System- und Netzmanager

Automation sorgt für Entlastung

Die System- und Netzmanager stehen im Mittelstand durch die Nutzung von virtuellen Systemen und Cloud-Services vor ganz neuen Herausforderungen. Automation kann für Entlastung sorgen. IT-MITTELSTAND hat nachgefragt, worauf es dabei ankommt.

  • Armin Leinfelder, Baramundi Software

    „Je reifer die IT ist, desto höher ist der Automatisierungsgrad und desto mehr Budget wird hierfür benötigt.“ Armin Leinfelder, Baramundi Software

  • Horst Haag, FNT

    „Die Bereitschaft für Investitionen in die Orchestrierung ist noch gering, aber neue Techniken vereinfachen die Umsetzung.“ Horst Haag, FNT

ITM: Welche Aufgaben im IT-Betrieb eines mittelständischen Unternehmens eignen sich am besten für die Automation?
Horst Haag:
Grundsätzlich eignet sich die Bereitstellung virtueller Systeme und Applikationen am besten für die Automation. Das liegt in der Natur der Sache. Hier gibt es bereits zahlreiche Out-of-the-Box-Lösungen, wie beispielsweise Amazon AWS, VMware vCloud Suite oder Red Hat Cloud Infrastructure. Aber auch eigene Lösungen lassen sich über offene Schnittstellen (Stichwort Openstack, vSphere Management SDK, Web Service API) einfach und ohne große Kosten konfigurieren. Diese Bereitstellungsprozesse sind bereits heute vollautomatisch orchestriert möglich.

Im IT-Betrieb müssen natürlich noch zahlreiche weitere Services zur Verfügung gestellt werden. So ist die mittelständische IT in der Regel auch verantwortlich für die Bereitstellung von Services, wie Telefondienst, Internetzugang, Hardware, Clients oder andere Infrastrukturdienste. Zusätzlich kommt das Management externer Cloud-Services hinzu. Der Gesamtumfang dieser Aufgaben unterscheidet sich hier aber in der Regel kaum von den Leistungen großer Unternehmen – lediglich die Budget- und Ressourcendecke ist wesentlich dünner.

Daher ist für eine effiziente (Teil-)Automatisierung der IT eines Mittelständlers besonders wichtig, bereits vorab genau festzulegen, was zum Leistungs- und Lieferumfang der IT gehört und wie die einzelnen Services sich zusammensetzen. Diese klare Definition der IT-Leistungen und Service Levels sowie eine ganzheitliche Abbildung aller IT-Assets in einem Managementsystem bilden die Voraussetzung für die optimale Lieferung und Bereitstellung und die konsequente Automatisierung – auch über die naheliegende Automatisierung virtueller Systeme und Applikationen hinaus.

Armin Leinfelder: Zuverlässig automatisiert werden können Routineaufgaben wie Betriebssystem-Installationen, Softwareverteilung und regelmäßige Updates sowie Sicherungen, die große Ressourcen binden und IT-Administratoren von strategisch wichtigen Themen abhalten. Das ist eine enorme Arbeitserleichterung.

Aber auch Bereiche, die manuell nicht mehr zu bewältigen sind, bieten sich an. Hierzu zählt das Schwachstellenmanagement. Um eine sichere IT zu gewährleisten, müssen Administratoren wissen, auf welchem Gerät welche Schwachstelle vorhanden ist und wann ein Patch zur Verfügung steht. Für die Praxis würde das bedeuten, dass IT-Admi-nistratoren permanent Blogs, Foren und Datenbanken nach Schwachstellen scannen und diese bewerten müssten sowie alle eigenen Clients prüfen, Updates paketieren, testen, verteilen und erfassen müssten, ob die Verteilung auch erfolgreich war. Angesichts der Menge vorhandener Geräte und eingesetzter Software in Unternehmen ist das jedoch für IT-Administratoren in der Praxis nicht umsetzbar.

Allgemein lässt sich sagen, dass Automatisierung eindeutige Vorteile mit sich bringt: Zum einen verlaufen alle Aufgaben immer gleich, wodurch die Fehlerquote sinkt. Gleichzeitig können dadurch unternehmensweit einheitliche Sicherheitsstandards durchgesetzt werden. Zum anderen spart die Automatisierung einzelner Aufgaben Zeit, wodurch Adminis-
tratoren effizienter arbeiten und sich um strategische IT-Aufgaben kümmern können.

