Interview mit Johannes Linder, Junkerwerk Linder

Automobilzulieferer setzt auf IT-Outsourcing

In Interview berichtet Johannes Linder, geschäftsführender Gesellschafter des Automobilzulieferers Junkerwerk, über Erfahrungen mit externen IT-Dienstleistern und welche Chancen sich durch eine 100-prozentige IT-Auslagerung für das mittelständische Unternehmen ergaben.

„Heute, rund drei Jahre nach der EDV-Auslagerung, besitzen wir weniger Schnittstellen, geringere Reibungsverluste und eine höhere Redundanz aller IT-Systeme“, berichtet Johannes Linder, geschäftsführender Gesellschafter des Automobilzulieferers Junkerwerk.

ITM: Herr Linder, was waren die ausschlaggebenden Gründe für die Auslagerung der internen EDV-Abteilung an einen externen Dienstleister?
Johannes Linder:
Es gab nicht „den“ ausschlaggebenden Grund, sondern es waren eher eine Reihe von Umständen, die mit zunehmender Anforderung an die Technik,  Prozess- und Systemintegration natürlich auch die Grenzen der internen EDV-Abteilung aufzeigten. Die interne EDV-Abteilung stand für uns im Wesentlichen in der Gesamtverantwortung für alle technischen Anforderungen und war für die Lauffähigkeit der Systeme und für die technische Unterstützung der Fachabteilungen verantwortlich. Mit der Zeit tauchten immer mehr Spezialthemen auf, die für uns eine dauerhafte Bevorratung von Spezialisten und Redundanzen bedeutet hätte. Da die Aspekte Sicherheit, Zuverlässigkeit und Flexibilität wie eine Lebensversicherung in unserer Branche sind, stand somit auch die IT-Abteilung schlussendlich auf dem Prüfstand.

ITM: Wie haben Sie den geeigneten IT-Outsourcing-Partner gefunden?
Linder:
Wir haben nicht primär nach einem Full-Service-Kooperationspartner gesucht – vielmehr machte uns der IT-Dienstleister F&M Consulting durch eine konkrete Offerte auf die Möglichkeit einer 100-prozentigen Auslagerung aufmerksam. Bis zu diesem Zeitpunkt waren uns IT-Auslagerungen im Unternehmen durchaus bekannt – so wurden z.B. unsere Drucker von einem externen Dienstleister gestellt, gewartet und befüllt. Auch der Service für die TK-Anlage, Teile der Server, Anpassungen im ERP-, EDI-, dem CAQ- und dem PDM-System wurde von externen IT-Unternehmen übernommen.

Unsere interne EDV war zu diesem Zeitpunkt mit den täglichen Anforderungen wie Helpdesk und Systemadministrationen bereits gut ausgelastet. Hinzu kam, dass wir als Automobilzulieferer neben den internen Anforderungen auch den Anforderungen der OEM´s in der Automobilwelt gerecht werden müssen. Daher benötigten wir Prozessberatung, einen Systemspezialisten und Systemintegrator möglichst aus einer Hand. Für die Wahl des IT-Outsourcing-Dienstleister waren aber auch weitere Faktoren ausschlaggebend, wie grundsätzliches Vertrauen, Seriosität und die aufeinander abgestimmte Unternehmenskultur. Auch Branchenkenntnisse (Automotive) waren ein ganz wesentliches Auswahlkriterium – so fiel die Wahl auf F&M.

ITM: Wie verlief die Übergabe Ihrer internen EDV an den externen IT-Partner?
Linder:
Mit dem Wechsel wurde deutlich, welches Erbe an IT-Infrastruktur hinterlassen wurde. Die IT-Systeme wurden zwar gepflegt, jedoch ist bei der Übergabe deutlich geworden, wie weit diverse Systemlösungen von dem aktuellen Stand entfernt waren. Demnach hatte der IT-Partner im ersten Jahr neben dem IT-Tagesgeschäft auch zahlreiche Projektarbeiten und Pionierarbeiten zu leisten. So musste auch das gesamte Netzwerkbetriebssystem und die Groupware im laufenden Betrieb gewechselt werden. Die bis dato inhouse und individuell programmierte Prozessleittechnik wurde ebenfalls an einem Übergabetag an den Outsourcing-Dienstleister übergeben.

