Digitale Transformation

Beispiele und Projekte aus der Industrie 4.0

Langsam wird die Industrie 4.0 konkret: Zwei aktuelle Publikationen von VDMA und Wirtschaftsministerium beschäftigen sich mit Praxislösungen und Forschungsprojekten.

Industrie 4.0, neues Wirtschaftswunder, digitale Transformation - wer die Häufigkeit dieser Buzzwords in den Wirtschafts- und Technikmedien zählt, könnte fast den Eindruck gewinnen, als seien alle diese Konzepte schon verwirklicht. Doch die Unternehmen stehen erst am Anfang einer Entwicklung, die in allen Branchen die nächsten zehn Jahre bestimmen wird.

Zwei neuere Veröffentlichungen haben sich dem Stand der Dinge in der Industrie 4.0 etwas näher gewidmet. Der Verband der Maschinenbauer, der VDMA stellt in einer neuen Broschüre die Industrie-4.0-Projekte von 33 Mitgliedsunternehmen vor. Die Praxisvorhaben widmen sich den Bereichen Produktion, Automatisierung, Planung und Sicherheit.

Fallbeispiele für die Industrie 4.0

In der Broschüre „Industrie 4.0 konkret“ zeigt sich deutlich, dass die Vorhaben noch wie ein Flickenteppich erscheinen und nicht zu einem umfassenden Komplex zusammengewachsen sind. Die einzelnen Projekte widmen sich in der Mehrzahl bestimmten Einzelproblemen in der Fertigung und finden dafür moderne, digitalisierte Lösungen.

Typische Beispiele sind Ferndiagnosesysteme, automatisierte Transportwagen oder die Cloud-basierte Zustandsüberwachung von Maschinen. Es gibt aber auch Vorhaben, die stärker integrierte Lösungen präsentieren und ein Gesamtkonzept für die intelligente Fabrik abbilden. Doch genau diese Vorhaben haben den Status von Demonstratoren: Es sind lediglich Modelle von zukünftigen Industriemaschinen.

Ein Projekt heißt denn auch „Showcase Mi5“. 20 Studenten aus unterschiedlichen Fachbe­reichen (Maschi­nenbau, Elektro­technik, Informatik) und Nationen (Deutschland, Schweiz, Italien, Spanien, Tunesien, China) haben gemeinsam mit Partnern aus Industrie, Forschung und Lehre beim Mechatronik-Spezialisten ITQ GmbH eine Demonstrationsanlage entwickelt, die einige Ansätze von Industrie 4.0 demonstriert.

Auch der Elektrotechnik-Hersteller Phoenix Contact hat konkrete Ideen zur Verwirklichung von Industrie 4.0. Dazu gehört der Industrie-4.0-Demonstrator für den automatisierten Schaltschrankbau, der die Fertigung individueller Produkte und durchgängige Datenintegration umsetzt.

Die Fallbeispiele zeigen deutlich, dass Industrie 4.0 im Moment noch sehr häufig im Bereich Forschung und Entwicklung angesiedelt ist. Eine aktuelle Studie des Bundeswirtschaftsministeriums hat 100 Projekte, die zusammen 450 Millionen Euro Forschungsförderung wert sind, etwas genauer analysiert.

Die Studie bietet einen sehr guten Überblick über die einzelnen Technologiefelder, die zum Komplex Industrie 4.0 gehören. Darüber hinaus bringt sie auch einige Einsichten in die Schwachstellen der bisherigen Entwicklungsprojekte für Industrie 4.0.

Mittelstand bei Forschungsförderung im Nachteil

So ist auffällig, dass sich die Vorhaben sehr stark auf die Produktion konzentrieren. Andere Aspekte der Wertschöpfungskette werden eher vernachlässigt. Vor allem die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und -Prozesse ist viel zu selten Thema der Forschung.

Eine zweite Erkenntnis: Die F&E-Mittel werden zu oft für die Implementierung von Software aufgebraucht. Die Studie drückt es dezent aus, doch offensichtlich basteln viele Projekte im stillen Kämmerlein an Insellösungen. Stattdessen sind einheitliche Software-Plattformen gefragt, die dann von den einzelnen Projekten kostengünstig eingesetzt werden können. Die dadurch freiwerdenden Fördermittel könnten sicher in anderen Bereichen nutzbringender eingesetzt werden.

Weitere Kritik widmet sich drittens der Bürokratie, sprich: Dem Wust aus Antragsprosa, Zahlenhuberei und Administrations-Voodoo, dem sich die Projektmanager gegenübersehen. Hier sind Konzerne und große Forschungseinrichtungen deutlich im Vorteil, da sie größere Ressourcen für solche Spielereien haben. Mittelständische Unternehmen können hier kaum mithalten. Eine Lösung wäre nach Ansicht der Studienautoren die Gründung von Konsortien, um den Aufwand in den Griff zu kriegen.

Bei aller Kritik zeigt die Studie aber auch Wege in die Industrie 4.0 auf. So hebt sie hervor, dass Serviceorientierung und Dezentralisierung große Chancen bieten. Beides markiert überhaupt erst den Beginn der vierten industriellen Revolution. In einer Reihe von Handlungsempfehlungen ermahnt sie Politik, Wissenschaft und Wirtschaft sich den einzelnen Themenfeldern von Industrie 4.0 intensiver zu widmen.

Wichtige Forderungen sind die möglichst rasche Standardisierung sowie die Förderung der Vermittlung von IT-Kompetenzen in allen Bildungsgängen. Auch das leidige Thema Breitbandinfrastruktur findet seinen Platz: Die Autoren der Studie schlagen eine Kooperation von Netzbetreibern, Unternehmen und der öffentlichen Hand vor, damit es in diesem Bereich endlich vorwärts geht.

Bildquelle: Thinkstock

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