Daten nutzbar machen

Business Intelligence steuert Online-Geschäfte

Dr. Felix Menden, CTO der B2B-Anbietersuche „Wer liefert was“, spricht im Interview über die essentielle Rolle von Business-Intelligence-Lösungen im Rahmen der E-Commerce-Aktivitäten bei seinem Arbeitgeber.

  • Die Daten nutzbar machen

    Über die Business-Intelligence-Lösung wertet der Mittelständler in Echtzeit den Traffic auf der Online-Plattform, ebenso wie die SEA-Aktivitäten aus.

  • Dr. Felix Menden, CTO von „Wer liefert was“

    „Business Intelligence ist nützlicher, wenn jeder die Daten präsent hat und versteht“, meint Dr. Felix Menden, CTO der B2B-Anbietersuche „Wer liefert was“.

Das mittelständische Unternehmen wurde bereits 1932 gegründet und gab als erster Anbieter gedruckte Nachschlagewerke für gewerbliche Einkäufer heraus. Seit 1995 findet das Geschäft ausschließlich online statt. Die Internetseite für den Einkauf im B2B-Segment verzeichnet jährlich 24 Millionen Visits (IVW-geprüft). Monatlich 1,6 Millionen Einkäufer treffen auf rund 530.000 Lieferanten, Hersteller, Händler und Dienstleister in rund 47.000 Kategorien.

ITM: Welche Rolle spielen BI- und Big-Data-Szenarien bei Ihnen?
Dr. Felix Menden:
Business Intelligence hat immer die Aufgabe, die im Unternehmen anfallenden Daten nutzbar zu machen. Bei „Wer liefert was“ setzen wir hier auf eine Datenintegration von der Website bis ins Debitorenmanagement und ins CRM hinein. Dies ermöglicht uns, sowohl zur strategischen Unternehmensführung als auch im operativen Geschäft ein wirksames Berichtswesen zu haben. Da wir als professionelle Anbietersuche einen Onlinedienst betreiben, kommt die Auswertung und modellgetriebene Steuerung der Website mit hinzu.

ITM: Inwieweit geht es dabei auch um Echtzeitauswertungen?
Menden:
Die Nutzung unserer Plattform werten wir in Echtzeit aus und steuern damit ebenfalls in Echtzeit den Traffic auf der Plattform, ebenso wie die SEA-Aktivitäten. Dies ermöglicht eine starke Optimierung für unsere Kunden. Und das auf einem Niveau, das der Kunde selbst nicht erreichen kann. Hierfür haben wir eine eigene Big-Data-Analytik und Modelle, die wir über ein Jahr lang aufgebaut haben und kontinuierlich ausbauen.

ITM: Welche Lösungen (Hard- und Software) setzen Sie dabei für welche Zwecke ein?
Menden:
Bei uns ist alles virtualisiert über ein skalierbares VM-Ware-Cluster. Auf der Datenbankseite setzen wir auf eine Mischung aus PostgreSQL und Oracle. Momentan prüfen wir den Einsatz von Exasol. Im ETL-Bereich nutzen wir den Business Objects Data Integrator. Zur Modellbildung und für Recommendations die Programmiersprache R und für die Klassifikation und Clusterung setzen wir Elasticsearch ein. Die Frontends für das Reporting haben wir uns in Rails mit etwas Angular.js selbst programmiert und an die gesamte Firma ausgerollt.

Insgesamt also ein Setup mit viel Open Source, bei dem wir uns für jeden Aufgabenbereich die passende Technologie herausgepickt haben. Dies hält uns kostenmäßig schlank und macht uns inhaltlich schnell und flexibel.

ITM: An welchen Stellen hat Ihnen die Technik einen Nutzen ermöglicht, den Sie als Anwender gar nicht angedacht hatten?
Menden:
Die Potentialberich­te für den Vertrieb und die Einsatzoptimierung haben sich als besser herausgestellt als geplant. Darüber hinaus machen wir den Nutzen für alle Mitarbeiter in der Firma über Live-Dashboards sichtbar – auf aufgestellten Monitoren mit Chrome laufend auf jeweils einzelnen Raspberry-PIs. Das ist Live-Business und Feedback für jeden. Business Intelligence ist nützlicher, wenn jeder die Daten präsent hat und versteht.

ITM: Was ist technisch noch nicht möglich oder noch zu aufwendig?
Menden:
Man kann immer mehr im BI-Bereich machen: mehr Data Mining, mehr Modelle. Hier gilt es abzuwägen. Letztlich ist das eine Kosten-Nutzen-Überlegung, bei der man den tatsächlichen Wert einer Optimierung nicht überschätzen darf. Bei den technischen Möglichkeiten gibt es praktisch kein Limit. Mit den aktuellen Computing-Möglichkeiten ist fast alles denkbar. MapReduce und die Implementierung über Hadoop sind hier nur der Anfang.
Die Industrie 4.0 und das „Internet of Things“ werden zu einer weiteren Datenexplosion im BI-Bereich führen. Hier sehe ich die größte Herausforderung, abgesehen von der automatischen Modellbildung, die heute immer noch nicht zufriedenstellend ist.

ITM: Welche IT-Projekte planen Sie für die Zukunft?
Menden:
Wir möchten unser internes Reporting-Portal weiter ausbauen und für unsere Mitarbeiter mobil verfügbar machen, um die interne Nutzung weiter zu erhöhen. Ebenso müssen wir unsere Traffic-Modellierung erweitern, weil wir jetzt zu einem B2B-Produktmarktplatz werden. Auch mit der Organisationsstruktur experimentieren wir und sind derzeit bei einem sehr produktiven Setup mit zentraler technischer Business Intelligence für ETL, DWH, Modelle und Reporting – und dezentral mit in den Einheiten sitzenden Analysten für den jeweiligen Fachbereich.

 

„Wer liefert was“

  • Branche: B2B-Anbietersuche
  • Hauptsitz: Hamburg
  • Mitarbeiter: 200
  • Gründung: 1932

 

 

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