Von der Cloud bis zum Magnetband

Backup-Lösungen nahtlos integrieren

Dirk Barfuß von Dell EMC Deutschland und Tim Nolte von HPE Store Once im Gespräch über sichere Backup-Lösungen, zuverlässige Speichermöglichkeiten und den richtigen Notfallplan.

  • Symbolische Darstellung von Daten

    Das Magnetband ist und bleibt eine valide Option für die langfristige Aufbewahrung der Daten. (Bildquelle: Thinkstock/iStock))

  • Tim Nolte, Category Manager bei HPE Store Once für die DACH-Region

    „Mittelständler sollten den Ernstfall eines Failover üben“, rät Tim Nolte, Category Manager bei HPE Store Once für die DACH-Region. ((Bildquelle: HPE Store Once))

  • Dirk Barfuß, Director Enterprise Sales, Data Protection Solutions, Dell EMC Deutschland

    „In Zeiten von Cloud und Multi-Cloud sind Magnetbänder kein Medium, das sich sinnvoll in moderne Architekturen integrieren lässt“, meint Dirk Barfuß, Director Enterprise Sales, Data Protection Solutions, Dell EMC Deutschland. (Bildquelle: Dell EMC)

Die schiere Masse an Daten, die auch im Mittelstand unter Stichworten wie „Big Data“ oder „Data Warehousing“ verarbeitet und dazu gespeichert werden sollen, wirft viele Fragen auf. Das können Fragen nach Performance, Kosten, Zuverlässigkeit und Platzbedarf sein, um nur einige zu nennen. Geredet wird dann viel über Flash und SSD (Performance) und die Cloud (Kosten, Platzbedarf), selten aber über die gute alte Magnetplatte (Zuverlässigkeit) und noch viel seltener über das Magnetband, das zu Unrecht als aussterbender Dinosaurier der IT-Welt apostrophiert wird.

Denn steigt die Menge der neu erstellten Daten in den kommenden Jahren auf zig Zettabytes, ist ein gleichermaßen kostengünstiges wie zuverlässiges und natürlich vor allem performantes Speichermedium gefragt. Das kann durchaus auch Tape sein, wie das Beispiel der Suchmaschine Google zeigt, die als unterste Stufe in der Speicherhierarchie ihrer Backup-Architektur aus guten Gründen das Magnetband nutzt.

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Die achte Generation des Magnetband-standards LTO, die Ende 2017 auf den Markt kam, verdoppelt die Kapazität des Vorgängers LTO-7 auf 12 T. Die unkomprimierte Kapazität bietet Raum für 8.000 Filme, 2.880.000 Songs oder 7.140.000 Fotos. Laut der jährlichen Tape-Statistik, die das LTO-Konsortium im März veröffentlichte, wurden 2017 insgesamt 108.000 Petabyte Bandspeicherkapazität (allerdings komprimiert) ausgeliefert, ein Anstieg von 12,9 Prozent im Vergleich zu 2016. Das bedeutet eine Verfünffachung gegenüber der im Jahr 2008 ausgelieferten Kapazität von knapp über 20.000 PB.

Das Band ist und bleibt also eine valide Option für die langfristige Aufbewahrung der Daten. Doch selbst die größten Tape-Befürworter geben zu, dass ein umfassender Speicheransatz erforderlich sein wird, der viele andere Medien einbezieht, um die Datenflut zu kanalisieren und in „Data Lakes“ zu speichern.

Die Branchen Medien/Unterhaltung und Wissenschaft beispielsweise setzen traditionell stark auf Tape für die langfristige Speicherung. Es gibt aber auch neuere Anwendungen, die an Zugkraft gewinnen, beispielsweise in der Videoüberwachung oder im Gesundheitswesen, wo Röntgen-, CT- und MRT-Aufzeichnungen digitalisiert und für lange Zeit aufbewahrt werden. Aber auch die „Smart Factory“, die Fahrzeugflotte des Unternehmens oder der Online-Shop können riesige Datenmengen produzieren. IT-MITTELSTAND hat zwei Experten gefragt, wie diese Daten – die Schätze der Informationsgesellschaft – am besten aufbewahrt werden.

ITM: In Zeiten von Big Data gewinnt die schiere Kapazität der Speichersysteme immer mehr an Bedeutung. Welche Speicherarchitektur empfehlen Sie Mittelständlern für die Aufbewahrung ihrer Massendaten, wie sie in Szenarien wie Industrie 4.0 oder E-Commerce anfallen?
Tim Nolte: So vielfältig der Mittelstand ist, so facettenreich sind seine Speicherlösungen. Ein lokaler Handwerksbetrieb hat andere Anforderungen als ein international agierender Maschinenbauer. Aber in Zeiten von Big Data und IoT sollte niemand auf eine intelligente Deduplizierung verzichten. Moderne Lösungen identifizieren redundante Daten und sortieren diese aus, bevor sie auf nicht flüchtigen Datenträgern gespeichert werden. Allein das spart bis zu 95 Prozent Speicherkapazität.

