Innovationszentren

Brutkästen für Produkte und Geschäftsmodelle

Alltagsgeschäft und Prozesse fressen den Innovationsgeist. Doch er lässt sich gut in ein Ideenlabor auslagern. Teil 3 einer Artikelreihe über Innovation, die in lockerer Folge erscheint.

Eingefahrene Verhaltensweisen der Mitarbeiter, die Zwänge des Tagesgeschäfts, komplexe und starre Prozesse - Unternehmen im digitalen Wandel kämpfen häufig an mehreren Fronten. Es ist praktisch unmöglich, alle diese Hindernisse in kurzer Frist abzubauen und die gesamte Unternehmenskultur auf einen Schlag zu verändern. Deswegen greifen viele Unternehmen zu einem Trick: Sie schaffen Freiräume für Innovatoren.

Sie heißen beispielsweise „Innovation Center“ oder „Innovation Lab“ und sind Enklaven der Unabhängigkeit, Experimentierfreude und organisatorischen Fortentwicklung. Inspiriert sind diese Labs von der Startup-Kultur, also von jungen Unternehmen mit flacher Hierarchie und einem eher spielerischen Zugang zu Produkten und Services.

Nachholbedarf: Nur ein Drittel hat Innovationszentren

In einer Studie haben Brian Solis, Analyst bei der Altimeter Group, und die Capgemini Consulting die Methoden untersucht, mit denen Unternehmen die Anforderungen des technologischen Fortschritts bewältigen. Wichtiges Mittel sind Innovationszentren, die häufig in großen Technologie-Hubs gegründet werden. Sie profitieren dabei von dem Ökosystem aus Startups, Venture Capitalists, IT-Anbietern und wissenschaftlichen Einrichtungen dieser Hubs.

Es zeigt sich, dass in der Wirtschaft noch Nachholbedarf besteht: Lediglich etwas mehr als ein Drittel (38%) der knapp tausend untersuchten Unternehmen haben tatsächlich ein Innovationszentrum gegründet. Sie verfolgen dabei unterschiedliche Ansätze. Häufig ist das Inhouse-Lab, das im Grunde die modernisierte Variante einer F&E-Abteilung ist.

Im Unterschied zu traditionellen Konzepten wird hier allerdings nicht nur an neuen Produkten gebastelt. Es geht in einem Innovationszentrum darum, neue digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln, neue Technologien zu erproben, strategische Partnerschaften zu organisieren und eine Innovationskultur im Unternehmen aufzubauen.

Vor allem die ersten beiden Punkte lassen sich auch im Universitätssystem sehr gut erfüllen, so dass zahlreiche Unternehmen eine Partnerschaft mit einer Universität eingehen und eine Art Forschungsinstitut eröffnen. Eine weitere Möglichkeit, frische Ideen und junge Mitarbeiter in das Unternehmen zu holen, ist ein eigener Inkubator.

Parallelstruktur: Ideen und Talente im Labor züchten

Zahlreiche Unternehmen agieren als Business Angel und Mentoren. Sie haben Zentren im Silicon Valley oder anderen bekannten Adressen eröffnet, in denen Innovatoren ihre Ideen entwickeln und erproben. Dabei werden mit einer Seed-Finanzierung unterstützt und erhalten bei Erfolg Venture Capital.

Eine vierte Variante sind kleinere Kundschafter-Teams, die in den bekannten Technologie-Hubs angesiedelt sind und nach interessanten Startups oder Entrepreneuren Ausschau halten. Hier geht es allerdings in erster Linie darum, innovative Produkte und Services auf dem Wege des Investments in das eigene Unternehmen zu holen.

Diese vier unterschiedlichen Herangehensweisen an das Thema Innovation haben einen großen Vorteil für bestehende Unternehmen mit ihren festgefügten Strukturen: Sie bauen eine Art Parallelstruktur auf, mit der neue Ideen und Talente in das Unternehmen gebracht werden.

Es besteht allerdings immer die Gefahr, dass ein Innovationszentrum ein Solitär bleiben wird. Je stärker die Strukturen im Mutterunternehmen desto schwerer haben es die Innovationen, den Sprung in das Alltagsgeschäft zu schaffen.

Hier geht es zu Teil 1 unserer Serie über Innovation

 

Hier geht es zu Teil 2 unserer Serie über Innovation

Bildquelle: Thinkstock

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