ITM: Gibt es Daumenregeln dafür, wie viel ein IT-Chef in die Automation seines Betriebs investieren sollte? Zum Beispiel in Prozent des IT-Budgets?
Haag:
Wir gehen davon aus, dass hier die IT im Mittelstand noch unter ihren Möglichkeiten bleibt. Gerade professionelle IT-Service-Provider und Cloud-Anbieter reizen das Thema stark aus, da eine hohe Automatisierung direkte Auswirkung auf die Ressourcenauslastung, den Deckungsbeitrag und somit das Geschäftsergebnis hat. Aber auch die internen IT-Abteilungen großer Konzerne investieren zunehmend in das Thema Automation.

Eine allgemeine Daumenregel gibt es nicht, da die Frage, welche Bereiche wie stark automatisiert werden können, immer vom Geschäftsmodell des Unternehmens und den zu liefernden IT-Services abhängig ist. Dies zeigt wiederum, wie wichtig es ist, eine klare Regelung der zu liefernden IT-Services zu vereinbaren. Erfahrungen aus unserem Kundenkreis bestätigen jedoch, dass einzelne Unternehmen derzeit durchaus zwischen 10 und 20 Prozent ihrer IT-Gelder in das Management ihrer IT-Assets und die Automatisierung ihrer IT investieren.

Wir empfehlen durchaus eine Quote von etwa 10 Prozent  für diese Projekte zu reservieren. Die Bereitschaft für Investitionen in die Orchestrierung ist heute noch zu gering, aber neue Techniken wie Network Virtualization (SDN, NFV etc.) und Virtual Infrastructures vereinfachen die Umsetzung und unterstützen diesen Trend. Aber gerade in den Bereichen RZ und Infrastruktur gibt es noch zahlreiche Hürden, da hier kaum fertige oder standardisierte Lösungen existieren.

Leinfelder: Dafür gibt es keine allgemein gültige Faustregel. Es ist vielmehr so, dass abhängig von der Größe und vom Reifegrad einer IT-Umgebung auch Automatisierung eine zunehmend wichtigere Rolle spielt. Je reifer also die IT ist, desto höher ist der Automatisierungsgrad und desto mehr Budget wird hierfür benötigt. Wenn Unternehmen bei diesem Prozess noch ganz am Anfang stehen und erste Schritte unternehmen möchten, dann sollten sie auf modulare Lösungen setzen, die es erlauben die Automatisierung Schritt für Schritt voranzutreiben.
Dann kann auch dementsprechend das Budget geplant werden und mitwachsen. Angesichts der vielen Vorteile wie Zeit- und Kostenersparnis oder einer geringeren Fehlerquote, die eine Automatisierung mit sich bringt, sollte das langfristige Ziel für Unternehmen im Laufe der Jahre ein möglichst hoher Automatisie-rungsgrad sein.

ITM: Mehr Flexibilität in der IT versprechen die Hersteller durch die Virtualisierung der IT-Ressourcen und ihre Verlagerung in die Cloud. Welche neuen Herausforderungen kommen damit auf die Systemadministratoren zu?

Leinfelder: Am Standort Deutschland spielt das Thema Datensicherheit eine große Rolle. Noch immer sind deutsche Unternehmen zurückhaltender als solche im Ausland, wenn es darum geht, Dienste in die Cloud zu verlagern. Ich sehe hier gerade Herausforderungen im Vorfeld, da teils ganz andere Überlegungen angestellt werden müssen als bei On-Premise-Lösungen.

Administratoren müssen bei der Auswahl der Anbieter genau prüfen, ob dieser deutsche Sicherheitsstandards erfüllt, wo die Daten gehostet werden und wo sie gespiegelt werden. Gleichzeitig spielt die Verfügbarkeit der eigenen Daten eine Rolle. Und auch das Management der jeweiligen Virtualisierungs- oder Cloud-Plattform stellt ganz neue Anforderungen an Administratoren.

Haag: Gerade im Rahmen der Administration führt das zu mehr Komplexität bei der Verwaltung verteilter Systeme, auf die Administratoren ja nicht immer direkt bzw. physikalisch zugreifen können. Zudem müssen sie sich auch vermehrt mit Themen wie Compliance, Privacy, Datensicherheit und rechtlichen Anforderungen auseinandersetzen, z.B. in Bezug auf den Ort des Rechenzentrumsbetriebs eines Anbieters.

Die Rolle und das Aufgabenspektrum der IT verlagert sich somit zunehmend vom ursprünglichen Betreiber und Lieferanten eigener Infrastruktur-Services hin zum IT-Service-Broker in einer hybriden IT-Landschaft, in der die IT dem Endanwender eine Kombination eigener IT-Services und zugekaufter cloud-basierter Dienste anbietet. Diese müssen dann aufeinander abgestimmt und schnell anpassbar sein, da sich durch Cloud-Technologien IT-abhängige Geschäftsprozesse schnell verändern können.

Bildquelle: Thinkstock

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