ITM: Inwiefern konnten Optimierungspotentiale durch die Auslagerung realisiert werden?
Linder:
Es haben sich für uns sowohl messbar als auch spürbar viele Potentiale heben lassen. Dennoch brauchte dieser Prozess einige Zeit, um auch die beiden Unternehmenskulturen aufeinander abzustimmen.

Spürbare Verbesserungen wurden etwa ein Jahr nach dem Wechsel deutlich. Zumal in dem ersten Jahr viele Grundlagen zur Effizienzsteigerung erst geschaffen werden mussten. So wurden zahlreiche Systeme erst minimiert, konsolidiert und schrittweise mit den Geschäftsprozessen übereingebracht, bis die für uns erwarteten Effekte auch messbar wurden.

Das Vertrauen in die gemeinsame Projektarbeit – auch mit den Fachabteilungen – musste sich der IT-Dienstleister ebenfalls erst erarbeiten. Heute, rund drei Jahre nach der EDV-Auslagerung, besitzen wir weniger Schnittstellen, geringere Reibungsverluste und eine höhere Redundanz aller Systeme. Für uns hat sich somit auch ein höherer Sicherheitsstandard eingestellt, als wir ihn zuvor jemals hatten. Durch die Reduzierung von Wartungs- und Lizenzkosten konnte unser heutiger IT-Dienstleister auch einige der zuvor angefallenen IT-Kosten eliminieren. Nicht zuletzt auch durch eine bessere Verhandlungsposition gegenüber Dritten.
Dennoch muss man sagen, dass die Auslagerung der IT nicht unbedingt Kosteneinsparung im IT-Personal mit sich gebracht hat – dafür jedoch erhebliche Prozessbeschleunigungen, Transparenz und mehr Prozesssicherheit in vielen Abteilungen. Aus der Betrachtung der Gesamtwirtschaftlichkeit haben sich jedenfalls unsere Erwartungen an die IT-Auslagerung erfüllt.

ITM: Was sind die wesentlichen Unterschiede zwischen der Arbeitsweise des heutigen IT-Outsourcing-Dienstleisters gegenüber der damaligen internen EDV-Abteilung?
Linder:
Im Nachhinein muss man sagen, dass die EDV-Abteilung früher wie ein Technikdienstleister der Fachabteilungen wahrgenommen wurde. Dieser Zustand führte mit der Zeit zu Akzeptanzproblemen. So gingen einige IT-Projektarbeiten mehr oder weniger unter. Es fehlte zunehmend an Planungssicherheit, Transparenz und stellenweise auch an Sorgfalt.

Der IT-Dienstleister brachte hingegen eine von uns erwünschte Organisationsstruktur, ein selbststeuerndes Projektmanagement und eine entsprechende Service-Effizienz mit. So sind beispielsweise alle Vorgänge stringent nach IT-Tagesgeschäft und Projektarbeit getrennt und werden in Projektanträgen genau beschrieben. Auch Alternativlösungen unter  Kosten-Nutzen-Aspekten werden zuvor genau durchleuchtet. Jeder Geschäftsvorgang, der heute eine IT-Unterstützung bedarf, wird z.B. als eigenständiger Servicefall angesehen und in Form von Onlinetickets von allen Mitarbeitern im Unternehmen genutzt. Somit erhalten wir auch ohne Rückfragen eine stetige Übersicht der aktuellen IT-Dienstleistungen in unserem Hause.

Eine konsequente Unterscheidung von Technik und Prozessberatung hat zudem dazu geführt, dass die heutige EDV nun auch als Beratungsinstanz und somit als Innovationsträger von den Fachabteilungen angenommen wird. Das IT-Tagesgeschäft und auch die Projektarbeiten haben dadurch auch an Geschwindigkeit und Qualität zugenommen. 



Junkerwerk Linder

  • Branche: Automotive
  • Gründung: 1887
  • Hauptsitz: Solingen
  • Weitere Standorte: Oebisfelde (Sachsen-Anhalt) und Mosonmagyarovar (Ungarn)
  • Mitarbeiter: 200

www.junkerwerk.de

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