Ansonsten gilt nach wie vor die bewährte 3-2-1-Regel der Datenspeicherung: drei Kopien, zwei Speichermedien und ein Offsite-Backup an einem räumlich getrennten Ort. Kopien sollten ein Online-Speicher und zwei Backups sein, als Speichermedien eignen sich Festplatte, Tape oder Cloud und für Offsite darf es auch das Tape im Tresor sein. Wer diese Regel einhält, ist gut aufgestellt. Und dann beginnt die individuelle Analyse des Speichermanagements mit individuellen Fragen: Wie schnell und in welcher Qualität werden die Daten benötigt? Welche Compliance ist gefordert? Oder wie hoch ist das Budget?

Dirk Barfuß: Wir empfehlen für solche Anwendungsfälle flexiblen Cloud-Storage, denn die einfache Speicherung unstrukturierter Daten, hohe Skalierbarkeit und Funktionen wie sofortige Metadatensuche, Multiprotokoll- und standortunabhängige Zugriffe sind für den Aufbau solcher Szenarien heute unerlässlich. Mit Cloud-Storage steht ein einziges, gemeinsames, globales Repository für alle Daten zur Verfügung, was Speichern und Analyse der Daten vereinfacht.

ITM: Gerade bei datenintensiven Speicheranwendungen wie der Archivierung stufen Marktforscher das für „kalte“ Daten konzipierte Magnetband mittlerweile wieder als „heiße“ Technologie ein. In welchen Szenarien ist für Sie der oft als angestaubt titulierte Offline-Speicher Magnetband wirklich „heiß“ und eine Alternative zum Online-Speicher?
Barfuß: Für uns ist Tape keine Zukunftstechnologie. In Zeiten von Cloud und Multi-Cloud sind Magnetbänder kein Medium, das sich sinnvoll in moderne Architekturen integrieren lässt. Das sehen auch die Kunden so. Außerdem gewinnt man mit modernen Backup-Speichern auf Disk bzw. SSD oder mit Cloud-Storage nicht nur mehr Flexibilität, sondern auch Kostenvorteile. Das haben auch namhafte Anbieter für die Datenauslagerung erkannt und bieten hier eine nahtlose Integration zu unseren Speicherlösungen an.

Nolte: Totgesagte leben länger – das gilt auch für das Magnetband. Als HPE haben wir das Tape kontinuierlich weiterentwickelt. Mit unserer aktuellen LTO-8-Technologie können bis zu 30 Terabyte sicher auf einer Kassette gespeichert werden. Für das Magnetband spricht eine Archivlebensdauer bis zu 30 Jahren und das attraktive Preis-Leistungs-Verhältnis. Das Tape wird auch im Cloud-Zeitalter quicklebendig bleiben und eine wichtige Rolle in hybriden Speicherumgebungen spielen – nicht nur für „kalte“ Daten. 

ITM: Moderne Backup-Lösungen müssen die unterschiedlichen Speichertechnologien unter einen Hut bringen. Worauf müssen Mittelständler bei der Implementierung ihrer Lösung achten, damit diese – auch bei der Recovery – möglichst zuverlässig, performant und kostengünstig funktioniert?
Barfuß: Backup-Lösungen sollten sich heute nahtlos in die Infrastruktur integrieren. Self-Service und ein hohes Maß an Automatisierung sind in Zeiten des hohen Kostendrucks elementar. Darüber hinaus sollten auch Dienste in unterschiedlichen Cloud-Umgebungen jederzeit schnell und effizient gesichert und wiederhergestellt werden können.

Mit unseren Data-Protection-Produkten bieten wir für nahezu jede Umgebung die richtige Lösung, egal ob es sich um eine einfache Backup-Software oder um eine komplette Data-Management-Appliance handelt. Als integrierte Datenschutz-Appliance kann die komplette Lösung auch direkt beim Kunden ausgerollt werden. Damit entfällt sogar das komplexe Konfigurations- und Patch-Management, was sich positiv auf den Betrieb auswirkt und dem Backup-Team den zeitlichen Spielraum gibt, seine Services zu optimieren.

Nolte: Beim Backup sollten Mittelständler ihre hybriden Ressourcen intelligent und übersichtlich vernetzen. Ich rate zu cloud-fähigen Speichersystemen, die auch den Speichervorgang selbst vereinheitlichen.

Gerade Start-ups und kleine Mittelständler profitieren von der Cloud, weil sie flexibel IT-Ressourcen bereitstellen kann. Was die Kosten betrifft, sollte die Backup-Lösung zum Unternehmen passen: Es gilt abzuwägen, welche geschäftlichen Auswirkungen ein Datenverlust hätte, entsprechend sollte das Budget sein.

Generell gilt: Backup ist eine Versicherung, deshalb müssen sich Kosten und Nutzen die Waage halten. Ich sehe, dass viele Unternehmen nicht auf den Ernstfall vorbereitet sind. Ein zuverlässiges und performantes Backup hängt auch vom Training des Disaster-Recovery-Prozesses ab.

Mittelständler sollten daher den Ernstfall eines Failovers üben und ihre Prozesse prüfen, die sie für einen IT-Ausfall vorgesehen haben. So ein Testlauf scheitert manchmal an Kleinigkeiten, wenn z.B. der Schlüssel für den Tresor mit dem Backup-Tape gerade in dem Büro liegt, das in Flammen steht

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