Dr. Oliver Mauss, auf hybride Lösungen zu setzen. „So können beispielsweise konstante Workloads sowie sensible Daten in der Private Cloud bearbeitet werden, während die Public Cloud als Plattform für sehr dynamische Anwendungen dient“, so der CEO der Plusserver GmbH.

Dr. Oliver Mauss, CEO der Plusserver GmbH

„Unsere Kunden treten häufig mit der Anforderung an uns heran, ihre IT zu modernisieren und agiler zu gestalten“, so Dr. Oliver Mauss, CEO der Plusserver GmbH.

ITM: Herr Dr. Mauss, wie viel Vertrauen schenkt der Mittelstand anno 2019 dem Cloud Computing?
Dr. Oliver Mauss:
Die Mehrheit der deutschen Unternehmen nutzt bereits aktiv Cloud Computing oder befindet sich derzeit in der konkreten Planung. Dies haben wir jüngst in einer Studie gemeinsam mit den Analysten von Crisp Research ermittelt. Nur 19 Prozent der befragten Entscheider haben angegeben, dass die Cloud derzeit und zukünftig keine Rolle spiele. Einer der Gründe für die Öffnung in Richtung Cloud ist die fortschreitende Digitalisierung der Wirtschaft. Hier bieten flexible Cloud-Ressourcen insbesondere dem Mittelstand, der bisher auf den reinen Eigenbetrieb von IT-Infrastrukturen setzte, eine schnelle und wirtschaftliche Möglichkeit, um die IT an die neuen Anforderungen anzupassen.

ITM: Inwieweit hat sich hier die Einstellung der Unternehmer zu Cloud Computing in den letzten zwei, drei Jahren gewandelt?
Mauss:
Anfänglich wurde ein starker Anstieg der Cloud-Nutzung insbesondere von Start-ups und Technologiefirmen getrieben. Diese nutzten intensiv die IaaS- und PaaS-Plattformen der Public Cloud als leistungsfähige IT-Infrastruktur und Entwicklungsumgebung – flexibel nach Bedarf und ohne initiale Investition. Die notwendige Veränderung durch den Aufbau neuer digitaler Vertriebs- und Geschäftsmodelle oder der Digitalisierung von Unternehmensprozessen treibt inzwischen aber auch die Nutzung der Cloud-Plattformen im Mittelstand voran. Entsprechend werden die Anteile an Enterprise- und IoT-Applikationen in der Public Cloud laut Crisp Research bis 2020 deutlich ansteigen, im Vergleich zu den reinen Mobile- und Webanwendungen. Auch in puncto Sicherheit ist das Vertrauen seitens der Unternehmen gewachsen. Zum einen ist die Sicherheit und Verfügbarkeit in der Cloud aufgrund von Redundanzen und Backup-Mechanismen meist wesentlich höher als in der eigenen Infrastruktur. Zum anderen bieten Managed-Cloud-Lösungen in deutschen Rechenzentren eine gute Alternative zu globalen Public-Cloud-Services, wenn es um spezielle Anforderungen an Compliance und Datenschutz geht.

ITM: Welche konkreten Chancen und auch Risiken sehen die Anwender in Cloud-Lösungen?
Mauss:
Unsere Kunden treten häufig mit der Anforderung an uns heran, ihre IT zu modernisieren und agiler zu gestalten. Denn Cloud-Ressourcen machen Sinn, wenn Unternehmen sehr dynamische Anwendungen nutzen – mit einem stark variierenden Ressourcenverbrauch, der nur schwer planbar ist. Gleichzeitig lassen sich mit nativen Services die Effizienz und das Tempo steigern. Das große Aber: die bestehende IT-Landschaft der Anwender. Denn die wenigsten Altanwendungen sind cloud-fähig. Also müssen Systeme angepasst oder ersetzt sowie Methoden und Prozesse umgestellt werden. Aber nicht nur die technologische Dimension ist herausfordernd. Damit einhergehend ist auch ein kultureller Wandel im Unternehmen notwendig. Dieser sehr entscheidende Teil wird meist unterschätzt.

ITM: Welche Cloud-Variante ist für Mittelständler besonders sinnvoll und woran wird das festgemacht: Private Cloud, Public Cloud, Hybrid-Cloud, Multi-Cloud...?
Mauss:
Hier muss man tatsächlich die spezifischen Anforderungen des einzelnen Unternehmens betrachten – die optimale Cloud-Variante für den Mittelstand gibt es pauschal nicht. Private-Cloud-Anbieter gehen mit individuellen Lösungen auf Bedürfnisse der Kunden ein. Public Clouds sind aufgrund ihrer hohen Standardisierung dazu meist nicht in der Lage. Hinzu kommt: Die Abrechnungsmodelle in der Public Cloud sind meist wesentlich komplexer und unübersichtlicher. Auch sind die nativen Elemente eines Public-Cloud-Anbieters oft vendor-spezifisch und binden Unternehmen an die jeweilige Plattform. Private-Cloud-Lösungen setzen in der Regel auf Industriestandards oder Open Source und machen Unternehmen daher unabhängiger von der jeweiligen Plattform. Um möglichst viele Cloud-Vorteile auszunutzen, raten wir unseren Kunden häufig zu hybriden Lösungen. So können beispielsweise konstante Workloads sowie sensible Daten in der Private Cloud bearbeitet werden, während die Public Cloud als Plattform für sehr dynamische Anwendungen, wie etwa im E-Commerce, dient.

ITM: Was sind übliche Laufzeiten bei der Nutzung von Cloud-Lösungen?
Mauss:
Cloud-Ressourcen können ja nach Bedarf genutzt und abgerechnet werden, was auch mit sehr flexiblen Vertragslaufzeiten einhergeht. Trotzdem macht eine langfristige Zusammenarbeit Sinn. Denn zum einen bedarf es bereits im Vorfeld einer sorgfältigen Planung inklusive Migration der Daten und Anwendungen. Zum anderen können die während der Laufzeit gewonnenen Erkenntnisse (Auslastungsdaten etc.) dazu verwendet werden, das Setup fortwährend zu optimieren.

ITM: Wie komplex gestaltet sich ein möglicher Wechsel zu einem neuen Cloud-Anbieter?
Mauss:
Für unsere Kunden gestaltet sich der Wechsel zu uns einfach. Denn als Managed-Cloud-Service-Provider unterstützen wir den Kunden, wenn es um die sorgfältige Analyse des Status Quo, die Planung der neuen Infrastruktur sowie auch die Migration geht. Dabei ist neben einem reinen „Lift & Shift“ der Daten und Anwendungen auch eine Modernisierung und Anpassung an die neue Umgebung möglich.

ITM: Was sind hier häufige Stolpersteine hinsichtlich der Ausstiegsklauseln? Wie kann man als Anwender sicher sein, dass auch wirklich keine Unternehmensdaten beim vorherigen Anbieter verbleiben? Wie lässt sich das überprüfen?
Mauss:
Die Daten gehören dem Kunden, der somit die Verfügungsgewalt über seine Daten behält. Der Kunde kann dementsprechend den Anbieter schriftlich zur Löschung der Daten innerhalb einer Frist auffordern. Dieser muss wiederum die Löschung schriftlich bestätigen.

ITM: Wie wirkt sich der Brexit auf die Cloud-Nutzung in Europa aus?
Mauss:
Gerade bei einem ungeregelten Austritt wird die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) im Vereinigten Königreich keine Wirkung mehr entfalten. Demzufolge steigt der Aufwand bei der Datenspeicherung und dem Datentransfer von und nach Großbritannien. Vor diesem Hintergrund sehen sich derzeit viele Unternehmen dazu gezwungen, ihre Datenverarbeitungsstrategien mit Standorten im Vereinigten Königreich zu überdenken und ihre Daten wieder in deutschen Rechenzentren (oder an anderen Standorten in der Europäischen Union) zu speichern.

ITM: Was raten Sie mittelständischen Anwendern, die sich anno 2019 für die Cloud entscheiden? Welche Strategie sollten sie fahren?
Mauss:
Um die am besten geeignete Cloud- oder Multi-Cloud-Lösung zu ermitteln, ist eine tiefgehende Expertise im Hinblick auf die Vorteile der verschiedenen Plattformen erforderlich. Dabei sind interne IT-Mitarbeiter häufig auf die spezifischen Anwendungen im Unternehmen spezialisiert, benötigen aber weitere Schulungen für das entsprechende AWS-, Google-Cloud- oder gar Multi-Cloud-Know-how. Zugleich steigen permanent die Komplexität und der Funktionsumfang der großen Cloud-Plattformen. Externe Managed-Cloud-Service-Provider dienen hier als Berater, um gemeinsam mit der internen IT die beste Strategie zu finden und vor allem auch umzusetzen.

Bildquelle: Plusserver

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